Auf dem Weg

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Monat: Mai 2018

14. Mai – Tag des Wanderns Modern und vielfältig

Tag des Wanderns

Tag des Wanderns

Der „14. Mai – Tag des Wanderns“ liegt in diesem Jahr das erste Mal auf einem Werktag. Deswegen beteiligen sich auch viele Schulklassen und Unternehmen mit Veranstaltungen an dem Tag. Schirmherrin ist diesmal Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz.

 

In Saarbrücken wird die After-Work-Party am 14. Mai anders gefeiert als gewohnt. Dafür sorgt der Landesverband Saarwald-Verein, der unter dem Motto „Raus aus dem Büro“ zum Tag des Wanderns eine After-Work-Wanderung auf die Beine stellt. Möglich ist diese Aktion, weil der „14. Mai – Tag des Wanderns“ das erste Mal an einem Werktag liegt. Das eröffnet neue Spielräume für tolle Veranstaltungen. Auch Kitas und Schulen sind deswegen in diesem Jahr verstärkt dabei. So hat der Eifelverein zusammen mit der Kita „Arche Noah“ eine Familienwanderung im Programm und die  Louise-Schröder-Schule in Hessen bietet einen „Wolfstag“, an dem die Kinder auf leisen Sohlen durch den Wald schleichen und dabei erfahren, wie ein Wolf lebt. Alle am Tag des Wanderns teilnehmenden Schulklassen können sich mit ihren Aktionen auch beim bundesweiten Schulwander-Wettbewerb des Deutschen Wanderverbandes (DWV) bewerben.

 

Natürlich kommen  am „14. Mai – Tag des Wanderns“ auch die Erwachsenen auf ihre Kosten. Der Harzklub nimmt den in diesem Jahr unter der Schirmherrschaft von Malu Dreyer, Ministerpräsidentin des Landes Rheinland-Pfalz, stehenden Tag des Wanderns zum Anlass,  einen barrierefreien Wanderweg einzuweihen. Der Odenwaldklub macht eine Biber-Exkursion und der Vogtländische Wanderverband bietet mit dem Sachsenforst eine Aufforst-Aktion. Wie in den vergangenen Jahren gibt es auch in diesem Jahr zum Tag des Wanderns Aktionen im Ausland. So hat der Tourismusverband der Ferienregion Tirol West die Wanderung  „Handyfrei! Genießen mit allen Sinnen“ auf die Beine gestellt. Hier bleibt das Smartphone zu Hause oder versiegelt in einer Tüte. Denn die Wanderer sollen ohne Ablenkung die Tiroler Berge in einer geselligen Runde genießen. Geplant sind außerdem eine Reihe Kooperation mit Unternehmen, beispielsweise Infostände mit Wanderberatungen beim Einzelhandel oder in Sparkassenfilialen, die montags geöffnet haben.

 

All das zeigt, wie modern und vielseitig das Wandern heute ist. Winfried Balzert, Geschäftsführer der Ortsgruppe Daun aus dem Eifelverein: „Das Wesentliche am Tag des Wanderns ist das Kreative. Wandern war etwas verstaubt. Mit dem Tag des Wanderns entstauben wir es wieder.“ Entsprechend legt sich seine Ortsgruppe mächtig ins Zeug. In der Vulkaneifel beginnt der 14. Mai um 8.45 Uhr mit einer Gesundheitswanderung, um 13.30 Uhr folgt eine Radwanderung und ab 18.30 Uhr schließt auch hier eine After-Work- Tour den Tag ab.

Nicht zuletzt wird der 14. Mai einmal mehr zeigen, wieviel Spaß das Wandern macht. Dr. Hans-Ulrich Rauchfuß, Präsident des Deutschen Wanderverbandes (DWV): „Die  DWV-Mitgliedsorganisationen, Natur- und Nationalparke, Tourismusverbände und andere mit dem DWV befreundete Organisationen werden den Tag mit spannenden Aktionen bereichern.“ Passend zum DWV-Jahresschwerpunkt wird „Regionaler Genuss“ vielerorts eine Rolle spielen, etwa während einer kulinarischen Wanderung mit Spargel stechen und anschließendem Spargel schlemmen.

