4. Tag  Schleswig – Haddeby/Haithabu (5 km) – Selk (5 km) – Lottorf (4 km) – Kropp (5,5 km) = ca. 20 km

Schwierigkeit leicht

Zeitbedarf ca. 5 Stunden ohne Pausen und Besichtigungen

Besichtigung: Haddeby St. Andreas, Haithabu

Impuls für den Tag: Gott ist treu und wird nicht zulassen, dass die Prüfung über eure Kraft geht. Wenn er euch auf die Probe stellt, sorgt er auch dafür, dass ihr sie bestehen könnt. (1 Kor 10,13)

 

Sage: Der goldene Fisch

Zwei arme Fischer, die auf dem Schleswiger Holm wohnten, hatten die ganze Nacht vergeblich gearbeitet und zogen zum letzten Mal ihre Netze wieder leer herauf. Als sie nun traurig heimfahren wollten, er­schien die schwarze Gret, die sich öfters den dortigen Fischern zeigt. Sie kommt vom andern Ufer her, wo eine Stelle im Dannewerk, in der Nähe von Haddeby, nach ihr Margarethenwall heißt, und erscheint in königlicher Pracht, mit Perlen und Diamanten geschmückt, aber immer im schwarzen Gewand. Die sprach zu den Fischern: „Legt eure Netze noch einmal aus! Ihr werdet einen reichen Fang tun. Den bes­ten Fisch aber, den ihr fangt, müsst ihr wieder ins Wasser werfen.“

Sie versprachen es und taten, wie die Gret gesagt hatte. Der Fang war so überschwenglich groß, dass ihn der Kahn kaum fassen konnte. Einer der Fische aber hatte Goldmünzen statt der Schuppen, Flossen von Smaragd und auf der Nase Perlen. „Das ist der beste Fisch“, sprach der eine Fischer und wollte ihn wie­der ins Wasser setzen. Aber der wehrte ihm und versteckte den Fisch unter dem übrigen Haufen, dass die Gret ihn nicht sähe. Dann ruderte er hastig zu; denn ihm war bange. Ungern folgte ihm sein Gefähr­te.

Aber wie sie so hinfuhren, fingen die Fische im Boote allmählich an zu blinken wie Gold; denn der Gold­fisch macht die übrigen auch golden. Und der Kahn ward immer schwerer und schwerer und versank endlich in die Tiefe und zog den bösen Gesellen mit hinab. Mit Not entkam der andere und erzählte die Geschichte den Holmer Fischern. (In: Müllenhoff, Karl: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg)

Vor der Schlossinsel hat die Regionalgruppe Schleswig-Holstein/Hamburg in der Deutschen Jakobus­gesellschaft eine Stele aufgestellt: Santiago de Compostela 3199 km. Bei einer durchschnittlichen Schrittlänge von 75 cm sind das 2 Millionen 399 Tausend und 250 Schritte. Ganz so viele brauchen Sie auf unserer 4. Tagesetappe nicht zurückzulegen: bis nach Kropp sind es ‚nur’ 26000 Schritte.

Und vom Schloss aus geht der Weg zunächst auf dem Fahrradweg neben der viel befahrenen B 76 nach Haddeby und zur St.-Andreas-Kirche. die direkt am Weg liegt.

Dass es sich bei dieser aus rohen Feldsteinen im 12. Jh. gebauten Kirche um die Marienkirche des heili­gen Ansgar handelt, die dieser als Holzkirche im Jahr 849 gegründet hatte, ist eher unwahr­schein­lich. Aber dennoch wird die Marienkirche irgendwo in der näheren Umgebung gestanden haben, vielleicht so­gar im wenige hundert Meter entfernten Haithabu. Denn Haithabu, die große mittelalterliche Wikinger­sied­lung, gilt zuverlässig als Ausgangspunkt der Verbreitung des christlichen Glaubens in Norddeutsch­land.

Ein kurzes Innehalten in der St.-Andreas-Kirche sollten Sie nicht versäumen. Der schöne Altar mit den Darstellungen der zwölf Apostel zeigt natürlich auch einen ausgesprochen schönen heiligen Jakobus mit einer Jakobsmuschel am Pilgerhut. Leider ist ihm im Laufe der Geschichte der Pilgerstab abhanden ge­kom­men. Der Darstellung jedoch tut das kaum einen Abbruch.

