4. Etappe Diez/Lahn (150 m) – Balduinstein (115 m) – Gabelstein (240 m) – Obernhof (120 m) 26 km
Schwierigkeitsgrad: schwer
Besichtigungen: Balduinstein, Schaumburg, Kloster Arnstein
Zeitbedarf: ca. 7 Stunden (bei 4 km/Stunde) zzgl. Pausen und Besichtigungen
Tagesmotto: „Der Mensch kann sich nicht umschaffen, ohne zu leiden, denn er ist beides, der Marmor und der Bildhauer.“ (Alexis Carrel)
Lahn  Camino
Die heutige Tagesetappe von Diez nach Obernhof stellt an Ihre Kondition einige Anforderungen. Wenn Sie nicht besonders trainiert sind, ist es vielleicht besser, die Etappe schon in Laurenburg zu beenden. Zwar geht es von der Lahn kaum auf über 300 m hoch, jedoch ist die Vielzahl der Anstiege eine besondere Herausforderung. Besonders der letzte Anstieg an den Häuserhöfen hat es in sich und fordert Sie auf den letzten Kilometern noch einmal besonders.
Aus der Stadt Diez geht es an der Kirche zunächst einmal auf die Höhen, dort durch ein Wohngebiet und dann an der Strasse entlang auf einem Fussgängerpfad in Richtung Fachingen. Hier oben können Sie schon eines der heutigen Tagesziele in einiger Entfernung erkennen: die Schaumburg. Nach ein paar Kilometern geht es auf einem steilen Weg, der bei schlechtem Wetter durchaus unangenehm werden kann, wieder hinunter zur Lahn in das kleine Örtchen Fachingen. Aus diesem Ort kommt das berühmte Staatl. Fachingen Mineralwasser. Schon im 18. Jhdt. erzählte man sich von einem Kölner Schiffer, der nach dem Trinken des heilsamen Wassers von seinem Verdauungsleiden befreit wurde.
Schon bald geht es wieder nach oben und nach etwa 2 km erreichen Sie Balduinstein mit der Burg. Unterwegs bieten sich Ihnen einige wunderschöne Ausblicke auf die Lahn. Erzbischof Balduin von Trier begann im Jahr 1319 mit dem Bau der Burg unterhalb der Schaumburg und übergibt sie 1335 an den Ritter von Staffel. Nachdem sie im 14. und 15 Jhdt. ausgebaut wurde, verfällt die Burg ab dem 17. Jhdt.immer stärker, so dass schliesslich nur noch die Mauern standen. Seit 1974 wird die Burg Balduinstein von der bündischen Jugend als Jugendburg genutzt. Ein weiteres interessantes Bauwerk ist der, nahe der Lahn gelegene, achteckige Port-Turm. Hier gibt es Hinweise darauf, dass es sich um einen, lange vor der Burg errichteten, Templerturm handelt. Nie führte durch diesen, in die Stadbefestigung integrierten Turm, eine Pforte oder ein Tor. Ausserdem hatten die Templer eine Vorliebe für die Zahl 8. Dieser Turm gibt heute den Historikern viele Rätsel auf.
Vorbei an der Burg geht es mit einem Blick zurück auf Balduinstein wieder hinauf. Am Ende dieses Anstieges wartet die Schaumburg, die vermutlich schon im Jahre 915 erbaut wurde. Die ersten urkundlichen Erwähnungen stammen aus dem Jahr 915. Von 1847 bis 1867 gehörte die Schaumburg Erzherzog Stefan von Österreich die Schaumburg, der sie ab 1850 aufwändig zu dem neugotischen Schloss umbauen liess, in der sie heute noch erscheint. Nachdem sich nach 1983 die Planung eines Hotels mit Goilfplatz zerschlagen hat, verfällt das Schloss mitsamt dem Inventar zusehends. Lediglich die Schloßkapelle ist in einem guten Zustand. Das von der Decke herabhängende Jerusalemkreuz soll der älteste Gegenstand im Schloss sein und sich dort seit der Grundsteinlegung befinden. Teilweise kann das Schloss in den Sommermonaten besichtigt werden, von Juni bis September täglich ausser Montag. Der Eintritt beträgt 2 Euro.
Weiter führt der Weg zunächst an der Strasse entlang, aber schnell wieder im Wald, auf den Lahnhöhen nach Steinsberg, vorbei an einigen Schutzhütten, die wieder einen schönen Blick ins Lahntal bieten. Nach dem Überqueren der L 323 führt der Weg wieder steil nach oben zur Schönen Aussicht. Nach dem Abstieg führt der Lahn-Camino am Bahnhof von Laurenburg vorbei. Hier empfiehlt es sich für den untrainierten Pilger, diese Etappe zu beenden und am nächsten Tag die Pilgerwanderung mit einer Besichtigung von Burg und Schloß Laurenburg (auf der rechten Lahnseite) fortzusetzen. Die Übernachtung auf dem Campingplatz kostet Euro 4,50 pro Person, im Gasthof „Zum Lahntal“ die Übernachtung mit Frühstück im Doppelzimmer pro Person Euro 20,–. Die Anschrift: Gasthof „Zum Lahntal“, Inh. Fam Ehrich, Lahnstr. 5, 56379 Laurenburg, Tel.: 0 64 39 / 76 20, E-mail: webmaster@gasthofzumlahntal.de.
Im Jahr 1093 wird die Burg Laurenburg erstmalig urkundlich erwähnt.  Dudo Comes de Lurenburch gilt als Erbauer. Seine Söhne haben schon im Jahr 1124 mit dem Bau der Burg Nassau begonnen und nannten sich dann Grafen von Nassau. Wie es zur Zerstörung der Burg kam, ist weitgehend unbekannt. 1643 hat Reichsgraf von Holzappel die verfallene Laurenburg erworben. 1985 hat Horst Wienberg die Burg gekauft und es sich zur Aufgabe gemacht, die Ruine zu sichern und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Sie ist ganzjährig täglich, ausser dienstags, von 10 – 18 Uhr geöffnet. Zur Burg gehört auch ein kleines Militär-Museum.
Das Alter des Schlosses Laurenburg liegt im Dunkeln. Im 14.Jhdt. gibt es urkundliche Erwähnungen eines Hofes an dieser Stelle. Die Fürsten von Anhalt-Bernburg nutzten es im 18. Jhdt.als Sommerresidenz. Durch Erfolge gelangte es an Erzherzog Stephan von Österreich (siehe auch Schaumburg), der es seinen Bediensteten als Altersruhesitz überliess. Nach mehreren Besitzer-Wechseln gelangte das Schloss schliesslich in den Besitz der Evangelischen Kirche Nassau-Hessen und wird heute als Pflegeheim genutzt.
Wir gehen aber weiter auf der linken Lahnseite, auf dem Weg neben der Bahntrasse. Wenn die asphaltierte Strasse über die Bahngleise zur Lahn führt, bleiben Sie bitte links der Bahn. Evtl. müssen Sie sich hier einen Weg bahnen, zum Zeitpunkt unserer Begehung im Januar 2007 war der Weg hier weder ausgeschildert, noch vom Gestrüpp und hohem Gras befreit. Hinter dem verlassenen Haus wenden Sie sich nach links. Hier folgt der letzte heftige Anstieg des Tages. Aber auch hier erreichen Sie nach einigen 100 m die Höhen. Auf gut ausgebauten und ausgeschilderten Wegen geht es jetzt in Richtung Obernhof und Kloster Arnstein.
Schon lange bevor Sie das Kloster sehen können, hören Sie die Glocken der Kirche. Und bevor Sie in den Ort hinuntergehen, sollten Sie erst noch diese alte Wallfahrtstätte besuchen.
 