 

Wie in den Vorjahren wird es Kulturtouren ebenso geben wie Brauchtumsveranstaltungen, Markierungskurse und Naturschutzaktionen. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Außerdem hat der DWV ein Gewinnspiel mit tollen Preisen organisiert und verschenkt dank Unterstützung seiner Partner kleine Präsente. So bekommt jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer der Veranstaltungen eine von insgesamt 10.000 Samenkugeln „Staatsbankett für Bienen“. Auf diese Weise setzt der Deutsche Wanderverband ein Zeichen gegen das Insektensterben in Deutschland.

 

Über alles Wichtige zum Tag des Wanderns informiert die Homepage www.tag-des-wanderns.de. Die vom Westerwald-Verein ausgerichtete Zentralveranstaltung zum Tag des Wanderns findet nahe dem Ort Westerburg in Rheinland-Pfalz statt.

 

Möglich wurde der Tag des Wanderns, weil verschiedene Organisationen den Deutschen Wanderverband als Veranstalter bei diesem Thementag unterstützen. Besonders dankt der Verband dem Hauptsponsor, der Sparkassen-Finanzgruppe, und dem Premiumpartner Maier Sports, sowie Wikinger Reisen, der KOMPASS Karten GmbH, der „BKK Pfalz. Die freundliche Familienkasse“ und LOWA. Ohne deren Hilfe wäre der Tag so nicht möglich.

 

Der vom DWV veranstaltete „14. Mai – Tag des Wanderns“ – an diesem Tag wurde im Jahr 1883 der Deutsche Wanderverband gegründet – hat im Jahr 2016 erstmals über die Vielfalt des Wanderns informiert und ist seitdem fest im Jahreskalender verankert.

 

Seit 1883 vertritt der Deutsche Wanderverband gegenüber Politik und Behörden die Interessen seiner Mitglieder und ist der Fachverband für das Wandern und die Wegearbeit in Deutschland. Als Dachverband von rund 60 landesweiten und regionalen Gebirgs- und Wandervereinen mit rund 600.000 Mitgliedern hat der DWV wichtige Initiativen wie das Kita-, Schul- und Gesundheitswandern oder die Ausbildung von Wanderführern gemeinsam mit Partnern ins Leben gerufen. Als anerkannter Naturschutzverband hat der DWV zudem eine wichtige Funktion im Dialog von Naturnutzern und -schützern. Nicht zuletzt zertifiziert er im Rahmen der Qualitätsinitiative „Wanderbares Deutschland“ Regionen, Wege und Gastgeber, wenn sie sich besonders gut für Wanderer eignen.

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Blick nach … Obernhof

Im Pilgersaal von Kloster Arnstein finden viele Veranstaltungen zur Vollmondnacht statt (Foto: Bistum Limburg)

Im Pilgersaal von Kloster Arnstein finden viele Veranstaltungen zur Vollmondnacht statt (Foto: Bistum Limburg)

(Weilburg, Februar 2018, KS) In den letzten Jahren hat sich Obernhof an der Lahn nicht nur mit dem Lahnwein, sondern auch als Kulturdorf einen Namen gemacht. Mehr als 50 kulturelle Veranstaltungen im Jahr laden Gäste ein, Kultur zu erleben. Besonders ausgesuchte Veranstaltungen werden unter dem Titel „Gegen den Strom“ angeboten, die „Arnsteiner Abende“ werden von der kath. Erwachsenenbildung veranstaltet und die „Obernhofer Vollmondnächte“ prägen das kulturelle Leben an der unteren Lahn schon seit vielen Jahren.

Immer zum vollen Mond kommen Besucher nach Obernhof. An verschiedenen Veranstaltungsorten gibt es auch 2018 wieder literarisch-musikalische Vollmondnächte in und um den kleinen Weinort. Eingebettet in die wechselvolle Geschichte und umrankt vom einheimischen Lahnwein, garniert mit kleinen Leckereien und immer im reizvollen Ambiente – das sind die Obernhofer Vollmondnächte.

