Süderschmedeby – Sieverstedt (3 km) – Stenderup (1,5 km) – Idstedt (7,5 km) – Schleswig (13 km) = ca. 25 km

Schwierigkeit leicht

Zeitbedarf 6,5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen Sieverstedt, Idstedt, Schleswig (Landesmuseen mindestens 90 Minuten)

Impuls für den Tag: In der Religionsstunde fragt der Lehrer: „Was passiert, wenn du eines der Zehn Gebote brichst?“ Der Schüler nach langem Nachdenken: „Dann sind es nur noch neun…“ (unbekannt)

Sage: Das Schwarze Buch

Landgraf Karl von Hessen (gest. 1836) auf Schloss Gottorf war ein sehr gelehrter Mann. Nebenbei beschäftigte er sich viel mit den geheimen Künsten und Wissenschaften, so dass die Leute behaupteten, dass er ‚das schwarze Buch‘ besitze. Ein Schmied, der als guter Freund nicht selten auf Gottorf einkehrte, soll das schwarze Buch gesehen haben und durch dasselbe fast unglücklich geworden sein.

Er saß allein wartend im Zimmer, sah auf dem Tisch ein merkwürdiges Buch liegen, nahm es in die Hand und schlug es auf. Er wunderte sich über die ungewöhnlichen Buchstaben, und wie er anfing zu lesen, da schwärmte es um ihn von schwarzen Krähen in immer wachsender Zahl. Die kamen immer näher und näher, als wollten sie ihm Kopf und Augen zerhacken. In seiner Angst schrie er laut, und im selben Augenblick kam der Landgraf, der sich gerade erinnert hatte, dass er sein Buch dort habe liegen lassen. Wie er die Notlage des Schmiedes sah, begann er eifrig rückwärts zu lesen, und die Raben verschwanden nach und nach. (In: Kock, Heinrich: Sagen und Erzählungen aus der Landschaft Angeln. Kappel 1929)

Gerade heute sollten Sie zeitig aufbrechen, um Zeit für die schleswig-holsteinischen Landesmuseen im Schloss Gottorf in Schleswig zu haben. Sicher kann man im Schloss den ganzen Tag verbringen – den empfohlenen historischen Rundgang schaffen Sie aber in rund 90 Minuten (so die freundlichen Damen im Kassenhaus). Zum Besichtigungs’pflicht’programm gehören aber auch der Dom und vielleicht auch das St.-Johannis-Kloster in der Schleswiger Fischersiedlung Holm.

Doch zunächst geht es in Richtung Sieverstedt mit seiner rund 900 Jahre alten St. Petrikirche, die auf einem Hügel am Schnittpunkt historischer Handelswege erbaut wurde.

Sieverstedt

Allgemeines: Die heutige Gemeinde Sieverstedt entstand 1971 aus dem Zusammenschluss von Süderschmedeby, Stenderup und Sieverstedt. Die Gemeinde gehört zum Amt Oeversee im Landkreis Schleswig-Flensburg und hatte am 31.12.2012 eine Einwohnerzahl von 1621.

Ansprechpartner: Gemeindebüro St. Petri, Kirchenweg 2, 24885 Sieverstedt, Telefon 04603-347, E-Mail kirche add sieverstedt.kk-sf.de; Tourist- und Servicecenter Grünes Binnenland, Dorfstraße 8, 24963 Tarp, Telefon 04638-898404, E-Mail info add tourismus-nord.de

180 Grabhügel im Gemeindegebiet zeugen von der vorgeschichtlichen Bedeutung Sieverstedts. Die Gemeinde lag in einem ‚Verkehrsdreieck‘, Der Ochsenweg, der Stapelholmer Weg und der Angelboweg kreuzten sich hier. Dadurch entstand schon früh eine ausgedehnte Besiedlung. Und genau an der Kreuzung, auf einem Hügel etwas außerhalb des Ortes, steht die St. Petrikirche, ein Feldsteinbau mit Holzturm. Die Erbauung wird mit ca. 1050 – 1200 angegeben, somit gehört die Sieverstedter Kirche zu den ältesten Sakralbauten im Lande. Evtl. ist es sogar der Nachfolgebau für eine Holzkirche, die schon früher auf dem Grönshoy (dänisch für „grüner Hügel“) stand. Die Sage berichtet von einem Ritter, der in die Au ritt und versprach, eine Kirche zu bauen, wenn er wieder freikäme. Spätgotische Fresken wurden 1906 entdeckt und restauriert. Einen ganz besonderen Luxus im Mittelalter stellte der große Kamin in der Südostecke des Chores dar. Der Taufstein ist vermutlich älter als der Kirchenbau. Neben der Renaissancekanzel bleibt noch das Kreuz aus dem 15. Jh. im Chorbogen zu erwähnen.

