Drei Monate ist es her, seit ich nachmittags bei strahlendem Sonnenschein in Pont-a-Mousson ankam und eine ABC-Tour (Another Bloody Cathedrale) durch die Innenstadt unternahm. Nein, so schlimm war es gar nicht, die Jesuitenkirche St.- Martin und besonders das Kleinod St. Laurent hatten es mir schon damals angetan.

Gabi und ich mussten erstmal von Nancy nach Pont-a-Mousson kommen. Also erstmal mit dem Bus in die Innenstadt zum Bahnhof, dann fast 50 Minuten auf den Zug gewartet – 15 Minuten später, um 10 Uhr, waren wir in Pont-a-Mousson.

Ich hatte, glaub‘  ich, letztes Jahr schon geschrieben, dass Pont-a-Mousson so eine Art französisches Wetzlar ist. Alte Wurzeln -immerhin die erste lothringische Universität und auf dem Berg die Burg der lothringischen Herzöge-, aber heute eher ein industriell geprägter Ort. In Deutschland finden wir auf den Kanaldeckeln den Schriftzug "Buderus" (Wetzlar), in Frankreich heisst es "Pont-a-Mousson". Nur die optischen Werke scheinen zu fehlen.

So ungefähr wusste ich die Richtung, vom Bahnhof aus weg von der Innenstadt. Und im Outdoor-Führer heisst es: "… Sie pilgern zurück zur Kirche von Maidiers, wo der GRP links weiter …". Ha, wenn’s denn mal so einfach gewesen wäre. Maidiers? Kein Problem. Kirche? Kein Problem. GRP? Wo? Outdoor-Führer: "… bewaldete Hänge …" Wir also nach oben und einem Wanderweg gefolgt. Dieser führte aber plötzlich und ohne Vorwarnung wieder zurück, d.h. die Mosel hinunter in Richtung Metz. Das konnte es wohl nicht sein. Also zurück. Also wieder nach unten. Also der nächstbesten Strasse zum "idyllischen Jezainville" (Outdoor-Wanderführer) gefolgt. Lieber Michael Moll, ich weiss wieviel Arbeit in einem Pilgerwanderführer steckt. Aber für manche Beschreibung solltest Du die Strecke noch einmal ablaufen, die Pilger werden es Dir danken.

Und in Jezainville haben wir den Bus zurück zum Bahnhof von Pont-a-Mousson genommen, dort den Zug bis nach Nancy. Warum?

Das war einfach kein Tag zum Pilgern. Trüber Himmel, immer wieder Nieselregen, und ein gefrorener Boden, der für spiegelglatte Bürgersteige und später auch Wanderwege sorgte. Das war nicht unser Tag. Während ich noch munter ausschritt und gegen die Schmerzen im linken Knie ankämpfte, verspannte sich Gabi völlig, ging wie auf Eiern mit kleinen Schritten übervorsichtig auf Bürgersteigen und Waldwegen. Hinzu kam bei ihr ein zu schwerer Tagesrucksack und dann nach nicht einmal 5 km Rücken- und Schulterschmerzen.

Unser Rhythmus passte einfach nicht zusammen. Zwar hätte ich Gabi in Jezainville in den Bus setzen und selbst weiter nach Liverdun pilgern können – aber mittlerweile hatten wir durch das Verlaufen oberhalb von Maidiers und unsere Langsamkeit soviel Zeit verloren, dass ich nicht mehr bei Tageslicht in Liverdun angekommen wäre.

"Also morgen auf ein Neues!" nahmen wir uns vor und suchten in Nancy erstmal das "Flunch". Flunch, ein Tipp von Wolfgang, ist eine französische Restaurantkette, in der es ein Hauptgericht und dann beliebig viele Beilagen  gibt. Ideal, wenn man endlich mal zu einem vernünftigen Preis etwas vernünftiges Essen will.

Das, was vom Nachmittag noch übrig war, haben wir damit verbracht, uns Nancy wirklich intensiv anzusehen. Zwar klappte es mit dem Galle-Museum und den anderen Museen nicht, aber ansonsten haben wir wohl das meiste sehenswerte gesehen. Eine tolle Stadt, nachfolgenden Pilgern sei gesagt, dass der Nancy-Abstecher im Outdoor-Führer vom Stein-Verlag wirklich lohnenswert ist.