Borkum im Winter

Borkum im Winter

Wenn die Insulaner in der Osternacht an drei verschiedenen Stellen auf Borkum ein Osterfeuer anzünden, den Winterschnitt und immer auch einen Teddy oder eine Puppe als Symbol für die bösen Geister verbrennen, dann ist die gar nicht so dunkle Jahreszeit auf Deutschlands größter ostfriesischer Insel vorbei.

Der Ostermorgen gehört dann noch einmal den Insulanern und ihren Freunden. Man trifft sich im kleinen Kreis zu einem uralten Brauch, zum Eierkullern. „Dann rutschen die Kinder auf dem Hosenboden die Düne herunter, um eine glatte Rennbahn hinzukriegen. Und es macht einen Heidenspaß, zunächst die Eier zu suchen. Dann wird gekullert, was das Zeug hält. Das Ei, das nicht kaputt geht, gewinnt das Eierkullern,“ erzählt die Borkumerin Isabell, die nach Jahren in Berlin wieder zurück auf die Insel kam. „So schön wie auf Borkum kann es auf dem Festland gar nicht sein!“

Doch die alten Bräuche sterben langsam aus. Es sind nur noch wenige Borkumer Familien, die den Brauch zu Ostern pflegen. Schließlich gehören die Osterferien schon zur Vorsaison und die Insel wird ganz schön voll. Immerhin stemmen die knapp über 5000 Insulaner jährlich rund 250.000 Gäste mit fast 2,5 Millionen Übernachtungen.

Borkum im Winter – ein Geheimtipp

borkum-082Von den vielen Menschen auf der Bismarckstraße oder an der langen, gerade 2013 fertiggestellten Strandpromenade ist nichts zu sehen. Viele Insulaner besuchen Freunde auf dem Festland und machen Urlaub in südlichen Ländern. Kraft tanken für die nächste Saison. Doch wenn man genau hinschaut, dann findet sich eine Ferienwohnung, eine Pension oder ein Hotel in jeder Preisklasse. Auch verhungern muss niemand, es haben genügend Cafés und Restaurants geöffnet.

Borkum hat gerade im Winter dem erholungssuchenden Festländer viel zu bieten. Eine unendlich lange Strandpromenade, ein einzigartiger Strand. Die Seehundsbänke, kilometerlange Wanderwege, freundliche, weil nicht gestresste, Insulaner. Und Preise, die dazu einladen, auch mal einen Tag länger als geplant zu bleiben.

So können Sie die 24 Stunden auf Borkum erleben:

9:00 Uhr – Frühstück an Bord eines der Fährschiffe der AG Ems. Die Fahrzeit zwischen Emden und Borkum beträgt ungefähr 130 Minuten, mit dem Katamaran 60 Minuten. Vom Hafen geht es mit der Borkumer Kleinbahn in die Stadtmitte zum Bahnhof. Die Strecke geht auf eine Pferdebahn aus dem Jahr 1879 zurück. Das Material für den Bau des Neuen Leuchtturms wurde damit vom Hafen im Osten zum Leuchtturm im Westen der Insel transportiert.

10:30 Uhr – Bummel durch den Ortskern, vorbei am Neuen Leuchtturm. Dieser entstand im Jahr 1879 in Rekordzeit von nur sechs Monaten. Der Alte Leuchtturm hatte gebrannt und brauchte deshalb einen Nachfolger. Der Neue Leuchtturm ist immer noch aktiv und dient den Schiffen zur Orientierung in der Emsmündung. Der Alte Leuchtturm dient zur Orientierung, die Spitze ist gut über den Dächern  zu erkennen. Es ist das älteste Gebäude der Stadt Borkum und gleichzeitig das Wahrzeichen der Insel. 1576 wurde der Alte Leuchtturm auf den Fundamenten der ältesten Borkumer Kirche gebaut. Umgeben ist der Leuchtturm von alten Walfängergrabsteinen. Die Informationstafeln geben Original-Inschriften und eine Übersetzung ins Hochdeutsche wieder. Heute dient der Alte Leuchtturm als Aussichtsturm und dem Heimatverein als Teestube.

12:30 Uhr – Mittagessen im „Valentin’s„, Neue Straße 12. Das Restaurant mit gehobener mediterraner Küche liegt nahe dem alten Ortskern und ist mittags und abends auch ein Treffpunkt für Insulaner.

14:00 Uhr – Nach dem Essen bietet sich ein Strandspaziergang an. Doch zunächst geht es durch den alten Ortskern und die engen Straßen zum Bahnhof und durch die Borkumer Einkaufsmeile, der Bismarckstraße, bis an die Strandpromenade. Auf der Treppe hinunter zum Sandstrand und dann wenden Sie sich nach rechts. Der Borkumer Strand ist einzigartig. Bequem können Sie kilometerweit laufen. Im Sommer stehen hier dicht an dicht die Strandkörbe. In den Wintermonaten kann es passieren, dass Sie völlig alleine sind. Wenn es am Wasser zu windig und zu kalt ist, dann halten Sie sich am Rand der Dünen – dort sind Sie einigermaßen windgeschützt. Eine rote Fahne in den Dünen zeigt das Ziel des rund 90 Minuten dauernden Spaziergangs.

15:30 Uhr – Tee im „Strandcafé Seeblick„. Seit 2012 führt Isabell Tebben das Café mit dem unglaublichen Ausblick auf Dünen, Strand und Nordsee. Für eine Teezeit genau das richtige Ziel. Zum Ostfriesentee auf Stövchen oder einem Sanddorngrog gibt es selbst gebackenen Kuchen.

17:00 Uhr – Der zweite Teil des Nachmittagsspazierganges führt zurück auf der verlängerten Strandpromenade durch die Dünen in Richtung Hauptstrand. Der Weg ist sogar beleuchtet, so dass es keine Schwierigkeiten geben sollte. Vorsicht: Bei Minustemperaturen kann es hier sehr glatt werden.

Nicht alle Geschäfte haben im Winter geschlossen und so lohnt sich der Bummel durch die Bismarckstraße. Hier reiht sich Boutique an Boutique und Restaurant an Restaurant. Sicher lässt sich das eine oder andere Mitbringsel für Daheimgebliebene finden.

19:00 Uhr – Abendessen im Restaurant „Alt Borkum„. Am Alten Leuchtturm, in der Roelof-Gerritz-Meyer-Str. 10, findet sich das traditionsreiche Haus, in dem der Türke Osman Kalkinc die Gäste einlädt, kulinarische Vielfalt zu entdecken.  Immer wieder gibt es Sonderaktionen, freitags und samstags im Winter zum Beispiel die Walfänger-Fischplatte für zwei Personen. Dazu ein gepflegtes Bier.

22:00 Uhr – Borkum bietet für jeden Geldbeutel etwas. Direkt am Weststrand sind die Traditions-Hotel Nordsee-Hotel oder Hohenzollern zu finden. Doch auch für den kleinen Geldbeutel gibt es interessante Angebote. Wunderschön und sehr gut nur 100 Meter vom Strand gelegen ist die „Villa Weststrand„. Die herzliche, so gar nicht norddeutsch-kühle, Art der Eigentümerfamilie Sabrina und Torben Isebrandt tut gut. Das Frühstück am nächsten Morgen ist reichhaltig und lässt kaum Wünsche offen.

Übernachtungstipps auf Borkum

Bisher in der Reihe “24 Stunden in …” erschienen:

24 Stunden in … Gehlberg am Schneekopf im Thüringer Wald

24 Stunden in … Weilburg an der Lahn