Mittwoch, 28. März 2018, 20:00 Uhr – Die Arnsteiner Bibel und das Arnsteiner Skriptorium im Mittelalter

Die wenigsten Besucher von Kloster Arnstein wissen wohl, dass es im Mittelalter ein bedeutendes Skiptorium sein Eigen nannte. Hier schrieben bis ins 13. Jhdt. die Mönche liturgische und andere Bücher ab und illustrierten sie auch. Eine der bekanntesten Handschriften, die daraus hervorging, ist die großformatige, zweibändige „Arnsteiner Bibel“, die der Mönch Lunandus von 1170 bis 1172 geschrieben hat. Heute hat sie einen fast unermesslichen Wert. Sie wird seit fast 300 Jahren in London in der British Library aufbewahrt, wo sie im dortigen Showroom als einer der größten Schätze von Zeit zu Zeit der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Die Gäste dieser Veranstaltung im gotischen Pilgersaal von Kloster Arnstein erfahren natürlich auch, wie früher in einer Schreibstube gearbeitet wurde, wie die Farben und Tinten hergestellt wurden … Die Texte sind von Monika Kahm und Gaby Fischer, für die Musik zeigt das Ensemble Stellaris verantwortlich.

Samstag, 28. April 2018, 20:00 Uhr – Nimm mich mit, Kapitän … Kleine Geschichte der Lahnschifffahrt

Da das Lahntal schon seit der Steinzeit besiedelt war, kam der Lahn spätestens seit der Römerzeit eine wichtige Rolle als Transportweg zu. „Die ersten christlichen Sendboten fuhren auf der Lahn in das heidnische Gebiet des Lahngaus und des Vogelberges und nach frommer Sage landete der Leichnam des Heiligen der Lahnschiffer, Lubentius, von der Mosel herauf auf unbemanntem Nachen vom Wind die Lahn stromauf getrieben, oberhalb von Limburg an der Dietkirche.“ (Erich Goldsticker)

Der beliebte und bekannte Songpoet und Folksänger Andreas Sittmann, der durch seine musikalische Vielseitigkeit besticht, wird an dem Abend mit seiner warmen und herzlichen Stimme Lieder aus seinem Freddy-Quinn-Programm singen, während Dr. Ulrich Brand im Pilgersaal von Kloster Arnstein über die Geschichte der Lahnschifffahrt erzählt.

Dienstag, 29. Mai 2018, 20:00 Uhr – Die Geschichte der Lahntalbahn

Mit Texten von Hans-Peter Günther und Musik der American Folkband Goldrush laden die Obernhofer Vollmondnächte in das Kloster Arnstein ein. Die 1858 eröffnete Lahntalbahn führt durch eines der schönsten deutschen Flusstäler und begeistert bis heute viele Touristen. Der Bau der Strecke wurde 1857 aufgenommen, am 1. Juli 1858 erfolget bereits die Eröffnung des Streckenabschnittes Oberlahnstein – Ems. Ab 1860 waren weitere Teilstrecken fertig gestellt, die Gesamtstrecke wurde am 10. Januar 1863 vollendet. Die Gesamtkosten für den Bau der Lahntalbahn betrugen 15,2 Millionen Gulden. Etliche (früher von imposanten Dampfloks gezogenen) Sonderzüge brachten seit 1925 in jedem Sommer Tausende von Wallfahrern zum Kloster Arnstein! Goldrush besteht aus Musikern mit besonders hohen gesanglichen Qualitäten. Sie interpretieren amerikanische Folksongs und lassen zum Beispiel mit Freight Train die Zeit der amerikanischen Eisenbahnromantik wiederaufleben.

Wenn nicht anders erwähnt, finden die Veranstaltungen zur Obernhofer Vollmondnacht im Pilgersaal von Kloster Arnstein statt. Zu erreichen ist Obernhof mit der Lahntalbahn ab Weilburg um 17:57 Uhr, Rückfahrt um 21:48 Uhr (nach Winterfahrplan). Umstieg ist jeweils in Limburg. Die Rückfahrkarte kostet derzeit 25,40 Euro.

