Bullay – über Moselbrücke – Marienburg – Kaimt – Moselbrücke – Notenau – Schöne Aussicht – Bummkopf – Enkirch – Starkenburg – Grevenburg – Traben-Trarbach = ca. 25 km

Schwierigkeit mittel

Zeitbedarf 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen Alf, Zell, Enkirch, Grevenburg, Traben-Trarbach, Mont Royal 

„Ultreia“, „vorwärts“, heißt es im Lied der Jakobuspilger aus dem Mittelalter. Und weiter vorwärts soll es heute auch auf dem Mosel-Camino gehen. Die traumhafte Aussicht von der Marienburg, die zur Stadt Zell gehört, wollen wir nicht verpassen und müssen deshalb mal wieder kurzzeitig die Moselseite wechseln. Das geht zum einen über die Moselbrücke, die etwas oberhalb des Ortszentrums gelegen ist. Von dort aus wenige Meter nach links, und dann nach rechts bergauf zur Marienburg. Zum anderen aber kann man auch die Fähre zwischen Bullay und Alf (der Fährkopf liegt direkt im Ort am Moselufer bzw. auf der Alfer Seite am Moselhotel Alf) benutzen.

Diese Alternative ermöglicht es, noch ein wenig durch die malerischen Gassen von Alf zu schlendern. Übrigens werden in Alf die Ortsschilder in der Touristen-Info verkauft. Auf diese Idee kam die Gemeinde, nachdem die echten, offiziellen Ortschilder in den 80er Jahren durch den Erfolg der Fernsehserie ‚Alf’ eine besondere Beliebtheit erlangten und immer wieder gestohlen wurden.

Ab Alf verläuft der Mosel-Camino vom Fährkopf kommend auf dem Moselhöhenweg mit dem weißen ‚M’ auf schwarzem Grund und dann auf dem Wanderweg "Q2" am Haus Waldfrieden und der Sitzgruppe vorbei in Richtung Prinzenkopf mit dem (z. Z. gesperrten) Aussichtsturm.

Schon bald können Sie bereits die Marienburg sehen, die Wegmarkierung ist Q3/Q1. Schon zur Zeit Karls des Großen stand hier unter dem Schutz einer trierisch-erzbischöflichen Burg, dem Castrum S. Mariae, die Pfarrkriche des Hamm (Bereich Zell). Ihre Pfarrrechte wurden 1142 der Abtei Springiersbach übetragen. 1146 errichtete Abt Richard auf der Marienburg einen Augustinerinnen-Chorfrauen-Konvent, mit der neuen Marienkirche anstelle der alten Peterskirche. Die Pfarrrechte gingen um 1220 auf die St.-Peterskirche in Zell über. 1515 erlaubte Papst Leo X. die Auflösung des Klosters, um hier neue Befestigungen anzulegen.

Im Dreißigjährigen Krieg war die Burg im Wechsel von Freund und Feind besetzt; 1650 wurde sie zerstört. 1803 wurde sie im Zuge der Säkularisation versteigert.

1950 erwarb das Bistum Trier die Marienburg und baute sie zu einer Jugendburg aus. 1957 wurde die Marienkirche wieder aufgebaut. Heute wird sie als Jugendbildungsstätte und Tagungshaus für Jugendliche und Erwachsene mit 112 Betten in Zimmern mit unterschiedlicher Ausstattung genutzt. Von hier haben Sie einen traumhaften Blick ins Moseltal. Die Marienkirche bietet die Möglichkeit zu Ruhe, Gebet und Besinnung. Ein Café-Restaurant sorgt zudem für das eher leibliche Wohl. Informationen: Jugendbildungsstätte Marienburg 56856 Zell/Mosel Tel: 06542/93680; http://www.gruppenhaus.de/new/hausansicht.php?hs=2885

Es geht weiter vorbei am Haus Nonnenkehr, der Ruine des Marienthaler Hofes sowie dem Engelskapellchen aus dem Jahr 1886 hinab zur viel befahrenen B53. Diese wird bei Zell-Kaimt überquert, um dann zur Mosel und die Fußgängerbrücke nach Zell und damit auf die Hunsrückseite der Mosel zu gelangen.

Zell (= cella) war immer schon, allein wegen des Namens für eine römische Gründung gehalten worden, obwohl es im Stadtkern lange Zeit keine konkreten Baureste gab. Erst 1978 fanden sich bei Kanalisationsarbeiten Reste einer Badeanlage, die mit einer Hypokausten-Heizung ausgestattet war.  Dieser Fund sowie der eines längeren Stückes Römerstraße bewiesen, dass Zell schon zur Römerzeit besiedelt war. Zwischen den römischen Hauptstraßen Trier-Mainz und Trier-Andernach gab es eine wichtige Verbindung, die von Wittlich nach Simmern führte und zwischen Zell und Kaimt die Mosel auf einer Furt querte. Zell ist also  als römische Straßenstation mit Lagerhäusern (cellae), möglicherweise auch mit einem Hafen.

