Auf dem Weg

Geschichte - Kultur - Spiritualität

Monat: Mai 2014 (Seite 1 von 9)

Update zur Via Jutlandica – 2. Etappe Handewitt – Oeversee, Seite 39 und 40

 

Im Deutsch-Dänischen Krieg (1.2. – 30.10.1864) kam es am 6. Februar 1864 bei Oeversee zu einem Gefecht zwischen den mit den Preußen verbündeten Österreichern und den Dänen. Das 6. k. u. k. Armeekorps aus Graz siegte über die im Rückzug befindlichen Dänen. In den Abend- und Nachtstunden kamen Bewohner aus dem 10 km entfernt lie­gen­den Flensburg und schafften die Verwundeten in den am Ochsenweg liegenden ‚Krug’.

In Oeversee erinnern verschiedene Denkmäler, besonders jedoch das Österreicher-Denkmal außerhalb des Ortes an der L 317, gleich gegenüber das Denkmal für die gefallenen dänischen Soldaten und der Grazer Platz an die denkwürdige Schlacht. Etwas weiter in Richtung Flensburg steht das Denkmal für die deutschen Soldaten. Im österreichischen Graz gibt es auch heute die Oeversee-Gasse und das Oeversee-Gymnasium. Die Flensburger Bürger geden­ken alljährlich mit dem Oeversee-Marsch der Auseinan­der­set­zung.

Update zur Via Jutlandica – 2. Etappe Handewitt – Oeversee, Seite 37 und 38

 

Nach Verlassen des Forstes überqueren Sie die Straße, die nach links unter der A 7 hindurch und an den alten Zollhäusern vorbei in die Gartenstadt Flensburg-Weiche führt. Wenn Sie die 1. Tagesetappe bis hierhin ausgedehnt haben sollten, erreichen Sie bald die Flensburger Stadtbusse für eine mögliche Rückfahrt.

Auf dem heutigen Weg biegen Sie an der Straße nach rechts ab und folgen der guten Markierung des Jakobsweges für etwa 1000 m. Danach biegen Sie zweimal nach links ab, gehen in Richtung der Bahngleise, überqueren diese und wenden sich dahinter nach rechts. Es geht dann unter der B 200 hindurch und immer zwischen Bahnstrecke und Autobahn auf dem Margeretenweg bis nach Barderup.

Bei dieser kleinen Ortschaft, erstmals urkundlich 1472 erwähnt,  handelt es sich um eine Oeversee-Aussiedlung.  Sie überqueren hier die Autobahn A 7, und vorbei am Sophienhof gelangen Sie zum Sankelmarker See. An die­sem in der letzten Eiszeit entstandenen See liegt die Europäische Akademie Sankelmark, eine Erwachsenenbildungs-Einrichtung, die weit über die Grenzen von Schleswig-Holstein hinaus bekannt ist. Sie bietet Seminare und Tagungen zu politischen und kulturellen Themen der Region Sønderjylland/Schleswig, des Landes Schleswig-Holstein und der Bundesrepublik Deutschland an.

Update zur Via Jutlandica – 4. Etappe Schleswig – Kropp, Seite 67 und 68

 

Von der Brücke aus haben Sie noch einmal einen schönen Blick auf Haithabu und auch auf Schleswig mit dem dominierenden Dom. Auf der anderen Seite treffen Sie zunächst auf einen Hohlweg. Ein Beweis, dass die Engstelle oder Furt zwischen den Nooren den Bewohnern der Umgebung schon lange zum Aus­tausch von Waren und Gütern diente. Rechts geht es hinauf, um dann, immer am Ufer des Noors bleibend, bis nach Selk zu führen. Teilweise führt der Weg über Stege, die es einem ermöglichen, auch sumpfiges Gelände überwinden zu können.

Vorbei geht es an Selk in Richtung Hahnenkrug. An der alten Selker Mühle gibt es eine Besonderheit, die bei Pilgern und Wanderern immer wieder zu Erstaunen führt. Hier nämlich bringt Sie der Pilgerweg über das Gelände der ehemaligen Mühle und durch eine Tür zu einem Angelsee. Wo findet man es sonst, dass mitten auf einem Wanderweg eine Tür geöffnet werden muss?

Bei Hahnenkrug überqueren Sie die A 7. Immer an der Straße entlang, führt Sie der Jakobsweg durch Lottorf und Boklund bis nach Kropp, dem heutigen Etappenziel.