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Mein Hasselbach – Spaziergang mit Lothar Hölzgen

Lothar Hölzgen, seit 19 Jahren Ortsvorsteher in Hasselbach

Lothar Hölzgen, seit 19 Jahren Ortsvorsteher in Hasselbach

(Weilburg, im Januar 2018, KS) Stellen Sie sich einmal einen großen, hellen Saal vor. Bequeme Stühle, weiß gedeckte Tische, eine nette Dekoration. Vor Ihnen steht ein Kännchen Kaffee und ein so richtig leckeres Stück Kuchen. Die Sonne scheint und aus den großen Fenstern haben Sie einen weiten Blick nach Westen über den Taunus, bis hinein ins Rheingebiet. Ein idealer Platz für ein Hotel mit Café, oder?

Na gut, Kaffee und Kuchen an weiß gedeckten Tischen gibt es in Hasselbach nicht – zumindest nicht jeden Tag und dann auch nicht für die Allgemeinheit. Aber den einzigartigen Blick, den kann jeder Besucher genießen.

Lothar Hölzgen und ich sind am Ende unseres Spazierganges angekommen. Schnell noch geht es ins neue Bürgerhaus hinein. Im Foyer hängt eine alte Schulglocke. „Die massive Holz-Aufhängung wurde mit Unterstützung aus Elkerhausen von heimischen Kräften gebaut,“ erklärt mir der Ortsvorsteher und macht die Türen zum Saal weit auf. Der atemberaubende Blick über Hasselbach und Gaudernbach, weit in den Taunus hinein macht das Hasselbacher Bürgerhaus für die Hasselbacher genauso interessant, wie für Auswärtige. Einfach stehen oder sitzen und genießen …

Doch lassen Sie uns chronologisch anfangen. Am gefühlt einzigen Sonnentag im Januar treffe ich Lothar Hölzgen, Ortsvorsteher in Hasselbach, am Bürgerhaus. Vorher Regen, nachher Regen – während unseres Spazierganges bleibt alles Trocken.

Das Bürgerhaus – Treffpunkt mit ungezählten ehrenamtlichen Stunden

Die alte Schulglocke im neuen Bürgerhaus

Die alte Schulglocke im neuen Bürgerhaus

Seit 50 Jahren dient der Platz, an dem das Bürgerhaus heute steht, den Hasselbachern als Treffpunkt. Etwas außerhalb des Ortes und erhöht, mit Blick über Hasselbach, stand hier zunächst eine Waschanstalt, später die Gefriergemeinschaft. Die funktionierende Dorfgemeinschaft sah das durchaus kritisch. Weit vom Schuss auf dem Berg … und es sieht aus wie ein türkischer Schafstall – liest sich in der Dorfchronik. Das alles ist längst vergessen. „Das Positive am Haus hat gnadenlos überwogen,“ erzählt der Ortsvorsteher. Heute ist der Weg nach oben auch nicht mehr so beschwerlich. Erstens wird die Wäsche nicht mehr mitgeschleppt, zweitens nimmt man das Auto. „Und als wir am 30. April 2011 mit dem Tanz in den Mai das neue Bürgerhaus eröffnet haben, hat es noch einmal einen ganz neuen Drive bekommen.“ Natürlich hat es viel Geld gekostet – aber wenn die Stadtteile lebendig gehalten werden sollen, dann müssen auch Mittelpunkte geschaffen werden. „Wir dürfen auch das Engagement der Bürgerinnen und Bürger nicht vergessen,“ sagt Hölzgen, „Beispiele öffentlicher Bauten gibt es genug, wo die Kosten aus dem Ruder gelaufen sind. Wir haben in Hasselbach deutlich weniger Geld ausgegeben. Das Engagement von mindestens zwei Personen aus dem Ort hat dazu geführt, dass wir mindestens 50.000 Euro weniger ausgegeben haben. In der gesamten Bauphase waren Rolf Lehr und Rainer Redling mit sehr viel Berufs- und Lebenserfahrung präsent und haben immer wieder auf einzelne Gewerke gezeigt, die Handwerker darauf hingewiesen: Genauso machen wir es nicht! oder Das machen wir selber!“