Schon 1222 hatte Zell die Stadtrechte erhalten, 1229 wurde die Stadtmauer mit drei Toren fertig gestellt. 1532, bei der Verteidigung Triers gegen die anstürmende Streitmacht Franz von Sickingens, machten sich 300 Streiter aus dem Zeller Hamm einen Namen wegen ihrer besonderen Tapferkeit. Ihre Standhaftigkeit wurde sprichwörtlich und seitdem heißt es in Mundart: "He steiht ferm (fest) wie ein Zeller us em Hamm!" Kurfürst Richard von Greiffenklau dankte den Zellern, indem er den Sitz des trierischen Amtes für die Gegend von Burg Arras nach Zell verlegte und das schöne Schloss bauen ließ, das noch heute das reizvollste Gebäude der Stadt ist.

Brände in den Jahren 1848 und 1857 vernichteten einen großen Teil der alten Bausubstanz. Zell wurde danach mit verbreiterten Straßen wieder aufgebaut und wirkt deshalb ‚städtischer’ als die meisten Moselstädte. Erhalten blieb damals unter anderem das ‚Haus Caspary’ in der Balduinstraße, ein interessanter gotischer Bau, der 1515 für den kurtrierischen Amtmann Johann von Senheim errichtet wurde. Auch die Pfarrkirche St. Peter und Paul von 1786 überstand die Feuersbrünste.

Von der mittelalterlichen Stadtbefestigung sind vor allem zwei Türme erhalten. Der ‚Viereckige Turm’ im Zeller Bachtal und der ‚Runde Turm’, am Friedhof über der Stadt, der sich als Vordergrund für Panorama-Aufnahmen von Zell anbietet und auf fast keiner Ansichtskarte fehlt.

Fast dörflich wirkt Zell dagegen in der Jacobstraße, einer schmalen Gasse mit kleinen Winzerhäusern, die bei der Pfarrkirche von der Hauptstraße abzweigt. Dort findet sich auch an der Rückseite des Schlosses die Tür der ehemaligen Synagoge der jüdischen Gemeinde von Zell.

Mittelpunkt der Stadt ist der kleine Marktplatz, der die Balduinstraße, die Hauptgeschäftsstraße, mit den Grünanlagen am Flussufer verbindet. Hier steht auf einem Brunnen das Markenzeichen der Zeller Weine, die berühmte ‚Schwarze Katz’. Schräg gegenüber vom Rathaus wird unter den Bögen der alten Marktlaube zu mancher Gelegenheit Wein ausgeschenkt. Hier ist aber auch der Ausgangspunkt jener alten Römerstraße, die steil von der Mosel auf den Hunsrück hinaufführt und der Zell seine Entstehung verdankt.

Nach einem Bummel durch die Stadt gehen Sie auf dem Moselhöhenweg (grünes Schild mit weißem ‚M’) ein Stückchen auf dem Uferweg moselaufwärts in Richtung Notenau. Biegen Sie nach links in die Notenau ein (dabei verlassen Sie kurzzeitig den Moselhöhenweg) und am Ende der Bebauung geht es rechts zur Wassertretanlage hinauf und weiter zur ‚Schönen Aussicht’ (beschildert). Gerade der Heimat- und Verkehrsverein der Stadt Zell gibt sich mit der Markierung der Wanderwege große Mühe. Von der hier führt Sie unser Mosel-Camino dann in Richtung Bummkopf (keine Bewirtschaftung mehr!), wieder ein sehr gut beschilderter Weg. Bis nach Enkirch sind es nun noch etwa 5 km; auf dem Moselhöhenweg geht es nun ständig bergab mit einigen schönen Aussichtspunkten.