Über die Böllingstedter Au kommen wir nach Stenderup. Dieser Ort wurde schon 1196 Stenthorp genannt und hat mit Stainthorp eine Entsprechung in England. Dies zeigt einen Zusammenhang zur Auswanderung der Angeln im 5. Jh.

Nach etwas mehr als 1 km gabelt sich die Straße. Der Jakobsweg führt halb links weiter am Glasholz vorbei zum Elmholz, einem größeren Waldstück. Rechter Hand führt der Weg mit einem kleinen Umweg am Poppholz vorbei zum und nach Helligbek (dänisch für ‚heiliger Bach’). Vor Helligbek liegt der ‚Taufstein‘. Der Sage nach soll Bischof Poppo  (+ um 1100) hier den dänischen König Harald Blauzahn nach einer Feuerprobe getauft haben. Bei dem Taufstein handelt es sich um den Deckstein eines vorgeschichtlichen Steingrabes. Die Straße führt Sie über Kellerbude zur K 49. Dort wenden Sie sich nach links und erreichen bei Stolkerfeld wieder die Via Jutlandica, der Sie dann rechts in Richtung Idstedt folgen.

Wenn Sie diesen kleinen Umweg nicht gegangen sind, überqueren Sie auf dem Weg nach Stolkerfeld den Branntweinsbek. Woher dieser ungewöhnliche Bachname stammt, konnte der Autor trotz Nachfrage beim Ortsbürgermeister nicht herausfinden. Vielleicht hilft ja ein Ortskundiger mit der Erklärung bis zur nächsten Auflage.

Von Stolkerfeld sind es bis nach Idstedt nur noch knapp 2 km. Von Idstedt selbst aus ist es, bedingt durch die recht ungünstigen Fahrzeiten, etwas schwierig, per ÖPNV in Richtung Schleswig oder Flensburg zu fahren. Da ist es besser, wenn Sie noch einmal die etwa 2 km bis nach Idstedt-Kirche einplanen. Das können Sie dann auch mit dem Besuch der Gedächtnishalle und des Denkmals für die Schlacht bei Idstedt verbinden. Aber dazu mehr weiter unten.

Idstedt

Allgemeines: Die Gemeinde Idstedt liegt im Amt Südangeln im Landkreis Schleswig-Flensburg. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2012 auf 848.

Die erste urkundliche Erwähnung Idstedts erfolgte 1196, jedoch gehört Idstedt wohl zu den ältesten Orten im ehemaligen Herzogtum Schleswig. Die Bedeutung im Mittelalter muss schon sehr groß gewesen sein, immerhin gab es den Idstedtsyssel, einer mit den heutigen Landkreisen vergleichbare administrative Gliederung in Dänemark, Jütland und Schleswig.

Bekannt wurde Idstedt durch die Schlacht am 24. und 25. Juli 1850, an die noch heute der Obelisk und die Gedächtnishalle auf dem Schlachtfeld in Idstedt-Kirche erinnern. Hier an dieser Stelle wurde europäische Geschichte geschrieben.

Der sog. 1. Schleswig-Holsteinische Krieg begann 1848 mit einem deutschnationalen Aufstand, nachdem der dänische König Friedrich VII. unter dem Einfluss nationalliberaler dänischer Kräfte eine gemeinsame Verfassung für das Königreich Dänemark und die Herzogtümer Schleswig und Holstein durchsetzen wollte. In den Staaten des Deutschen Bundes hatte, ausgehend von Baden, die Märzrevolution begonnen, und in dieser Aufbruchstimmung bildete sich eine provisorische deutsche Regierung für Schleswig und Holstein in Kiel. Durch eine List gelang es den schleswig-holsteinischen und preußischen Truppen, die starke Festung Rendsburg zu besetzen – die preußischen Truppen drangen sogar bis nach Jütland vor.