Lothar Hölzgen gehört heute wie selbstverständlich zu Hasselbach dazu. Er ist gebürtiger Weilburger, kam in der Schulgasse 11 zur Welt. Über Waldhausen führte ihn die Liebe nach Hasselbach. Dort wurde 1978 ein Haus gebaut. „Ja, ich bin Hasselbacher, mit Leib und Seele und gerne!“

Immer wieder kommt im Gespräch der Lokalpolitiker zum Vorschein. Lothar Hölzgen hat einen Sitz im Stadtparlament und auf die Frage, wo ein Hasselbacher zum Einkaufen hinfährt gibt es einen Exkurs in die Weilburger Politik. „Erste Anlaufstelle ist Weilburg und muss es auch sein. Natürlich sind die Zentren Limburg und Wetzlar besser aufgestellt. Doch mit der WWW gemeinsam müssen wir dafür Sorge tragen, dass Weilburg attraktiv bleibt. Auch für größere Anschaffungen, wo die Menschen schon preissensibler werden. Dort ist der Online-Handel natürlich stark und wir müssen Umsätze zurückgewinnen. Das geht nur mit einem breiten Angebot.“

Vom Friedhof und Drohnenwettbewerb

„Grundordnung auf dem Friedhof,“ sagt Lothar Hölzgen, „ist ein ganz wichtiges Thema. Er muss in Ordnung, gepflegt sein, man muss gerne dorthin gehen.“ Wir sind auf unserem Spaziergang am Friedhof angekommen. „Wir haben Wege angelegt, haben ein Urnengrabfeld angelegt und wir sind einer der wenigen Friedhöfe überhaupt, die keine Urnenwand haben. Bei uns ist kein Bedarf da, die Kosten können wir sparen. Wir sind sehr zufrieden mit unserem Herrn Schmidt, der sich neben Waldhausen auch um die Pflege des Friedhofs Hasselbach kümmert.“

Am Friedhof stehend kommt auch gleich das Gespräch auf das ehemalige evangelische Jugendheim, in das jetzt endlich, nach langem Hin und Her, mit einem Düsseldorfer Unternehmer neues Leben eingekehrt ist. Es finden in dem Haus sogar Schulungen zum Umgang mit Drohnen statt. Ein Raum wurde so gestaltet, dass Drohnen dort wetterunabhängig fliegen können. So kommt auch der jährliche Drohnenwettbewerb zustande, der nationale und internationale Piloten nach Hasselbach führt. Mit großem Engagement von Freiwilliger Feuerwehr und Dorfgemeinschaft wird die logistische Durchführung drei Tage lang gestemmt.

Altes Fachwerk

Weiter geht es durch den Ort, vorbei an so manchen alten, kaum noch zu sanierenden Häusern. Aber auch an ganz vielen alten Fachwerkhäusern, die mit viel Liebe und noch viel mehr Einsatz zu regelrechten Schmuckstückchen geworden sind. Und dann sind da noch die „Sorgenkinder“ des Ortsvorstehers. Die großen Häuser mit viel Platz, die ganz einfach leer zum Verkauf stehen und sich doch nicht verkaufen lassen. Oder der ehemalige Spar-Laden, bei dem auch das äußere Erscheinungsbild nicht angegangen werden kann. „Man kann informieren, man kann helfen, aber politisch ist kaum eine Einflussmöglichkeit vorhanden. Es bleibt die Hoffnung Menschen zu finden, die sich für die alte Bausubstanz im Ortskern begeistern. Diese schätzen und sie erhalten wollen. Oder mit einem modernen Neubau eine Baulücke im Kern schließen, so wie hier zum Beispiel.“