Abbildung 18 – Kropp Kirche

Kropp wird im Jahr 1285 im dänischen Krongutsverzeichnis unter König Erich Klipping erwähnt. Der Name Kropp (Kropf) bezieht sich wohl auf die Erhebung, auf welcher der Ort liegt. Heute wird der Ort im Wesentlichen durch die seit 1879 bestehenden diakonischen Einrichtungen und die Bundeswehr bestimmt. Die Dorfkirche, eines der Wahrzei­chen von Kropp, stammt aus dem Jahr 1250.

Fasnetspredigt am 03.02.2008

 

Pater Norbert Riebartsch OSCam, Klinikpfarrer in Freiburg, hat mir seine Karnevalspredigt vom letzten Sonntag geschickt. Hier ist sie:

 

Fasnetspredigt am 03.02.2008 – 4. Sonntag im Lesejahr A
Evangelium und 2. Lesung aus dem 1. Korintherbrief

 

Schwestern und Brüder im Herrn
ich sehe euch gern.

Es zeigt euer Kommen
Ihr seid bei den Frommen
auch dann noch zu finden,
wenn eigentlich schwinden,
die Besucher der Messen –
in Baden und Hessen.

Gar manche tut’s plagen.
Ich höre sie fragen:
„Was können wir machen,
dass Menschen aufwachen
und sehn ohne Spott
dass nur unser Gott
dem Leben gibt Ziel?
Ist das denn zuviel?“

„Nein“ möchte ich sagen,
„das sicherlich nicht!“
Doch sollten wir tragen
ein offnes Gesicht!

Wir sollten nicht drängen,
nicht drohen mit Schmerz
nicht Strafen verhängen,
belasten das Herz.
Vielmehr gilt Vertrauen,
dass Gott es uns schenkt,
in Freiheit zu schauen,
wo er auf sich lenkt
die Hoffnung der Armen,
der Kranken und Schwachen,
mit seinem Erbarmen
sie neu bringt zum Lachen.
Sie, die erhoffen, was grade nicht ist,
was früher sie kannten zufrieden und froh,
was auch noch im Alter man nie ganz vergisst.
Das möge so kommen. Das bleib einfach so.

Was haben wir denn grad gehört?
An Jesus haben sich kaum gestört
die Menschen, die mit sich zufrieden.
Denn diese haben oft gemieden,
jene, die mit Unbill geschlagen,
und die nun mit all ihren Klagen
eher verstummt sind im großen Kreis.
Doch gibt es sie noch – wie jeder wohl weiß.

Die kamen zu Jesus, die brauchten sein Wort.
Der See und der Berghang, die waren der Ort
Um wieder zu hoffen, dass einer es hört,
wenn sie davon sprechen, was mächtig sie stört.
Sie sprachen von Unrecht, das an ihnen geschehen,
von Wegen des Friedens, die sie nicht können gehen.
Sie sprachen von Hunger nach Liebe und Brot
und noch von manch andrer persönlicher Not.
Die Antwort war immer nur: „Selig ihr seid!
Denn von Gottes Zeichen seid ihr nicht mehr weit.
Er will euch doch trösten und euch aufbauen
und will mit euch das Gelungne anschauen.
Er will euch umgeben
mit himmlischen Leben.“

Zwar könnte man fragen
was nun an den Klagen
der Menschen sich wendet.
Denn Not jetzt nicht endet.
Doch haben sie einmal – zumindest beim Herrn,
gespürt: „Ich werde gemocht, mich hat einer gern!“
Sie haben gemerkt: „Er nimmt mich wichtig“
und sagt ihnen auch: „Euer Anspruch ist richtig!“

Und auch ist zu lesen an anderen Stellen:
Wenn Jesus dann kam mit seinen Gesellen,
sprach er seine Botschaft und tat dann ein Zeichen,
so mächtig, dass anschließend niemand wollt weichen.

Gewiss – er hat nicht alle Probleme beendet
und mancher hat sich enttäuscht abgewendet.
Doch Blinde wie beispielsweise Bartimäus,
oder die Sünder wie etwa Zachäus
oder der Aussätzige vor der Stadt,
die 5000, die der Herr machte satt,
sie zeigen, dass Jesus war sehr wohl bereit
zu wenden die Not und das Elend der Zeit.