Diese preußischen Erfolge führten zu diplomatischem Druck aus England und Russland und schließlich schloss der preußische König Wilhelm IV. einen Waffenstillstand mit Dänemark. Der Vertrag sah den Rückzug der Truppen und die Auflösung der provisorischen Regierung in Kiel vor.

Dieses eigenmächtige Handeln Preußens führte in der Nationalversammlung in Frankfurt zu einer Krise, machte es doch klar, dass die Nationalversammlung über keine ausreichenden eigenen Machtmittel verfügte. Schließlich musste die Nationalversammlung der Waffenstillstandsvereinbarung zustimmen. Besonders in Frankfurt, aber auch in ganz Deutschland kam es daraufhin zu Unruhen, die von preußischen und österreichischen Truppen niedergeschlagen wurden.

Die Schleswig-Holsteiner fühlten sich verraten, kämpften aber weiter um ihre Unabhängigkeit. So trafen schließlich am 25. Juli 1850  fast 27000 Schleswig-Holsteiner auf fast 37000 Dänen. In dieser blutigsten Auseinandersetzung nördlich der Elbe starben fast 1500 Soldaten auf dem Schlachtfeld. Details finden Sie auf den Internet-Seiten http://www.idstedtschlacht.de und http://www.flensburg-online.de/diverses/idstedtschlacht.html.

Dass nun,  die Niederlage in der Schlacht bei Idstedt „auch das Ende der ‚Paulskirche‘, des ersten frei gewählten deutschen Parlaments“ bedeutete, ist sicher nicht ganz richtig, zumal die Nationalversammlung schon ein Jahr früher gewaltsam aufgelöst wurde und das Ausscheiden Preußens und Österreichs einen viel größeren Einfluss auf die Paulskirche hatte. Sicher ist aber, dass die Auseinandersetzungen rund um den deutsch-dänischen Krieg die Nationalversammlung stark geschwächt haben und schlussendlich auch der Unabhängigskeitstraum in Schleswig-Holstein mit der Idstedtschlacht ausgeträumt war.

Der 4,50 m hohe Obelisk nahe der Gedächtnishalle ragt wie ein mahnender Finger in die Höhe. Hier sollen 54 Teilnehmer der Schlacht begraben liegen.

Die Markierungen im Ort sind eindeutig und führen Sie über die viel befahrene L 28 zum Idstedter See. Um den See herum läuft der Jakobsweg und erlaubt immer wieder schöne Blicke auf die Wasserfläche. Am Abfluss des Idstedter Sees in den Langsee verlässt der Jakobsweg den Wanderweg und folgt für einige hundert Meter der Straße in Richtung Neuberend. Hinter dem ehemaligen Bundeswehr-Depot biegt der Weg wieder nach rechts in den Wald ab.

Nach etwa 2,5 km durch den Wald erreichen Sie ein kleines Hinweisschild zur ‚Idstedter Räuberhöhle’. Die liegt nur wenige hundert Meter rechts von Ihrem Weg, und deshalb sollten Sie den kleinen Abstecher noch machen. Es handelt sich dabei nämlich um eines der wenigen in ihrer ursprünglichen Form erhaltenen Großsteingräber in Schleswig-Holstein. Das Steingrab stammt aus der jüngsten Steinzeit und wurde etwa 2900 – 2600 v. Chr. erbaut. Die Abmessungen sind beeindruckend: Länge 4,30 m, Breite 1,80 m, Höhe 1,50 m. Insgesamt 9 Trag- und 3 Decksteine wurden verwendet. Bei schönem Wetter bietet sich eine Bank in unmittelbarer Nähe zur Rast an.

Zurück auf dem Weg erreichen Sie nach wenigen Minuten die Straße. Der folgen Sie für 200 m und biegen dann rechts ab. Von hier aus geht es zügig, teilweise durch den Wald, auf den letzten 6 km zum Schloss Gottorf.

Noch bevor Sie das Schloss sehen können, erkennen Sie linker Hand das Globushaus und den davor liegenden See mit dem Herkules. Dazu aber mehr in unserem Schleswiger Rundgang.