Informationen:

Tourist -Information Zeller Land der Stadt und Verbandsgemeinde Zell (Mosel)

Balduinstr. 44, Rathaus

D-56856 Zell/Mosel

Tel. (0049) 06542-9622-0 oder -19433

Fax (0049) 06542-9622-29

E-mail: info@zellerland.de

Internet: www.zellerland.de und www.zellmosel.de

Enkirch, eine bedeutende keltische und römische Ansiedlung, trägt wegen der vielen schönen, erhaltenen Fachwerkhäuser aus dem 15. – 18. Jh. den Ehrentitel ‚Schatzkammer rheinischen Fachwerkbaues’. Der Mosel-Camino verläuft mitten durch den Ort – nehmen Sie sich doch die Zeit, einmal links und rechts zu schauen. Die heute evangelische Pfarrkirche von Enkirch dürfte im ältesten Teil aus dem Jahr 908 stammen. Da Enkirch keine Burg hatte, war die Kirche zur Wehrkirche ausgebaut worden. Teile der inneren Wehrmauer sind noch erhalten. Etwas außerhalb, am Ortsrand, wurde im Jahre 1135 durch das Kloster Ravengiersburg eine Marien-Wallfahrtskapelle errichtet. Später zur Probsteikirche erweitert, wurde sie 1685 in ein neu gegründetes Franziskanerkloster eingegliedert. Nach Auflösung des Klosters durch Napoleon erhielt die katholische Kirchengemeinde das Gotteshaus.

Sie folgen dem Moselhöhenweg mit seiner Markierung ‚M’, hier mit dem von Bad Kreuznach kommenden Sponheimer Weg (Markierung: ‚S’) identisch ist, an der evangelischen Kirche vorbei steil durch die Weinberge hinauf zum Aussichtspunkt ‚Rottenblick’. Seit 1979 bereichert die Enkircher Oberdorfgemeinschaft ‚Rotte 10 & 11’ mit ihrem freiwilligen Engagement das Dorfgeschehen von Enkirch, insbesondere des Oberdorfes von Enkirch. 2006 hat sie hier oben eine wunderschöne Schutzhütte aufgebaut, von der man einen ebenso tollen Blick auf das Moseltal hat. Von hier aus kann man sich entscheiden, welchem dieser beiden Wege man folgen möchte. Wir empfehlen den Sponheimer Weg, weil er, genau an der Grenze zwischen Wald und Weinberg (‚Kirst’) verlaufend, immer wieder atemberaubende Ausblicke ermöglicht. Aber auch der Moselhöhenweg, der durch den Wald führt, hat seine Reize. Egal, wozu man sich entscheidet: Immer wieder laden Bänke, selbst im eher ungemütlichen Winter zum Verweilen ein. Bei schlechter Witterung sollten Sie aber auf gutes Schuhwerk achten; der schmale Weg, v. a. der ‚Sponheimer Variante’ ist nicht befestigt und Wurzelwerk und Steine können leicht zum Stolpern führen.

Informationen: 

Tourist-Information Enkirch

Brunnenplatz 2

56850 Enkirch

Telefon 06541/9265

Fax: 06541/5269

E-Mail: info@enkirch.de Internet: www.enkirch.de

Nach einiger Zeit gehen beide Wege wieder ineinander über, und einige Minuten später erreichen ‚M’ und ‚S’ das gut 250m oberhalb der Mosel gelegene Starkenburg. Hier sind leider nur noch wenige Mauerreste der ehemaligen Starkenburg zu finden. Diese erlangte im 14. Jh. Berühmtheit durch die mutige, tatkräftige – und wie es heißt – überaus schöne Gräfin Loretta, der jungen Witwe des Grafen Heinrich II. von Sponheim. Diese hatte nämlich kurzerhand den Trierer Fürstbischof Balduin von Luxemburg auf einer Moselreise gefangen nehmen lassen und auf der Starkenburg in Ehrenhaft genommen. Dem Trierer Erzbischof waren die Besitztümer der Sponheimer inmitten seines Landes ein Dorn im Auge und er versuchte, seine Macht auszuweiten. Ein Beispiel für sein Machtstreben ist auch Balduinstein an der Lahn (siehe auch ‚Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein’ ISBN 978-3833494758). Aber Loretta kam ihm zuvor. Neun Monate dauerte seine Haft, und weder Kaiser noch die päpstliche Banndrohung konnte die Gräfin veranlassen, den Kurfürsten freizulassen. Erst die Vermittlung des böhmischen Königs führte zur hoher Lösegeldzahlung und Freilassung.

Auf dem Weg durch den Ort passieren Sie zunächst links den ‚Lorettablick’, wo einst die Starkenburg stand, anschließend die 1765 geweihte evangelische Kirche von Starkenburg. Nach der Renovierung im Jahr 1983 zeigt sie sich in den ursprünglichen Farben. Die schöne und wertvolle Stumm-Orgel, 1785 gebaut, verfügt über 1 Manual und 8 Register. Vielleicht haben Sie Glück und die Kirche ist offen, um hier ein paar Minuten zu verweilen.