Doch das ist Geschichte, Jahrtausende her.
Auch heute fällt Menschen das Leben sehr schwer.
Wir haben die Kraft nicht für Jesu Zeichen,
doch glaube ich, wir können auch heute erreichen,
worum damals der Herr immer hat sich bemüht:
Dass die Blume der Freude an Gott in uns blüht.

Wir können sie haben – das weiß schon St. Paul
und das zu erklären war er gar nicht faul.
Gott ist es, der den Menschen erwählt,
und dann für Gott seine Treue auch zählt.
Er wählt ihn, das eigene Leben zu meistern
und sich leiten zu lassen von guten Geistern.
Er wählt ihn, nicht weil er ist so voller Kraft,
dass er alle Dinge alleine schon schafft.
Er wählt ihn viel mehr als sein Ebenbild,
um ihm dann zu sein der Schutz und das Schild.
Dafür findt er Wege durch Raum und durch Zeit
zu mehren die Freude, zu teilen das Leid.

Man sieht es auch heute hier in Heilig Geist.
Das Reimen uns auf die Freude verweist.
Und weil der Kalender es heute bestimmt,
ein jeder, der will, mit Recht auch annimmt:
Der Blasiussegen wird heute gespendet,
als Zeichen dafür, dass Gott sich zuwendet,
dem, der in der Not auf Segen vertraut
und immer neu hoffend auf Jesus Christ schaut.

Und darin, ihr Leute, schließt sich der Reigen,
denn an St. Blasius kann man es zeigen:
Er wurde erwählt – auch zum Bischofsamt,
die Kraft dazu von Gott selber stammt.
Durch ihn konnte Blasius segensreich sein,
und in das Leben des Knaben hinein
ein Zeichen der göttlichen Liebe bringen.
So ist es auch heute mit vielen Dingen.

Drum hoffe ich weiter, ob heute, ob morgen
dass in allen Ängsten und in allen Sorgen
wir ab und an spüren im Krankenbett oder auch hier:
Gott sagt uns noch immer: „Selig seid Ihr!“

Beten mit den Füssen: Lahnwanderweg 14. Etappe von Aumenau nach Villmar (Entwurf)

Rückmeldung zur Via Jutlandica vom 03.08.2008

 

Sehr geehrter Herr Schäfer,

Als Jakobspilgerin habe ich mich über Ihr Buch sehr gefreut und auch sofort begonnen auf den von Ihnen beschriebenen Wegen in Norddeutschland zu wandern.

Dazu muss ich sagen, dass ich in Glückstadt an der Elbe wohne und die Gegend recht gut kenne. Daher möchte ich Sie auf einige Unstimmigkeiten aufmerksam machen.

Die 2. Etappe Handewitt Süderschmedeby ( Seite 36 -42 ) ist sehr schlecht markiert, besonders die Strecke aus dem Hansewitter Forst in die Gartenstadt  Weiche und dann fehlt die Markierung für den Einstieg auf den von Ihnen als Margeritenweg bezeichneten Weg parallel zur Bahnlinie. Verfehlt man nämlich diesen Einstieg muss man entlang der Bundesstraße laufen, was lebensgefährlich ist.

Außerdem wäre es hilfreich, wenn Sie angeben, dass man ca.1 km aus Oeversee hinausgehen muss, um das Österreicher – Denkmal zu sehen.

Für die 4.Etappe Schleswig – Kropp erwähnen Sie nicht, dass man über das Privatgelände der alten Selker Mühle und am Fischteich entlang zum Hohlweg wandern muss. Auf diesem Teilstück fehlen für den Einstieg auch Markierungen.

Ich habe noch zwei wichtige Anmerkungen:

Die Pensionsinhaber hatten keine Ahnung, dass sie in Ihrem Buch erwähnt wurden, sodass sie mich um Ihre E-Mailadresse gebeten haben.

Und ganz wichtig! man kann nicht auf dem Stördeich von Itzehoe nach Glückstadt gehen. er befindet sich in Privatbesitz und ist  vielerorts durch Stromzäune in Parzellen abgetrennt, weil Schafe und Vieh darauf weiden.
Neben der Kirche in Neuendorf ist auch die in Borsfleth ( das ist der Ort vor Ivenfleeth) von geschichtlicher Bedeutung. Es gibt sogar eine Dorfchronik.

Und zum Schluss möchte ich Ihnen sagen, dass die Wegmarkierung unterhalb der Störbrücke sinnlos ist, denn man kann an dieser Stelle nicht auf den Deich. Dort laufen  zur Zeit Zuchtbullen herum.