Schleswig

Allgemeines: Schleswig ist Kreisstadt des Landkreises Schleswig-Flensburg. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2012 auf 23.665.

Ansprechpartner: Kirchenbüro der evang. Domgemeinde Schleswig, Norderdomstraße 4, 24837 Schleswig, Telefon 04621-989857, eMail Kirchengemeinde add schleswiger-dom.de Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! ; Kath. Pfarrbüro St. Ansgar, Lollfuß 61, 24837 Schleswig, Telefon 04621-25840, E-Mail Pfarramt add st-ansgar-sl.de; Touristen-Information, Plessenstraße 7, 24837 Schleswig, Telefon 04621-850056, E-Mail Schleswig add ostseefjordschlei.de

Übernachtung: Jugendherberge, Spielkoppel 1, 24837 Schleswig, Telefon 04621-23893, E-Mail Schleswig add jugendherberge.de

Übernachtungstipps bei booking.com

Schon 804 wurde Schleswig als Sliasthorp erstmalig erwähnt. Ob allerdings das heutige Schleswig bei der Zerstörung Haithabus schon bestand oder aber erst danach die Aufgaben der mittelalterlichen Wikingersiedlung übernahm, ist nicht so ganz sicher. Nach Haitabu, die größte mittelalterliche Siedlung im Norden, gelangen wir auf unserem Jakobsweg auf der nächsten Etappe.

Kaiser Otto I. gründet schon 947 das Bistum Schleswig, Saxo Germanicus (ein dänischer Geschichtsschreiber) erwähnt den Dom für das Jahr 1134. Unter dem heutigen Schloss Gottorf liegt die bischöfliche Burg, die 1161 erstmalig erwähnt wird.

Da Sie durch den Stadtwald, vorbei am Globushaus und Barockgarten, zum Schloss Gottdorf gegangen sind, lassen Sie uns den Rundgang durch Schleswig auch gleich hier an den schleswig-holsteinischen Landesmuseen beginnen.

Das Globushaus und der darin aufgestellte Globus sind Nachbildungen, eröffnet im Jahr 2005. Es handelt sich dabei bewusst nicht um eine historisch-authentische Rekonstruktion, sondern es ist eher eine im Zuge der Restituierung des barocken Neuwerkgartens entstandene ästhetische Nachbildung. Nichtsdestotrotz ist der Globus wie schon sein Vorgänger begehbar.

Das Vorbild wurde von Herzog Friedrich III. von Gottdorf in Auftrag gegeben und vom Limburger Büchsenmacher Andreas Bösch ausgeführt.

Von außen stellt der Riesenglobus eine Erdkugel dar, innen ist er ein Planetarium. Die Besonderheit ist, dass  Planeten und Sonnen um den Besucher herum kreisen, ohne dass er selbst seine Position verändern müsste. Bewegt wurde der Globus durch einen Wasserantrieb im Keller oder aber, um die sonst fast unmerkliche Bewegung zu beschleunigen, durch ein Handrad im Inneren.

Heute befindet sich der Original-Riesenglobus in der Kunstkammer in St. Petersburg, in Schloss Gottorf steht eine Nachbildung. Zar Peter der Große traf 1713 mit dem dänischen König Friedrich IV. auf Gottorf zusammen. Halb Kriegsbeute und halb Staatsgeschenk wurde der Globus nur wenige Wochen später nach St. Petersburg geschafft.

