Ruhetag – bevor wir morgen wieder nach Hause fahren. Gabi kommt nachher zusammen mit Lisa Marie. Wir wollen uns Metz ganz in Ruhe anschauen und morgen noch nach Verdun.

Gott, war die letzte Nacht nervig. Die gute Brühler Jakobspilger schnarcht, als müsse er die Eifelbäume absägen. Ich hatte mir schon so etwas gedacht, mich kräftig bemüht, frühzeitig einzuschlafen. Vater und Sohn waren noch einmal in die Stadt gegangen. Das ist mir auch gelungen, bin auch nur ganz kurz aufgewacht, als sie ins Zimmer kamen. Aber so gegen 1 ging es dann los. Kein Auge konnte ich mehr zumachen.

DerSohn, den er dabeihat, ist 13. Die Familie ist schon seit zwei Jahren auf dem Jakobsweg und jetzt, in den Herbstferien, fahren die beiden mit dem Fahrrad. Er ist auch schon über 50. Wie gesagt, Jakobspilger sind bis 30 oder über 50 Jahre alt. Mal sehen, ob die Statistik hält was sie verspricht. Er war ganz schön fertig mit der Welt, ist es wohl nicht gewohnt, soviele Kilometer auf dem Fahrrad abzuspulen.

Meine Pilgerwoche ist vorbei, heute soll sightseeing angesagt sein. Gabi wird so gegen 1 hier auftauchen und ich werde die Zeit bei Cafe au lait in einem der zahlreichen Strassencafes verbingen.

Fazit dieser Pilgerwoche? Gestern war das Wandern vielleicht so, daß man es als Pilgern bezeichnen konnte. Einer von insgesamt fünf Tagen. Es war sehr schwer wieder in den Tritt zu kommen – nein, nicht in Tritt mit den Füssen – der Kopf ist das Problem. Es gibt zu viele Dinge, über die ich mir Sorgen mache. Wo schlafe ich? Was esse ich? Wie geht es weiter? Wie läuft es zu Hause? Alles Fragen, die im Grunde genommen auf einer Pilgerreise uninteressant sind. „Er“ wird es schon richten. Totus tuus – ganz Dein! Ich muss mich mehr fallenlassen!

Heute morgen wieder in der Krypta zur heiligen Messe gewesen. 5 oder 6 Konzelebranten, alle dicke über 50. Wo sind die jungen Leute? Wo sind die Kapläne? Wo ist der Nachwuchs?

Und dann ganz ruhig durch die Altstadt geschlendert. Hier mal geschaut, dort mal einen Moment stehengeblieben. Nicht zu intensiv, mit Gabi und Lisa soll es ja auch noch interessant sein. Zweimal ins Strassencafe – das können die Franzosen und haben damit den Deutschen einiges voraus. Gegen 13 Uhr bin ich zum Place de la Republique – zu dem grossen Parkplatz habe ich die beiden bestellt. Das ist mit dem Auto nicht zu verfehlen, es gibt diesen Parkplatz und ich brauche nicht in der Nähe der Jugendherberge zu warten.

Es war nach 14 Uhr, als Gabi und Lisa endlich kamen. Die waren erstens später nach Metz gekommen und hatten dann die Jugendherberge gefunden und dort direkt geparkt. Zu Fuß in die Altstadt, naja, so kam es.

Es folgte ein herrlicher Nachmittag in Metz, mit Bummeln, Kathedralenbesichtigung, noch mehr Bummeln, Marche, hier schauen, dort schauen – alles bei herrlichem Wetter. Dann zur Jugendherberge, eingecheckt, Zimmer bezogen, geduscht und nochmal los: das illuminierte Metz schauen. Vorher noch ein Americain Sandwich bei Steinhoff (Baguette mit einer Art Bulette, Soße und dann aufgefüllt mit Pommes). Metz versteht sich als Stadt der Lichter – und gerade an so einem lauen Oktoberabend macht Metz diesem Namen alle Ehre.

Erkenntnis desTages: Loslassen