Ich hatte trotzdem viel Freude nach Ihrer Beschreibung zu wandern. Ich war mit zwei Hunden unterwegs und habe bei den von Ihnen angeführten Adressen Unterkunft gefunden.

Landschaftlich war meine 5tägige Tour herrlich.Als schönste Teilstrecken erlebte ich den Weg durch das Noor und auf den Binnendünen des Ochsenweges.

Ich wünsche Ihnen weiterhin Bon camino! und viel Erfolg! Liebe Grüße von XY, Jakobspilgerin.

 

Ein Hinweis in eigener Sache: Ich freue mich über jede Rückmeldung und Korrektur der Pilgerwanderführer. Bitte schreiben Sie mir doch mit hinein, ob ich Ihren Namen veröffentlichen darf. Ohne Hinweis nehme ich grundsätzlich die Namen heraus. Vielen Dank!

Und hier ist meine Antwort auf die eMail:

Herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung, liebe Frau XY!

Darf ich diese an Fred Hasselbach von der Norddeutschland-Sektion der Deutschen Jakobusgesellschaft weiterleiten? Er hat die "Via Jutlandica" mit viel persönlichem Einsatz initiiert und dann auch markiert. Sie finden Details auf der Internetseite www.via-jutlandica.de.

Es ist nun so, dass man irgendwann einmal so einen Tunnelblick beim Schreiben bekommt und dann nicht mehr weiss, ob es rechts oder links herum geht. Von daher würde ich mich gerne mit ihm austauschen und schauen, ob die Markierungen vielleicht tatsächlich fehlen oder von mir ganz einfach Fehler in der Beschreibung gemacht wurden.

Einer dieser Fälle ist die Selker Mühle. Bei "Krause" und bei allen anderen Autoren für den E 1 ist sie erwähnt – nur mir einfach durchgegangen. Wird aber in der nächsten Auflage korrigiert.

Genannte Pensionsbesitzer sind natürlich alle angeschrieben bzw. antelefoniert worden. Da ist das Gedächtnis dann wohl etwas kurz. In einem Fall wird jedoch völlig umgebaut (zumindest komplett 2008), dort gibt es keine Übernachtungsmöglichkeit mehr – aber der Besitzer hatte zugesagt, die Pilger persönlich weiterzureichen, deshalb habe ich sie dringelassen.

Jaaa, Stördeich! Wie im Pilgerwanderführer beschrieben ist die Straße auch nicht besonders prickelnd. Zum Zeitpunkt meiner Begehung musste ich mehrfach beiseite springen und habe dann lieber den Weg auf der Deichkrone gewählt und mir schon einige böse Rückmeldungen der Besitzer bis heute eingefangen. Allerdings hatte ich es auch nur mit Schafen zu tun – wenn Grossvieh oben weidet oder eine Pilgerin mit Hund kommt, sieht es natürlich noch einmal anders aus. Da lasse ich mir für die nächste Auflage etwas einfallen.

Alle anderen Punkte habe ich im Skript schon korrigiert – herzlichen Dank im Namen aller Jakobspilger auf der Via Jutlandica.

Schöne Grüsse ins wunderschöne Glückstadt aus dem sonnigen Weilburg an der Lahn,

Ihr Karl-Josef Schäfer

Wir sind Kirche zum 80. Geburtstag von J.B. Metz (5. August 2008)

 