Im Ort führen beide Wege dann zwischen den Häusern über eine Treppe zunächst auf ein kleines Plateau und anschließend hinab zur Mosel. An einer Hausecke hat ein lustiger Bewohner des Dorfes in ca. 3 m Höhe eine Hochwassermarkierung angebracht. Wer weiß, wie viele Wanderer sich schon ernsthaft überlegt haben, ob die Mosel in neuerer Zeit wirklich mehr als 250 m hoch gestanden haben kann, und dies am 30.02.1983 …

Drei starke Sprüche aus Starkenburg, aufgelesen am Wegesrand:

„In ihm sei’s begonnen, der Monde und Sonnen an blauen Gezelten des Himmels bewegt. Du Vater, du rate! Lenke du und wende! Herr, dir in die Hände sei alles gelegt!“ (Eduard Mörike)

„Weise mir, Herr, deinen Weg. Dasz ich wandele in deiner Wahrhet. Erhalte mein Hertz bey dem einigen, dasz ich deinen Namen fürchte.“ (Psalm 86,7)

„Gott lieben macht selig, Wein trinken macht fröhlich. Drum liebe Gott und trinke Wein. So magst du selig und fröhlich sein!“ (Trinkspruch, unbekannter Autor)

Hinter Starkenburg geht es stetig weiter bergab mit der Markierung ‚M’ und den Markierungen für die verschiedenen Nordic-Walking-Strecken in Richtung Traben-Trarbach. Dabei passieren Sie die Grevenburg.

Die Grevenburg wurde 1350 von Graf Johann III. von Sponheim, dem Sohn Gräfin Lorettas, errichtet und löste die Starkenburg als Verwaltungssitz der Sponheimer ab. Der französische Sonnenkönig Ludwig XIV. eroberte im 17. Jh. die Burg und ließ sie als einen Teil der auf der gegenüberliegenden Seite auf einem Festungsplateau gelegenen Festung Mont Royal ausbauen. Anfang des 18. Jh. kam sie noch einmal in kurtrierischen Besitz und wurde in größerem Umfang ausgebaut. 1735 schließlich wurde sie von den Franzosen gesprengt. Viel ist von der Burg nicht erhalten, der Ausblick auf Traben-Trarbach aber imposant. Die Besichtigung der Ruine ist kostenlos. In den Sommermonaten hat die Burggaststätte geöffnet. Von hier führt der Weg immer weiter hinunter nach Trarbach, dem auf der rechten Seite gelegenen Teil der Doppelstadt.

Traben-Trarbach

Allgemeines:  Traben-Trarbach gehört zum Landkreis Bernkastel-Wittlich im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 6.075. 

Ansprechpartner: Katholisches Pfarramt St. Nikolaus, Weihertorplatz 2, 56841 Traben-Trarbach, Tel.: 06541-6487 (Dienstsitz des Pfarrers: Kinderbeuren); Tourist-Information Traben-Trarbach, Am Bahnhof 5, 56841 Traben-Trarbach, Tel.: 06541-83980, E-Mail info@traben-trarbach.de

Übernachtung: Mittelmosel-Jugendherberge Traben-Trarbach, Hirtenpfad 6, 56841 Traben-Trarbach Traben, Tel.: 06541-9278, E-Mail traben-trarbach@diejugendherbergen.de, Ü/F für 2 Personen ab 34 Euro; Ella und Jens Ahrens, Am Laubloch 25, 56841 Traben-Trarbach, Tel.: 0175 – 5 12 68 90, jens.ahrens@web.de; Ü/F im Doppelzimmer ab 35 Euro; Gästehaus Charlotte Clauß, Kirchstrasse 7, 56841 Traben-Trarbach Traben, Tel.: 06541-6347, E-Mail  gaestehaus-charlotte@t-online.de, Ü/F im Doppelzimmer ab 30 Euro

Traben-Trarbach besteht aus zwei ursprünglich eigenständigen Orten: Trarbach und Traben. Traben auf der linken Moselseite wird 820 zum ersten Male urkundlich erwähnt, der Nachbarort hingegen erst 1144. Die Gemarkung von Traben lag auf beiden Seiten der Mosel. Trarbach entstand in einem Bachtal und schob sich erst langsam zur Mosel vor. Nach 1233 wurde die Siedlung zum Hauptort der Hinteren Grafschaft Sponheim und hatte die Aufgaben eines Verwaltungszentrums zu erfüllen.