Der Dorfplatz, Rathaus und Ortsrufanlage

Eine der letzten Ortsrufanlagen in Hessen wird noch eifrig genutzt

Eine der letzten Ortsrufanlagen in Hessen wird noch eifrig genutzt

Wir kommen zum Dorfplatz, mit dem alten Rathaus alter und neuer Mittelpunkt des Dorfes. Viel ist schon gemacht, Sitzgelegenheiten, ein Brunnen – es macht auch jetzt im Winter einen netten Eindruck. Man möchte sich auf den Frühling freuen, oder auf warme Spätsommerabende und das eine oder andere Gespräch mit Freunden. „Ich habe keinen Lieblingsplatz in Hasselbach,“ erzählt mir Ortsvorsteher Hölzgen. „Aber ich habe derzeit ein Lieblingsprojekt. Das ist die neue, alte Mitte im Dorf. Dort hinten haben wir schon die alte Bruchsteinmauer gesichert, wollen dem alten Haus, das hier einmal stand, ein Denkmal geben. Die Steine vom Abbruch haben wir uns beiseitelegen lassen und damit den Hang abgefangen. Die Fläche hinter dem Platz werden wir ebnen und einen Boule-Platz anlegen. Es dreht sich darum, die Flächen so zu gestalten, dass es keiner Pflege mehr bedarf.“ Die Idee für die Boule-Anlage kam aus dem Ort heraus und fand die Unterstützung vieler Hasselbacher. „Es soll etwas entstehen, das von vielen Menschen genutzt werden kann. Wenn ich Jugendliche genauso wie Senioren ansprechen will, kann ich keinen Tennisplatz bauen. Aber eine „ruhige Kugel schieben“ kann ich in jedem Alter.“

„Sie fragen, Sie kriegen Antworten,“ sagt mir Hölzgen. Seit 19 Jahren ist er Ortsvorsteher in Hasselbach und kennt sein Dorf mit Zahlen und Fakten und den Menschen, die dahinterstecken, wie kein Zweiter. Zum Beispiel der Brunnen auf dem Dorfplatz. Eine Fehlplanung. Die Bohrung durch den Stein hat die ideale Größe für die umliegenden, als Bodenabdeckung genutzten, Steine. Und was machen Kinder? Sie stecken die passenden Steine in die Bohrung und niemand bekommt sie mehr heraus. Doch der Ortsvorsteher hat auch die Lösung zur Hand, will bei nächster Gelegenheit den Stein anheben lassen. Dazu wünscht er sich ein zweites Solarstrom-Panel für die Pumpe. Dann funktioniert der Brunnen wieder. „Das machen wir mit Kräften aus dem Ort. Der Bauunternehmer Özdemir ist ein Hasselbacher Urgestein und hilft, wo er kann. Und viele andere Hasselbacher werden auch mit anpacken.“

Am alten Rathaus, das nicht nur vom Ortsvorsteher und Ortsbeirat, sondern auch vom Ortsgericht genutzt wird, noch der Hinweis auf die Ortsrufanlage, eine der wenigen verbliebenen in hessischen Städten und Gemeinden. „Wir nutzen sie auch für Veranstaltungsankündigungen, Ortsbeiratssitzungen oder die Einladung zum Tannenbaumschmücken,“ erklärt der Ortsvorsteher.

Im alten Rathaus gibt es mit Ortsbeirat und Ortsgericht neues Leben

Im alten Rathaus gibt es mit Ortsbeirat und Ortsgericht neues Leben

Auf dem Weg zurück zum Bürgerhaus gehen wir die Trompeterstraße hinauf. Friderike ist am Tag zuvor über Mittelhessen hinweggerast und hat auch in Hasselbach ihre Spuren hinterlassen. Während unseres Spazierganges hören wir ständig die Motorsägen. Lothar Hölzgen weiß genau, wen es getroffen hat. Hier geht er über die Straße auf ein kurzes Gespräch. „Es macht Spaß, Ortsvorsteher zu sein,“ sagt Hölzgen. „Ich bin nicht allein. Man muss zwar immer wieder ein wenig anschieben, aber wenn es gilt, gibt es in Hasselbach ganz viel Menschen, die mit anpacken.“

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