Pressemitteilung und Versuch einer Würdigung seiner Theologie

Johann Baptist Metz, ein wegweisender Theologe
Pressemitteilung

Die KirchenVolksBewegung gratuliert Prof. Johann Baptist Metz, einem der profiliertesten und einflussreichsten Theologen der Gegenwart, der am 5. August 2008 seinen 80. Geburtstag feiert.
Mit seiner „Neuen Politischen Theologie“ erinnert Metz nachhaltig an die gesellschaftliche Verantwortung der Christen. Seine theologischen Impulse reichten bis zur Theologie der Befreiung in Lateinamerika. An dem bis heute wegweisenden Dokument „Unsere Hoffnung“ der Würzburger Synode (1971 bis 1975) wirkte Metz, ein Schüler von Karl Rahner, federführend mit.
In der Folge blieben Prof. Metz und der „Neuen Politischen Theologie“ aber Auseinandersetzungen mit der kirchlichen Hierarchie nicht erspart. 1979 wurde Metz von Joseph Ratzinger, damals Erzbischof von München, der Ruf an die Universität München verwehrt. Zu einer Annäherung der beiden – Ratzinger war mittlerweile Präfekt der Vatikanischen Glaubenskongregation – kam es erst wieder im Rahmen einer Tagung unter dem Titel „Ende der Zeit? Die Provokation der Rede von Gott“ aus Anlass des 70. Geburtstags von Johann Baptist Metz 1998 im münsterländischen Ahaus. Übrigens: Auf Anfragen zu den Punkten des KirchenVolksBegehrens hatte Ratzinger dort sehr ärgerlich reagiert – wie Metz in moderaterer Form auch (dokumentiert in IMPRIMATUR 8/1998).
Auf dem ersten „Katholikentag von unten“ 1980 in Berlin führte Metz einen eindrucksvollen Diskurs mit Hans Küng über die Zukunft der Kirche (siehe http://www.wir-sind-kirche.de/index.php?id=268 ganz unten). 1989 gehörte Metz zu den Unterzeichnern der „Kölner Erklärung: Wider die Entmündigung – für eine offene Katholizität“, die sich gegen die päpstliche Disziplinierung der Theologie wendete. Sein Eintreten für die Freiheit der Theologie zeigte er auch in seiner Solidarität mit angegriffenen Theologen.
Neben einer nicht bestrittenen Kirchenkrise sieht Metz vor allem eine tieferliegende Gotteskrise: „Die Krise, die das europäische Christentum befallen hat, ist nicht primär oder gar ausschließlich eine Kirchenkrise. Alle Kirchen stehen heute wie entlaubte Bäume in unserer postmodernen Landschaft. Woran liegt das? Gewiss auch an den Kirchen selbst. Doch die Krise sitzt tiefer; sie ist keineswegs nur am Zustand der Kirchen selbst festzumachen; die Krise ist zur Gotteskrise geworden“ (Metz 1993 in seiner Abschiedvorlesung vom Lehrstuhl in Münster).
Seine Kritik an Missständen in der Kirche war und ist immer mehr grundsätzlich als konkret. Seine Verdienste an einem Neuaufbruch in der Kirche sind dennoch unübersehbar. Wir sind Kirche fühlt sich seinen Anliegen verpflichtet und dankt Johann Baptist Metz für seine vielen wertvollen und zukunftsweisenden Impulse im Hinblick auf eine grundlegende Reform der Theologie und der von der Kirche zu verkündenden Frohen Botschaft.

Bundesteam der KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche

* * * * * * *

„Erinnerung als Geheimnis der Erlösung“

Versuch einer Würdigung der Theologie von Johann Baptist Metz
Den Spruch „Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“ über der Gedenkstätte Yad Waschem in Jerusalem hat Johann Baptist Metz, einer der herausragenden katholischen Theologen der Gegenwart, zu einem Kern und Angelpunkt seiner Theologie gemacht. „Erinnerung als Geheimnis der Erlösung“ versteht Metz als „Basis-Kategorie“ für die dringend anstehende Revision und Reform der Theologie.

  • „Erinnerung als Geheimnis der Erlösung“ heißt: Es ist nicht mehr möglich, nach Auschwitz so von Gott zu sprechen wie vor Auschwitz. Metz postuliert eine „Theodizee empfindliche Gottesrede“. Er forderte seine Studenten auf: „Fragt euch, ob die Theologie, die ihr kennen lernt, so ist, dass sie vor und nach Auschwitz eigentlich die gleiche sein könnte. Wenn ja, dann seid auf der Hut!“

  • „Erinnerung als Geheimnis der Erlösung“ heißt: Die gesellschaftskritischen Impulse der Bibel Ernst nehmen und sie für eine Beurteilung der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation einbringen. Metz setzt gegen den ungebrochenen Fortschrittsglauben auf „Unterbrechung“, auf Irritation, auf Veränderung der Verhältnisse. Die Kirche „muss sich mit den großen politisch-sozial-technischen Utopien kritisch auseinandersetzen, mit den aus der modernen Gesellschaft reifenden Verheißungen einer universalen Humanisierung der Welt“ (J.B. Metz, Zur Theologie der Welt, Mainz /München 1968, 87).

  • „Erinnerung als Geheimnis der Erlösung“ heißt: Gegen einen gesamtgesellschaftlichen „heimlichen Unschuldswahn“ und einen geradezu „unheimlichen Entschuldigungsmechanismus“ die Rückbesinnung auf die biblische Vergebungsbereitschaft stellen, die von der österlichen Hoffnung getragen ist.

