Weilburger Schlossgarten, Obere Terrasse, Foto mit freundlicher Genehmigung Rudi Müller, www.weilburg-lahn.info

Weilburger Schlossgarten, Obere Terrasse, Foto mit freundlicher Genehmigung Rudi Müller, www.weilburg-lahn.info

Weilburg hat was! Nein, wirklich, das kleine Städtchen an der Lahn, zwischen Limburg und Wetzlar an der B 49 gelegen, ist viel zu schade, um einfach nur daran vorbeizufahren.

Weilburg hat viel zu bieten: Eine Altstadt, die auch heute noch als Beispiel einer absolutistischen Kleinresidenz der Barockzeit durchgehen kann. Ein barocker Schlossgarten, der seines gleichen sucht. Eine gut erhalte Schlossanlage mit Deutschlands schönstem Renaissancehof. Ein Hochhaus aus Lehm, ein Schiffstunnel, ein Wildpark mit Bären und Deutschlands einzige Kristallhöhle. Und ganz viel Menschen, die sich für ihre Stadt engagieren, um sie lebens- und liebenswert zu erhalten.

Weilburg an der Lahn hat eine mehr als 1000 Jahre Geschichte. Die Kelten werden auf dem zentralen Felsen, auf dem heute das Schloss steht, vermutet. Und auch die Römer könnten durchaus bei einem ihrer Vorstösse entlang der Lahn in Weilburg ein Lager aufgeschlagen haben.

Die eigentliche Weilburger Geschichte beginnt mit den Konradinern. Diese füllten nach dem Tod der direkten Nachkommen Karls des Großen die machtpolitische Lücke im ostfränkischen Reich. Konrad der Ältere wird in der von ihm gestifteten Martinskirche auf dem Weilburger Schlossberg bestattet. Sein Sohn Konrad der Jüngere wird 911 nach dem Tod des letzten Karolingers zum König des ostfränkischen Reiches gewählt. Er hat nicht immer eine glückliche Hand und bietet auf dem Sterbebett im „Weilburger Testament“ seinem ärgsten Widersacher, dem Sachsenherzog Heinrich, die Königskrone. Das war im Jahr 918.

Bis 1062 wurde das von Konrad I. gegründete Weilburger Chorherren-Stift und die dazugehörige Stadt an das Bistum Worms verschenkt. Von dort kam es an die nächste mächtige Familie an der Lahn zurück: Graf Johann der I. von Nassau errichtete auf dem Schlossberg seine Residenz, erneuerte die Burg und befestigte die Stadt.

Die Nassau-Weilburger bestimmten bis in das 19. Jahrhundert hinein die Geschichte und die Geschicke der Stadt Weilburg. Graf Johann Ernst lebte von 1664 bis 1719 und machte Weilburg zu einem gelungenen Beispiel einer deutschen absolutistischen Kleinresidenz. Noch heute sind die baulichen Veränderungen zu sehen und zu spüren: Das Schloss wurde erweitert, der weite Marktplatz vor Rathaus und Schlosskirche entstand. Teilweise sind die Häuser noch erhalten und mit viel Liebe zum Detail restauriert worden. Der Schlossgarten und die Lindenboskette entstanden. Barockgarten und die Lieblingsbäume des Grafen, die Linden, bilden die Hauptanziehungspunkte rund um das Schloss.

1806 wurde Weilburg Regierungssitz des neuen Herzogtums Nassau, erst im Jahr 1816 verlegten die Nassau-Weilburger ihre Residenz nach Wiesbaden-Biebrich. 1847 wurde der einzige, heute noch befahrbare, Schiffstunnel in Deutschland gebaut. Er umgeht die Weilburger Lahnschleife. Flussabwärts schliesst eine Koppelschleuse den Tunnel ab. Auch dies eine technische Besonderheit. Das Untertor der ersten Schleusenkammer ist gleichzeitig das obere Tor der zweiten Schleusenkammer.

Auch baugeschichtlich bietet Weilburg den Interessenten so manches besondere Sahnestückchen. Zum Beispiel die Pisee-Bauten – in Weilburg steht das höchste Lehmstampfgebäude, ein sechsstöckiges Wohnhaus. Oder die Wasser-Reservoirs im Odersbacher Wald, die mit einer Wasserleitung über die Lahn hinweg für die Wasserversorgung im Schloss sorgten. Oder die Heilig-Grab-Kapelle, eines der ältesten Gebäude in Weilburg, und dem zu Anfang des 16. Jahrhunderts errichteten Kalvarienberg.

Sicher sind 24 Stunden viel zu kurz für einen so geschichtsträchtigen Ort. Vielleicht kommen Sie ja mal wieder vorbei. Weilburg freut sich auf Sie.

So können Sie die 24 Stunden in Weilburg erleben:

9:00 Uhr – Frühstück im Löwencafé. Das 1880 erbaute Gründerzeithaus am historischen Weilburger Marktplatz beherbergte bis vor wenigen Jahren die Amtsapotheke „Zum Löwen“. Heute gibt es im Café ein reichliches Frühstück (sonntags Buffet) mit den selten gewordenen Bäckerbrötchen und als Spezialität die besten selbst gebackene Kuchen und selbst gefertigten Torten der Stadt. (Kleiner Tipp: Im gleichen Haus das „Senfwerk“. Bringen Sie den Daheimgebliebenen doch einmal einen echten Weilburger Senf mit.)

