Dom – Rodenkirchen (ca. 6,5 km) – Sürth (ca. 10,5 km) – Godorf (ca. 15 km) – Wesseling (ca. 18 km)

Schwierigkeitsgrad: keine Steigungen; Straßen und asphaltierte Fuß- und Radwege

Besichtigungen: Köln

Zeitbedarf ca. 4,5 Stunden zzgl. Besichtigungen und Pausen

Tagesimpuls: "Als Christus seine große Gesellschaft gründete, wählte er zu ihrem Grundstein weder den brillanten Paulus noch den mystischen Johannes, sondern einen Ausflüchtemacher, ein Großmaul und einen Feigling – mit einem Wort, einen Menschen. Und auf diesem Felsen hat er seine Kirche gebaut, und die Pforten der Hölle haben sie nicht überwältigt. Alle Kaiserreiche und Königreiche sind zugrunde gegangen, wegen ihrer innewohnenden Schwäche, durch starke Männer auf starke Männer gegründet zu sein. Aber dieses eine, die historische christliche Kirche, war auf einen schwachen Menschen gegründet, und deshalb ist sie unzerstörbar." – Gilbert Keith Chesterton, Häretiker

Legende: Die heilige Ursula und ihre Gefährtinnen

Die bretonische Königstochter Ursula, die ihr Leben Christus geweiht und Jungfräulichkeit gelobt hatte, begab sich einst mit 11000 Begleiterinnen auf eine Schiffsreise, die sie über Köln nach Rom führte. Auf dem Rückweg kommt sie mit ihren Begleiterinnen wieder nach Köln, das seit geraumer Zeit von den Hunnen belagert war. Die wilden Horden ermorden Ursulas Begleiterinnen auf brutale Weise, und als sich Ursula dem Hunnenfürsten verweigert, wird auch sie von einem Pfeil getötet. Darauf erscheint eine Schar von 11000 Engeln, welche die Hunnen in die Flucht schlugen. Die für die Befreiung dankbaren Kölner errichteten auf dem Märtyrerfeld eine Kirche und machten Ursula zu ihrer Stadtpatronin.

Gleich, wo Sie die vergangene Nacht geschlafen haben, der Kölner Dom ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln immer bestens zu erreichen. Und wenn Sie den Rhein-Camino in Etappen pilgern und von zu Hause nach Köln kommen, finden Sie den Hauptbahnhof gleich neben dem Dom bzw. im Umkreis genügend Parkplätze (Achtung: Fahrverbot für Autos und Lastwagen, die nicht als schadstoffarm eingestuft sind!).

Sie starten die 3. Etappe Ihres Jakobsweges von Neuss nach Koblenz-Stolzenfels also am Kölner Dom. Schon von weitem ist das imposante Bauwerk mit dem offiziellem Namen „Hohe Domkirche St. Peter und Maria" zu erkennen. Es handelt sich weltweit um die drittgrößte gotische Kathedrale (nach Sevilla und Mailand) und bei 157,38 m Kirchturmhöhe auch um die dritthöchste Kirche der Welt, lediglich überragt von den Türmen des Ulmer Münsters (161,53m) und der Basilika Notre-Dame de la Paix in Yamoussoukro (Elfenbeinküste, 158m) Eine detaillierte Beschreibung würde den Rahmen der heutigen Etappenbeschreibung sprengen, deshalb haben wir Ihnen im Anhang 5 eine ausführlichere Information über den Dom beigefügt.

Die Jakobsmuschel-Markierungen führen Sie durch die Marspfortengasse, die Hohe Pforte und die Severinstraße durch die Stadt, um dann am Chlodwigplatz nach links auf die B9/Ubierring in Richtung Rhein abzubiegen. Ab hier folgt der Rhein-Camino der B9, die direkt am Rhein entlang bis Rodenkirchen führt. Bei schönem Wetter bietet sich aber auch der nur 250m von der Domplatte entfernte Weg am Rhein entlang an. Hier verläuft die viel befahrene Rheinuferstraße in einem Tunnel und die entstandene Rheinpromenade ist zum beliebten Treffpunkt der Kölner und ihrer Besucher geworden.