  • „Erinnerung als Geheimnis der Erlösung“ heißt: Der drohenden Gefahr einer „Banalisierung“ des Christentums als folgenlose „Event-Religion“, als unverbindliches folkloristisches Beiwerk und als nützlicher Zierrat bestimmter Lebenssituationen begegnen durch die energische Frage, ob die real existierende, institutionell verfasste und weithin bürokratisierte Kirche noch ihrer eigenen Botschaft entspricht. Metz versteht Kirche als „kritische Institution gegenüber der Gesellschaft“ (Ebd., 109).

  • „Erinnerung als Geheimnis der Erlösung“ heißt: Gegen eine verbreitete Apathie gegenüber den Leidenden und den Opfern von Gewalt energisch eintreten für „Compassion“, für eine Zivilisation der Liebe, für die Rechte der Unterdrückten und Benachteiligten und für die Einheit aller Menschen vor Gott und untereinander. „Liebe muss als unbedingte Entschlossenheit zur Gerechtigkeit, zur Freiheit und zum Frieden für die anderen verstanden werden“ (Ebd., 111).

  • „Erinnerung als Geheimnis der Erlösung“ heißt: In der Rückbesinnung auf die jesuanische Kritik an aller Selbstgefälligkeit und Überheblichkeit die Bereitschaft zu Selbstkritik und Bescheidenheit setzen. „Kirchliche Kritik der Gesellschaft wird auf die Dauer nur dann glaubwürdig und effizient sein, wenn sie in zunehmendem Maße von einer kritischen Öffentlichkeit innerhalb dieser Kirche selbst getragen ist“ (Ebd., 113).

Prof. Dr. Norbert Scholl, Wilhelmsfeld

Kaum zu glauben – aber wahr!

 

Jakobswege haben Konjunktur. Pilgern ist ‚in‘. Bei 3 Millionen verkauften Exemplaren von Kerkeling`s "Ich bin dann mal weg …" gibt es kaum noch jemanden, der diesen Pilgerbericht nicht gelesen hat oder doch zumindest von dem Buch gehört hat. Alleine in diesem Jahr werden 150.000 deutsche Jakobspilger in Santiago de Compostela erwartet. Hinzu kommen die Touristen, die mit RyanAir, Lufthansa und Iberia zum Billigpreis zum Apostelgrab fliegen oder an organisierten Pilgerfahrten per Bus oder PKW teilnehmen.

Doch nicht jeder, der gerne möchte, ist in der Lage und Willens, die Strapazen einer langen Auslandsreise auf sich zu nehmen oder sogar die 800 km auf dem Camino Frances, wie Hape Kerkeling, zu Fuss zurückzulegen.

In ganz Europa werden deshalb historische Wege der Jakobspilger reaktiviert und neue in Richtung Südwest geschaffen.

In Deutschland geht das mit den bekannten deutschen Tugenden so gut, dass nicht eine Woche vergeht, ohne dass im Norden, Osten, Westen oder Süden unseres Landes nicht ein neuer Jakobsweg eingeweiht wird. Wir sind halt ein bisschen gründlicher als alle anderen. Längst haben die Wandervereine entdeckt, dass sie auf Jakobswegen neue Interessenten in die Wälder locken können.

Und die Tourismusmanager haben gemerkt, dass sich mit einem ‚Jakobsweg‘ ihr Urlaubsgebiet attraktiver machen lässt; mehr Besucher, mehr Tagesgäste, mehr Übernachtungen  generiert werden können. Jakobswege, oder wie es in der Nomenklatur der Deutschen Jakobsgesellschaft heisst, Wege der Jakobspilger in Deutschland, sind ein Millionengeschäft geworden.