Obernhof und Kloster Arnstein
Allgemeines: Obernhof liegt an der Lahn und gehört zur Verbandsgemeinde Nassau, im Bundesland Hessen und im Rhein-Lahn-Kreis. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.06.2006 auf 387.
Anlaufstellen: Pfarrbüro Kath. Pfarramt St. Margareta, Kloster Arnstein, Obernhof, Telefon 02604-1412, eMail s.nonn@bistum-limburger.de
Übernachtung: 

Privatpension Klose,

Hauptstrasse 35  Tel 02604/ 62 71 Fax 02604/ 95 15 25

Mit 3 Sternen klassifizierte Pension.
Gesamtbettenzahl: 4, B/D/T/L/Gt/TV/Radio
Übernachtung mit Frühstück: ab 18.-/Tag

www.fewo-klose.de.vu
H-M.Klose@web.de 

Geschichte: Obernhof ist ein romantisches Lahnörtchen mit liebevoll restaurierten Fachwerkhäusern. Die als Hallenkirche im Barockstil 1715 erbaute evangelische Kirche ist ein Kleinod. Etwas ausserhalb des Ortes liegt das über 750 Jahre alte Wasserschloß Langenau. In Oberhof wird heute noch Wein angebaut, die Lage Obernhofer Goetheberg zählt zum Weinanbaugebiet Mittelrhein. Es werden Spätburgunder und Riesling angebaut.

Unterhalb des Klosters passieren Sie die Klostermühle, die in früheren Zeiten dem Kloster zur Fertigung der Lebensmittel diente, heute aber die Bibelschule der evangelikalen Missionsgesellschaft der Fackelträger beherbergt. Dann geht es entweder die Strasse, oder, wenn Sie noch Kraft haben, den schmalen Trampelpfad hinauf zum Kloster. Die Geschichte reicht zurück bis in die 2. Hälfte des 10. Jhdt. 1139 hat Graf Ludwig III.seine Burg Arnstein in ein Prämonstratenser-Kloster umgewandelt, 1145 bestätigt Konrad III. die Abtei als reichsunmittelbar. Als die Nassauer zum Protestantismus übertraten, unterstellte sich das Kloster dem Erzbistum Trier. 1919 bildeten die Arnsteiner Patres hier das erste Konvent auf deutschem Boden. Seit 1924 gibt es die Arnsteiner Herz-Jesu-Wallfahrt.