Unter der Deutzer Brücke geht es bis zum Rheinauhafen und zur Rheinauhalbinsel mit dem Schokoladenmuseum. Vorher kommen Sie noch an der herrlichen Häuserfront der Altstadt und an St. Maria Lyskirchen, einer der zwölf großen romanischen Kirchen Kölns, vorbei.

Unter den großen romanischen Basiliken ist St. Maria in Lyskirchen die kleinste. Gestiftet wurde das Gotteshaus von einem einer Kölner Patrizierfamilie entstammenden Grundherrn Lysolfus und wurde im Jahre 948 erstmalig erwähnt. Die Legende besagt, dass hier die Zelle von Maternus, des ersten erwähnten Bischofs von Köln, war. Maternus begegnet uns später in Rodenkirchen noch einmal. Der heute noch erhaltene romanische Mittelbau der Kirche mit drei Schiffen stammt aus den Jahren 1210 bis 1220. Die einzigartigen Gewölbefresken aus dem 13. Jh. sind weitestgehend erhalten und stellen in den drei Jochen des Mittelschiffs jeweils vier Szenen aus dem alten und neuen Testament dar. Seit dem 19. Jh. wird hier die ‚Schiffermadonna’ verehrt, eine ca. 2 m hohe, spätgotische Marienfigur aus der Zeit um 1420. Sie kam nach Auflösung des Klosters Walberberg nach Köln, und nachdem die Schiffermadonna zunächst an der Außenfassade angebracht war, wo die Rheinschiffer sie sehen und verehren konnten, wurde die Marienfigur dann 1930 in das Innere der Kirche gebracht.

Schräg gegenüber befindet sich die Einfahrt zum Rheinauhafen mit einem im Jahr 1855 der besseren Überwachung wegen errichteten Malakow-Turm. Auf der Rheinauhalbinsel befindet sich das Imhoff-Schokoladenmuseum.

Der Unternehmer Dr. Hans Imhoff hatte ursprünglich in Bullay an der Mosel eine Zucker- und Schokoladenfabrik aufgebaut (ab 1948) und kaufte 1972 die stark angeschlagene Kölner Schokoladenfabrik Stollwerck (Slogan: „Stollwerck verwöhnt“). Durch diverse Sanierungsmaßnahmen (u.a. ca. 1500 Entlassungen) wurde Stollwerck zu einem der größten Hersteller von Schokolade weltweit und übernahm Sprengel, Sarotti, Gubor und andere. Alpia oder Esszet kommen aus dem Haus Stollwerck. 1973 ließ Imhoff für 53 Millionen DM den modernen Museumsbau errichten. Heute handelt es sich um ein unabhängiges Museum, das die Geschichte der Schokolade von den mittelamerikanischen Olmeken über die Mayas und Azteken bis zur modernen Produktion zeigt. Neben den Produktionsanlagen ist auch ein kleines Tropenhaus, eine Sammlung kostbarer Porzellan- und Silberschalen und eine Ausstellung mit historischen Verkaufsautomaten und Werbeschildern zu sehen.

Unter der Severinsbrücke hindurch geht es weiter in Richtung Süden. Bald erreichen Sie den Bayenturm, Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Leider ist nicht viel von der 8 km langen Stadtmauer übriggeblieben – der Bayenturm störte jedoch die Ausdehnung der Stadt im 19. Jh. nicht und blieb deshalb erhalten. 1262 wurde er von den Kölnern erstürmt und dabei soll zum ersten Mal der heute noch bekannte Schlachtruf: „Kölle Alaaf" erklungen sein. Wenn dies vielleicht auch ins Reich der Legenden gehört, so ist seine heutige Nutzung nicht minder interessant. Er nennt sich heute FrauenMedienTurm (FMT) und beherbergt – unter der Leitung von Alice Schwarzer – ein Informationszentrum zur Geschichte der Emanzipation

Noch wenige Schritte und Sie stoßen wieder auf die Jakobsmuschel-Markierungen des Rhein-Caminos. Immer am Rhein entlang folgt der Jakobsweg nun wieder einmal dem Verlauf der B9. Dabei pilgern Sie unter der Severinsbrücke, der Südbrücke (Eisenbahn, Fußgänger, Fahrradfahrer) und der Rodenkirchener Autobahnbrücke durch. Das mittelalterliche Stadtgebiet  haben Sie schon am Bayenturm verlassen.