10:30 Uhr – Schlossbesichtigung. Ob Barockgarten oder Deutschlands schönster Renaissancehof – das Weilburger Schloss ist ein eindrucksvoller Besuchermagnet auf dem hohen Bergsporn an der Lahn. Schon im 10. Jahrhundert stand hier eine Burg. Es ist das Stammhaus der Nassau-Weilburger und damit der heutigen luxemburgischen Großherzöge.

12:30 Uhr – Mittagessen im Gasthaus „Bürgerhof“. Seit 1982 gibt es das gutbürgerliche Restaurant in der Bogengasse. 1759 war in dem Haus in der historischen Weilburger Altstadt die Schlosskelterei untergebracht.

14:00 Uhr – Altstadtrundgang. „Weilburg – das ist die Stadt von Monarchie, Demokratie und Anarchie!“ Vielleicht haben Sie Glück und können an einer Altstadtführung mit dem Weilburger Bürgermeister Hans-Peter Schick teilnehmen. Zwei-, dreimal im Jahr weiss er viel über die ehemalige nassauischen Residenzstadt zu erzählen. Vielleicht bedauert er es ja im Stillen, nicht als Nassau-Weilburger Graf geboren zu sein? Ach so, mit Monarchie meint der bürgermeisterliche Hobby-Stadtführer den ersten deutschen König, Konrad I., der in seiner Weilburger Burg starb. Die Demokratie wird vertreten durch Heinrich von Gagern, der als erster Präsident der Frankfurter Nationalversammlung in die Geschichte Deutschlands einging. Er besuchte in Weilburg die Schule und wohnte im heutigen Amtsgericht. Und lange bevor Ulrike Meinhof als Mitbegründerin der „Rote Armee Fraktion“, besser bekannt als „Baader-Meinhof-Gruppe“, von allen Sicherheitskräften in Deutschland gejagt wurde, lebte sie mit ihrer Mutter in Weilburg und machte am Gymnasium Philippinum im Jahr 1955 das Abitur.

15:30 Uhr – Kaffee und Kuchen im Schlosscafé. Einer der schönsten Plätze die Jahreszeiten in Weilburg zu erleben, ist das Schlosscafé in der Unteren Orangerie. Mitten im schönen Barockgarten gelegen, mit Blick in Richtung König-Konrad-Platz und Landtor läßt es sich genießen. In den vergangenen Jahren musste die Orangerie grundlegend renoviert werden, ab 2014 sollen Besucher nicht nur Konzertveranstaltungen, sondern auch Kaffee und Kuchen genießen können.

16:30 Uhr – Fahrt zur Kristallhöhle. Deutschlands einzige Kristallhöhle lädt die Besucher in den Weilburger Stadtteil Kubach von März bis November ein. Um 17 Uhr beginnt die letzte Führung. 30 Meter hoch ist Deutschlands höchste Schauhöhle und die unzähligen Kristalle an Decken und Wänden machen den Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis. Anschliessend sind noch Gesteine aus den unterschiedlichsten Erdepochen im Freilichtmuseum kennenzulernen.

19:00 Uhr/20:00 Uhr – Kultur im Café Ententeich. In dem kleinen Café in der Marktstraße gibt es tagsüber Kaffee- und Kuchenspezialiäten. Am Abend trifft sich dort häufig ein kleiner Kreis von bis zu 30 Kulturinteressierten, um in- und ausländischen Songwritern zu lauschen oder einer Literaturlesung zu folgen. Achtung: Es gibt wirklich nur 30 Plätze und die sind schnell besetzt. Deshalb am besten vorher anrufen und bei Angela Schröder eine Karte reservieren. Die Telefonnummer ist  06471-9189657.

21:30 Uhr – Spätes Abendessen bei Tommy’s. Finger-Food für den kleinen Hunger oder leckere Gerichte, wenn der Appetit größer ist, genießt der Gast im Sommer auf der Terrasse am Denkmal und in der kühlen Jahreszeit in den urig dekorierten Innenräumen.

23:00 Uhr – Übernachten im Schlosshotel oder im Hotel Weilburg.  Wenn das Geld nach einem so ereignisreichen Tag noch langt, dann ist ein Bett im ehemaligen Marstall des Weilburger Schlosses die erste Wahl. Doch Weilburg hat für jeden Gast die richtige Unterkunft. Im Hotel Weilburg, nur wenige Gehminuten außerhalb der Altstadt, geht es bei Familie Brandies familiär zu. Es gibt nicht den Geruch der Jahrhunderte und den Geldbeutel schont es auch.

 Unterkunft in Weilburg finden

Bisher in der Reihe „24 Stunden in …“ erschienen:

24 Stunden in … Gehlberg am Schneekopf im Thüringer Wald