Durch die Stadtbrände (1857 und 1879) wurden die alten Ortskerne von Traben und Trarbach nahezu vollständig zerstört. Am Ende des 19. Jh. setzte eine rege Bautätigkeit ein. Diese ging mit dem wirtschaftlichen Aufschwung der beiden Moselorte einher. Vor allem in Traben wurde zu Beginn des 20. Jh. ein Großteil der öffentlichen Institutionen in neuen Gebäuden untergebracht. Die Serie begann mit dem Trabener Rathaus (1900). Es folgten der neue Bahnhof (1904) und die Post (1908). In Trarbach waren es das Gymnasium (1905) und das Kurhaus Wildstein (1901, Anbau 1905/07). Die Bauten sind stilistisch dem Historismus und der moselländischen Fachwerkarchitektur verpflichtet.

Die nach langen Diskussionen 1898/99 erbaute Brücke wurde weitgehend von der Stadt Trarbach und dem Regierungsbezirk Koblenz finanziert. Der Entwurf stammte von Bruno Möhring (Berlin, bekannter Jugendstil-Architekt). Zwar wurde die Brückenkonstruktion 1945 gesprengt, erhalten ist jedoch das Brückentor. Von Bruno Möhring stammen noch weitere Jugendstilbauten in Traben: das Hotel Clauss-Feist, heute ‚Bellevue’ (1901-03), die Weinkellerei Julius Kayer & Co. und (1901-03), die Wohnhäuser Adolf Huesgen (1904) und Dr. Breucker (1905) sowie der Erweiterungsbau des Kurhauses Wildstein (1906/07).

Traben-Trarbach liegt am Fuß der gigantischen Festung Mont Royal. Zwischen 1687 und 1698 ließ der Sonnenkönig Ludwig XIV. die Festung nach Plänen des Festungsbaumeisters Sebastien Le Prestre de Vauban erbauen. Aber fangen wir doch einfach mal von vorne an.

1648 endete der 30jährige Krieg mit dem Westfälischen Frieden. Die Einwohnerzahl im ehemaligen Deutschen Reich, schon nach 1500 in ca. 400 Kleinstaaten zerfallen, betrug gerade noch 20 Millionen. Und der große Nachbar, Frankreich, war geeint und die Bevölkerung war fast doppelt so groß. Die bekannte Welt blickte auf Frankreich und ihren größten Herrscher des Zeitalters: Ludwig XIV. – den Sonnenkönig. Mitten im Frieden, 1680/81, kam dieser Herrscher auf die Idee, die linksrheinischen Lande zu besetzen (wer daran weiter interessiert ist, sollte im Lexikon den Begriff ‚Reunionen’ nachschlagen).

Um die französischen Interessen am Rhein zu schützen, entwickelte sich auf Anweisung des Sonnenkönigs eine rege Bautätigkeit. Mit erheblichem finanziellen Aufwand und mit bis zu 8000 Fronarbeitern aus den umliegenden Ortschaften, welche die Materialien mit bloßen Händen auf die Höhen schaffen und dort ohne Maschinen verarbeiten mussten, wurde die auf den Eifelhöhen liegende Anlage auf einer Fläche von 50 ha errichtet. Die Länge betrug 1600 m, die Breite 750 m – der Wall war bis zu 20 m hoch und hatte eine Länge von 2920 m. Geplant war eine Besatzung von 8450 Soldaten und 3000 Pferden. Wie oben schon gesagt: gigantisch! Fertiggestellt wurde die Festung jedoch nicht. Der Staatshaushalt  wurde durch den Bau stark belastet, ohne jedoch einen entsprechenden militärischen Nutzen darzustellen. So waren die Franzosen nicht wirklich betrübt, als schon im Jahr 1698 gemäß den Bestimmungen des Friedens von Rijswijk gesprengt wurde. 

Die Festung Mont Royal zählte zu ihrer Zeit zu den größten und beeindruckendsten Festungsanlagen in Europa. Nach 1929 wurde der Reichsarbeitsdienst beauftragt, die Festung auszugraben – die Machthaber versprachen sich eine propagandistische Wirkung gegenüber Frankreich. Aber erst in jüngerer Zeit erhofft man sich eine touristische Nutzung des Geländes und hat damit begonnen, die Reste zu sichern. Ob es jedoch möglich sein wird, dieses Monument für die Nachwelt zu erhalten, scheint zur Zeit zumindest fraglich.

Wenn Sie Ihre Übernachtung in der Jugendherberge gebucht haben, führt Sie der Weg am Bahnhof vorbei in Richtung Mont Royal. Die Beschilderung ist gut, und vielleicht haben Sie ja noch die Kraft, einen Abstecher zur Festung hinauf zu machen. Ansonsten sollten Sie die Zeit noch am morgigen Tag einplanen.