Kurz nachdem Sie die Rodenkirchener Brücke passiert haben, verlässt der Pilgerweg den Rodenkirchener Leinpfad am Rhein und biegt nach rechts in die Kirchstraße und das ‚Fischerviertel’, den historischen Ortskern von Rodenkirchen, ab. Gleich wieder links gelangen Sie zur Kapelle Alt St. Maternus, „Kapellchen“ genannt, eine der kleinen romanischen Kirchen vor den Stadtmauern Kölns.

Die Legende besagt, dass sich die Städte Tongeren (Belgien), Trier und Köln nicht einig werden konnten, wo ihr Bischof Maternus (gestorben 328) begraben werden sollte. Jeder der drei Bischofssitze erhob Anspruch auf den Leichnam. Wobei lediglich gesichert ist, dass Maternus erster Bischof von Köln war. Über die weiteren Bischofssitze Trier und Tongeren streiten sich die Gelehrten. Noch heute wird der Bischofsstab des heiligen Maternus in der Kölner Domschatzkammer aufbewahrt und bei wichtigen Ereignissen auch verwendet.

Zurück zur Legende: Die streitenden Parteien einigten sich auf ein ‚Gottesurteil’ – ein unbesetzter Kahn mit seinem Leichnam schwamm flussaufwärts, in Richtung Trier. Daraufhin sollte der Heilige in Trier bestattet werden. An dem Ort, wo der Kahn an das Rheinufer stieß, errichteten die Kölner eine Kapelle und angeblich sollen sie dort auch seine sterblichen Überreste begraben haben.

Wie in jeder Legende, so könnte auch in dieser ein Stück historischer Tatsachen enthalten sein. Zwar wissen wir nicht, ob der erste geschichtlich bezeugte Kölner Bischof auch der urkundlich erwähnte Teilnehmer Maternus an der Kirchensynode 313/314 in Rom ist, aber in den Mauern der aus dem 10. Jh. stammenden St. Maternus-Kapelle fand man 1925 sogenannte Memoriensteine aus frühchristlicher Zeit. Diese Memoriensteine wurden nur bei Kirchen mit Begräbnisrecht (also Pfarrkirchen) verwendet und stammen deshalb wahrscheinlich von einem Vorgängerbau.

Umfangreiche kirchliche Besitztümer seit mindestens 989 machten Rodenkirchen zu einem wichtigen Ort vor den Toren Kölns. Insbesondere Fischfang, Landwirtschaft und Weinbau waren die Erwerbsquellen der Bewohner. Anfang des 20. Jh. wurde Rodenkirchen zum Wohnort von reichen Kölnern und zum beliebten Ausflugsziel am Rhein. So können Sie auf Ihrem Weg einige schöne Jugendstilvillen, darunter auch die burgähnliche ‚Villa Malta‘, entdecken. Wenn Sie nicht der Hauptstraße, sondern dem Leinpfad, der Uferstraße und Im Park folgen, liegen zudem einige schöne Villen im Bauhausstil an Ihrem Weg.

Die Markierung des Rhein-Caminos lässt Sie an der Ecke Kirchstraße nach links in die Hauptstraße abbiegen. An der Straßengabelung folgen Sie halb rechts der Sürther Straße. Auf dieser geht es immer weiter, zunächst durch das Wäldchen, dann durch den Kölner Stadtteil Sürth.