Von St. Andreas aus sind es nur wenige Schritte bis zum 1985 eröffneten Wikinger-Museum, in der Nähe des historischen Siedlungsplatzes Haithabu. Das Museum gehört zu den Landesmuseen und ist von April bis Oktober täglich von 9 bis 17 Uhr und von November bis März dienstags bis sonntags von 10 bis 16 Uhr ge­öffnet. Viele der in Haithabu gefundenen Gegenstände sind hier ausgestellt. Auch Gartenfreunde kom­men auf ihre Kosten: im Umfeld des Museums wurde ein Museumsgarten mit Kulturpflanzen aus der Blüte­zeit von Haithabu eingerichtet.

Seit 1900 werden auf dem 26 ha großen Siedlungsgebiet innerhalb des noch heute erhaltenen Halbkreis­walles systematische Ausgrabungen durchgeführt.

Wahrscheinlich wurde Haithabu in der ersten Hälfte des 8. Jh. gegründet, spätestens jedoch 770. Eine Seehandelsroute zwischen Ostsee und Nordsee führte durch die Eider, Treene, Rheider Au und Schlei. Nur von der Rheider Au zum Selker Noor mussten die Schiffe über Land gezogen werden. Noor leitet sich vom dänischen Nor ab und bedeutet soviel wie Bucht.

Haithabu entwickelte sich schnell zum bedeutendsten Handelsplatz der Dänen. Im 10. Jh. erreichte erste echte mittelalterliche Stadt in Nordeuropa ihren Höhepunkt und hatte mindestens 1500 Einwohner. 1050 wur­de die Stadt zerstört und 1066 von den Slawen geplündert. Daraufhin verlegten die Einwohner die Sied­lung an das andere Ufer der Schlei, nach Schleswig; Haithabu wurde nicht wieder aufgebaut.

Bisher sind nur etwa 5% des Siedlungsareals innerhalb der gut erkennbaren Wälle und etwa 1% der Hafenanlagen archäologisch untersucht worden. Man hat nun begonnen, einige Wikingerhäuser original­getreu mit Original-Baustoffen und einfachen Werkzeugen wieder aufzubauen. Im Sommer können die Wikingerhäuser besichtigt werden, ab 01. November sind sie leider über den Winter geschlossen.

Bald schon sehen Sie vor sich die Brücke an der Engstelle zwischen Haddebyer und Selker Noor. Vorher jedoch kommen Sie noch an einem Runenstein vorbei. Diese Nachbildung eines Steins aus dem 10. Jh. wurde von einer Königin Asfrid für ihren Sohn Sigtrygg gesetzt. Immer verweisen Runensteine auf Män­ner, die etwas besonderes geleistet hatten. Für die Archäologie heute sind sie deshalb wichtig, weil sie sich mit realen Ereignissen verbinden lassen.

Von der Brücke aus haben Sie noch einmal einen schönen Blick auf Haithabu und auch auf Schleswig mit dem dominierenden Dom. Auf der anderen Seite treffen Sie zunächst auf einen Hohlweg. Ein Beweis, dass die Engstelle oder Furt zwischen den Nooren den Bewohnern der Umgebung schon lange zum Aus­tausch von Waren und Gütern diente. Rechts geht es hinauf, um dann, immer am Ufer des Noor bleibend, bis nach Selk zu führen. Teilweise führt der Weg über Stege, die es einem ermöglichen, auch sumpfi­ges Gelände überwinden zu können.

Vorbei geht es an Selk in Richtung Hahnenkrug, wo Sie die A 7 überqueren. Immer an der Straße ent­lang, führt Sie der Jakobsweg durch Lottorf und Boklund bis nach Kropp, dem heutigen Etappenziel.

Kropp

Allgemeines: Die Gemeinde Kropp liegt im Landkreis Schleswig-Flensburg und hatte am 31.12.2012 eine Einwohnerzahl von 5997.

Ansprechpartner: Ev. Gemeindebüro, Hauptstraße 3a, 24848 Kropp, Telefon 04624-1317, E-Mail b.bathelt add kirche-kropp.de; Tourismusverein Kropp und Umgebung, Am Markt 10, 24848 Kropp, Telefon 04624-450241, eMail info add gemeinde-kropp.de.

Übernachtungstipps bei booking.com

Kropp wird im Jahr 1285 im dänischen Krongutsverzeichnis unter König Erich Klipping erwähnt. Der Na­me Kropp (Kropf) bezieht sich wohl auf die Erhebung, auf welcher der Ort liegt. Heute wird der Ort im Wesentlichen durch die seit 1879 bestehenden diakonischen Einrichtungen und die Bundeswehr bestimmt. Die Dorfkirche, eines der Wahrzeichen von Kropp, stammt aus dem Jahr 1250.

aktualisiert am 05.05.2014