Das Globushaus ist im Sommer täglich, im Winter nur sonntags von 10 bis 16 Uhr geöffnet (ebenso von 25.12. – 30.12. und am 01.01.), eine Voranmeldung unter Telefon 04621-813222 wird dringend empfohlen. Der Barockgarten bleibt im Winter geschlossen, von April bis Oktober ist er jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Durch den Schlosspark mit Skulpturen der letzten 100 Jahre geht es weiter bis zum Schloss. Es hatte an dieser Stelle einige Vorgängerbauten, denn hier war die Verbindung auf der Halbinsel zwischen der Schlei im Osten und der sumpfigen Treeneniederung am engsten. Bei einem Brand wurde die mittelalterliche Anlage 1492 weitgehend zerstört und danach 1530 der Westflügel im Frührenaissance-Stil errichtet. Nach einem weiteren verheerenden Brand 1564/65 wurde damit begonnen, das Schloss zu einer vierflügelige Festungsanlage um- und auszubauen. In diese Epoche fällt auch der Bau des Globushauses. 1697 wurde damit begonnen, das Schloss im repräsentativen Barockstil umzubauen und zu vergrößern. Bis 1848 diente Schloss Gottorf den Herzögen und dann dem dänischen Statthalter zu Wohnzwecken. Danach wurde es bis 1945 als Kaserne genutzt und verlor viel von seiner ursprünglichen Ausstattung. Seit 1948 schließlich steht es den schleswig-holsteinischen Landesmuseen zur Verfügung.

Die Zeit für einen Besuch der Museen sollten Sie sich auf jeden Fall nehmen. Nicht nur die aus dem 12. bis 16. Jh. stammenden Skulpturen des Schutzpatrons unserer Pilgerwanderung, des heiligen Jakobus d. Ä., im gotischen Saal des Schlosses sind sehenswert. Die bedeutende Sammlungen des Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte reichen vom hohen Mittelalter bis in die Gegenwart: Heiligenfiguren, Mariendarstellungen, Skulpturen des leidenden und siegreichen Christus bestimmen die Sammlung. Daneben entdecken Sie bedeutende Altarfragmente. Bei der Begehung des Jakobsweges im Oktober 2007 konnte ich 5 Darstellungen des heiligen Jakobus entdecken.

Nächste Station ist die Gemäldesammlung der Renaissance, hier bilden einige Gemälde von Lucas Cranach dem Älteren den Schwerpunkt. Eine der berühmten Luther-Portraits des genialen Künstlers hängt zum Greifen nah an der Wand. Unter Glas jedoch finden Sie eine besondere Kostbarkeit: eine Gutenberg-Bibel aus den Jahren 1452/54.

Im Original-Zustand befinden sich noch die Schlosskapelle, deren Restaurierung vor einiger Zeit abgeschlossen wurde, und der Hirschsaal. In diesem Jagdzimmer können Sie zur Zeit werktags den Restauratoren über die Schulter schauen. Die Sammlung von Möbeln und Tischgerät des Mittelalters bis zur Gegenwart enthält auch eine einzigartige Sammlung nordeuropäischer Fayencen (Keramik).

Dem Jugendstil ist eine eigene, sehenswerte Abteilung gewidmet, und die Galerie der Klassischen Moderne umfasst u. a. Arbeiten von Emil Nolde, Ernst Barlach und Christian Rohlfs.

Im Treppenhaus werden Ihnen schon die Hinweisschilder zu den, bei Schulklassen und Familien besonders beliebten, Moorleichen aufgefallen sein. Diese wohl berühmtesten Funde gehören zum archäologischen Landesmuseum.  Neben diesen, zugegebenermaßen spektakulären, Exponaten gehören zur Sammlung über 3 Millionen Einzelstücke aus der Steinzeit vor rund 120000 Jahren bis ins hohe Mittelalter. Kostbare Gefäße aus Gold und Bronze sowie Schmuck- und Gebrauchsgegenstände sind zu bewundern. Und natürlich die schon genannten Moorleichen von Windeby.

Ein Ausstellungsstück der ganz besonderen Art hat ein eigenes Gebäude bekommen: das um 320 gebaute Nydam-Schiff. Das 23 m lange Schiff wurde im Nydammoor bei Sonderburg gefunden und nach Kiel geschafft. Im 2. Weltkrieg wurde es dort ausgelagert und kam schließlich nach Schleswig. Mehrfach haben die Dänen das Nydam-Schiff vergeblich zurückgefordert – der endgültige Platz wird aber wohl Schloss Gottorf bleiben.

Wenn Sie die Schlossinsel verlassen, sehen Sie auf der anderen Straßenseite den ‚Roten Elefanten‘, die 1876/78 erbaute ehemalige preußische Provinzialregierung. Ebenfalls südlich vom Schloss befindet sich der 85 m hohe ‚Wikingerturm‘, eine Bausünde aus dem Jahr 1973. Aber so wenig er sich in das Stadtbild einpasst, so wunderbar und atemberaubend ist auch der Ausblick von oben hinab auf die Stadt.