Der Name von Sürth gibt Hinweise auf den naheliegenden Rhein. Er leitet sich ’sumpfig‘ und ‚feucht‘ ab. Im 11. Jh. wurde Sürth erstmalig in Urkunden erwähnt und bestand damals aus einer Anzahl kleinerer Höfe. Ähnlich wie in Rodenkirchen begann im 20. Jh. der Bau von Villen und Einfamilienhäusern.

Der auffällige Turm der 1830 erbauten Pfarrkirche St. Remigius ist das Wahrzeichen des Stadtteils. Bis in das 19. Jh. hinein war die Kirchengemeinde eine Filiale von St. Servatius in Köln-Immendorf. Ein Besuch von St. Remigius lohnt sich auf alle Fälle: Die Verbindung von antiken und gotischen Bauelementen machen die Kirche zu einer architektonischen Besonderheit.

An der großen Kreuzung geht es geradeaus und durch die Kölnstraße hinunter zum Rhein. Damit haben Sie den großen Rheinbogen abgeschnitten.

Am Ende der Kölnstraße kommen Sie durch die Rheinaustraße an den Rhein; wenden Sie sich hier nach rechts und folgen Sie dem Rad- und Wanderweg bis zum Godorfer Hafen. Es werden hier neben Schüttgut auch Flüssigkeiten für die großen Godorfer Raffinerien umgeschlagen. Der Hafen wird umgegangen, bis Sie von der Industriestraße (B9) wieder an den Rhein geführt werden. Auf der Kölner und dann der Theodor-Heuss-Straße kommen Sie nach Wesseling hinein und haben somit das Kölner Stadtgebiet verlassen.

Obwohl in Wesseling römische Weihealtäre, ein römisches Landhaus und ein fränkisches Gräberfeld gefunden wurden und die Stadt schon im Jahr 820 urkundlich erwähnt wird, blieb der Ort bis zur Industrialisierung unbedeutend. Auch heute prägen die großen Raffinerien und die chemischen Betriebe (u.a. Degussa und Dow Chemical) das Bild. Die dreischiffige Pfarrkirche St. Germanus aus den Jahren 1891-1894 geht auf mehrere Vorgängerbauten bis in das 10. Jh., vermutlich sogar bis in fränkische Zeit, zurück.

Wesseling

Allgemeines: Wesseling liegt im Rhein-Erft-Kreis im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 35360.

Anlaufstellen:  Katholische Pfarrgemeinde St. Germanus, Bonner Str. 1a, 50389 Wesseling, Tel.: 02236-375770, E-Mail: st.germanus(at)web.de; Evangelische Kirchengemeinde Wesseling, Kronenweg 67, 50389 Wesseling, Tel.: 02236-49580, E-Mail: GA-Wesseling(at)Kirche-Koeln.de oder gemeindeamt(at)krapoda.de; Islamische Gemeinde, Hubertusstr. 125, 50389 Wesseling, Tel.: 02236-82948; Stadt Wesseling, Alfons-Müller-Platz, 50389 Wesseling, Tel.: 02236-701-0, E-Mail: info(at)wesseling.de

Übernachtung:  Hotel Godorfer Burg, Brühler Straße 321, 50389 Wesseling-Berzdorf, Tel.: 02232-48846, ÜF DZ ab 40 Euro; Pension Bertels, Sternenstraße 17, 50389 Wesseling-Berzdorf, Tel.: 02232-51449, ÜF DZ ab 50 Euro; Jugendherberge Köln-Riehl, City-Hostel, An der Schanz 14, 50735 Köln, ÜF ab 24,30 Euro im Mehrbettzimmer, Tel. 0221-767081, E-Mail: koeln-riehl@jugendherberge.de; Jugendherberge Köln-Deutz, City-Hostel, Siegesstraße 5, 50679 Köln, ÜF ab 24,30 Euro im Mehrbettzimmer, Tel. 0221-814711, E-Mail: koeln-deutz@jugendherberge.de; Jugendherberge Bonn, Haager Weg 42, 53127 Bonn-Venusberg, Tel.: 0228-289970, E-Mail: bonn(at)jugendherberge.de, ÜF im Mehrbettzimmer ab 23 Euro