Ich sitze in der St. Martin Kirche in Pont a Mousson – eigentlich einer Industriestadt, die in ganz Frankreich wegen der Aufschrift auf den Kanaldeckeln (hier produziert) bekannt ist. Aber die Martinskirche ist ein mehr oder weniger stiller Ort aus dem 14. Jh. Mehr oder eigentlich eher weniger still, weil draussen der Strassenverkehr lärmt und aus der nahegelegene Schule die Kinder nach Hause drängen.

Ich bin nicht ganz sicher, wann ich es bei einer Aposteldarstellung mit Schwert und Buch mit Paulus und wann mit Jakobus zu tun habe – ich gehe einfach mal von 50:50 aus und behaupte, dass es einige Darstellungen innen und aussen des heiligen Jakobs gibt. Einfacher ist es bei dem neueren Kirchenfenster, dort ist der Patron unserer Pilgerreise mit Pilgerstab und Hut abgebildet.

Deutsche Kirchensteuer – ein Segen oder ein Fluch? Wenn ich mir den Zustand dieser Kirche anschaue ist der warme Geldregen der Kirchensteuer, auch wenn es immer weniger wird, doch ein Segen. St. Martin ist man gerade soweit in Schuß gehalten, dass sie nicht zusammenfällt. Rundherum sind die Schäden durch Feuchtigkeit und den Zahn der Zeit nicht zu übersehen. Restauriert wird anscheinend immer dann, wenn mal wieder ein klein wenig Geld in der Kasse ist – und das scheint selten genug zu sein. Immerhin ist ein Seitenaltar gerade restauriert worden und die lebensgrosse Grablegungsszene, für die diese Kirche bekannt ist, scheint in gutem Zustand. In einer weiteren Seitenkapelle, der Mutter Gottes geweiht, liegt dann wieder ein Stück einfach abgeschnittener Auslegeware. Häßlich aber wirkungsvoll.

Ich bin ziemlich spät heute morgen losgekommen. Um viertel vor neun kam ich auf dem Weg zum Bahnhof an der Kathedrale vorbei und habe mich kurz entschlossen in die Heilige Messe in der Krypta gesetzt. So habe ich erst spät einen Zug bekommen und bin erst so gegen halb elf in Ancy losmarschiert. Traumhaftes Wetter, viel durch Weinberge (leider schon komplett gelesen, keine Trauben mehr da), immer mehr oder weniger die Mosel im Blick. Eine wunderschöne Etappe.

Rund 23 km waren es bis Pont a Mousson, wo es neben der oben erwähnten St. Martin Kirche auch noch ein säkularisiertes Prämonstratenser-Kloster gibt, in dem heute eine Kultur- und Begegnungsstätte untergebracht ist. Die Besichtigung habe ich mir, ebenso wie der Besuch der Festung oberhalb der Stadt, für ein anderes Mal aufgehoben 🙂

In der Touristen-Info gab es einen Stempel, dann folgte der Rundgang durch die „Altstadt“. Das Haus der 7 Todsünden, ein ehemaliges herzögliches Wohnhaus, ist nicht besonders der Rede wert, der Brunnen mitten auf dem Marktplatz auch nicht. Aber dort, in der Seitenstrasse, da scheint noch eine Kirche zu sein.

St. Laurent ist das eigentliche Kleinod in dieser sonst nicht gerade sehenswerten Stadt. Es beginnt mit einem traumhaft gearbeitetem Tryptychon und endet schliesslich mit einer lebensgrossen Holzskulptur des leidenden Jesus aus dem 16. Jh. Alleine diese Kirche ist es wert, nach Pont a Mousson zu kommen. Als ich aus dem Haupteingang herauskomme, stehe ich vor einigen Häusern, darunter wahrscheinlich das ehemalige Pfarrhaus mit reichhaltigen Verzierungen und alten Türen. Hier bleibe ich gerne ein paar Minuten stehen.

Mir ist aufgefallen, dass die Kirchen in Frankreich auf dem bisherigen Weg alle offen waren. Nicht so, wie in Deutschland, wo tagsüber abgesperrt wird. Kirchen bieten dadurch immer ein ruhiges Plätzchen zum Herunterfahren und abschalten.

DerWeg zum Bahnhof ist nicht weit, Züge nach Metz fahren alle 30 Minuten. Als Zimmergenossen finde ich Vater und Sohn aus Brühl bei Köln vor, Etappen-Jakobspilger, so wie ich.

Erkenntnis des Tages: Manchmal muss man das Schöne ein wenig abseits suchen.