Den Rundgang durch Schleswig werden wir am Dom beenden, deshalb geht es jetzt immer an der Schlei entlang über die Promenade und die Königswiesen zur alten Fischersiedlung Holm und dem dort liegenden St.-Johannis-Kloster. In Holm finden Sie einen geschlossenen Bestand alter Fischerhäuser vor, ein idyllischer Anblick. Das St.-Johannis-Kloster ist eine der am besten erhaltenen Klosteranlagen in Schleswig-Holstein. Vermutlich um 1200 als Benediktinerabtei gegründet, wurde es während der Revolution in ein adliges Damenstift umgewandelt. Der Bibelgarten und das Bibelmuseum sind sicher ein Innehalten wert (siehe auch unter www.st-johannis-kloster.de).

Von Holm aus gehen Sie wieder zurück in die Altstadt. Nehmen Sie sich die Zeit für einen Spaziergang, denn die malerischen Gassen mit ihren alten Häusern sind nur noch recht selten in dieser Geschlossenheit anzutreffen. Am Rathausmarkt sehen Sie das klassizistische Rathaus. Der rückwärtige Teil besteht aus dem Graukloster, einem auf den Fundamenten des alten dänischen Königshofes 1234 gebauten Franziskanerkloster. Der Kreuzgang von 1300 und die mittelalterlichen Wandmalereien lohnen einen Besuch.

Noch ein paar Schritte weiter, und Sie stehen vor dem Schleswiger Dom. Schon von weitem bestimmt der Backsteinbau die Ansicht der Stadt, der Turm ist allerdings erst etwas mehr als 100 Jahre alt.

Ursprünglich war der Dom eine flachgedeckte romanische Basilika, wurde aber im 13. und 15. Jh. umgebaut und erweitert. Heute präsentiert er sich als gotische Hallenkirche. Romanisch sind noch das prächtige Petri-Portal oder die an der Rückseite befindlichen Löwenskulpturen aus Granit.

Das Innere des Domes wird vom berühmten Bordesholmer Altar dominiert. Hans Brüggemann hat diesen 12,60 m hohen Altar aus Eichenholz zwischen 1514 und 1521 für das Augustiner-Stift in Bordesholm gefertigt. Nach der Auflösung des Stiftes kam der Altar 1666 nach Schleswig. Die 392 Figuren schildern die Passion, beginnend mit der Gefangennahme Christi bis hin zur Himmelfahrt. Die Seitenflügel stellen Himmelfahrt und Pfingsten dar, neben dem Mittelteil sind Adam und Eva abgebildet. Christus schwebt als Pantokrator (Weltenherrscher) über allem.

Zwischen 1310 und 1320 wurde der Schwahl, der Kreuzgang, aus Backsteinen erbaut. Als Prozessionsgang führt er aus der Kirche heraus und wieder hinein.

Hier befinden sich auch die restaurierten Fresken aus der Erbauungszeit des Domes: sie zeigen das Leben Jesu und in den Gewölben Fabelwesen. Mit diesen Fresken ist aber noch eine besondere Geschichte verbunden. Während der Restaurierung in den 30er Jahren des 20. Jh. wurden Übermalungen entfernt, von den ursprünglichen Fresken war kaum noch etwas erhalten. Aus Angst vor Strafe hat der Maler Lothar Malskat, der später als Fälscher berühmt wurde, unter das Bild des Kindermordes von Bethlehem frei erfundene Bilder, u. a. von Truthähnen gemalt. Diese ‚spätmittelalterlichen’ Truthähne sorgten 1940 für eine Sensation, sollten sie doch angeblich beweisen, dass schon die Wikinger Kontakte nach Amerika hatten. 1948 wurden die Fälschungen nachgewiesen und wieder entfernt.

Die detaillierte Beschreibung des Domes würde den Umfang unseres Pilgerwanderführers sprengen. Wenn Sie an weiteren Details interessiert sind, finden Sie am Schriftenstand im Dom eine Fülle von informativen Broschüren und Büchern.

 

Überarbeitet und aktualisiert am 06.05.2014