Zu den ersten Jakobswegen, die in Deutschland reaktiviert wurden, zählt der Lahn-Camino. Diese schon im Mittelalter für Pilger überaus wichtige Ost-West-Verbindung von Marburg nach Lahnstein hat in den letzten Jahren einen ungeahnten Zustrom. Im Osten wurden in den Jahren 2006 und 2007 der Ökumenische Pilgerweg und der Elisabethpfad geschaffen, und mit dem Lahn-Camino kann der Pilger nun von Polen auf historischen Spuren bis an den Rhein gelangen. Der Mosel-Camino bietet dann Anschluss bis zum historischen Pilgersammelpunkt Trier und der französischen Ostroute über Metz und Toul nach Vezelay. Aber auch der im Jahr 2008 geschaffene Teilabschnitt des Rhein-Camino von Lahnstein nach Kaub bietet sich als Pilgerroute an. Für den Lahn-Camino (Der Jakobsweg von Wetzlar nach Lahnstein, Karl-Josef Schäfer, ISBN  978-3833494758) und den Mosel-Camino (Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier, Karl-Josef Schäfer und Wolfgang Welter, ISBN 978-3833498886) liegen ausführliche Pilgerwanderführer vor, eine Beschreibung des Rhein-Camino (Ein Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels, Karl-Josef Schäfer) erscheint im August 2008.

Während in Rheinland-Pfalz, im Saarland, in Bayern und Baden-Würtemberg die Jakobusgesellschaften fest mit der Unterstützung der Landesregierungen und Kommunen rechnen können, sich in Nordrhein-Westfalen der Landschaftsverband Rheinland der Jakobswege angenommen hat, sich in ganz Deutschland die Tourismusverbände, aber auch kleine und grosse Beherbungsbetriebe, engagieren, um Jakobswege zu reaktivieren oder, wo das nicht möglich ist, neue Wege zu schaffen, herrscht in Hessen weitgehende Ignoranz. Zwar verläuft ein grosses Stück des Ökumenischen Pilgerweges durch das nördliche Hessen, gibt es den Elisabethpfad oder den Bonifatiusweg, neuerdings auch einen uralten Pilgerweg von Marburg nach Köln – aber Jakobswege, und die damit verbundenen Chancen für das Urlaubsland Hessen, werden nicht weiter beachtet.

Deutlich wird das am Beispiel des Lahn-Camino, beginnend in Marburg, aber markiert erst am Dom in Wetzlar. Nicht nur, dass die ersten Teiletappen aus Mangel an Unterstützung nicht ausgeschildert werden konnten, auch Unterstützung und Beratung von Pilgern findet lediglich auf privater Initiative statt. Pilgerherbergen, wie sie in ganz Deutschland mit Unterstützung der Kommunen, Landkreise und Landesregierungen entstehen, sucht man vergebens. Während sich an den Jakobswegen in Österreich über 100 Übernachtungsbetriebe (Privatquartiere, Pensionen, Gasthöfe und Hotels mit bis zu 4 Sternen) bereit erklärt haben, Pilgern mit Pilgerpass eine Übernachtung für 15 Euro inklusive Frühstück anzubieten, stösst der Pilger an der Lahn auf Unverständnis und Ablehnung. Man fürchtet sich wohl vor gefälschten Pilgerpässen und einem Ausnutzen des Angebotes. Eine eMail mit dem Satz: "Bitte streichen Sie unser Haus aus Ihren Übernachtungsempfehlungen – wir sind nicht auf Einzelgäste eingerichtet, die machen zuviel Arbeit, wir vermieten ausschliesslich Doppelzimmer" ist nicht die Ausnahme. Anfragen wegen Gepäcktransport (auf Weitwanderstrecken auch in Deutschland fast überall Standard) werden mit dem Satz "Bestellen Sie doch ein Taxi" beschieden. Ausnahmen wie z.B. die Pension Behr in Villmar bestätigen die Regel. Statt dessen wird lieber öffentlich monatelang darüber diskutiert, ob der geplante Qualitätswanderweg ‚Lahnsteig‘ links oder rechts am Ort vorbeiführen soll. Selbst im Generalvikariat des katholischen Bistum Limburg, auf dessen Gebiet der Lahn-Camino komplett verläuft, wird anscheinend lieber die nächste Wallfahrt ins französische Lourdes vorbereitet, als auf eMails bezüglich des Lahn-Camino geantwortet.

Einer der ältesten Pilgerwege in Deutschland, reaktiviert schon vor Jahren auf Initiative von Prof. Dr. Heinrich Kanz, der durch eines der schönsten Wanderreviere Deutschlands führt und damals wie heute eine enorme Anziehungskraft und Bedeutung als Ost-West-Verbindung hat, ist, zumindest was den hessischen Teil betrifft, weitgehend unbekannt. Es gibt keine Informationstafel, es gibt keine Hinweise. Selbst auf hessischen Wanderkarten ist der Pilgerweg nicht eingezeichnet. In der Wetzlarer Innenstadt werden Jakobsmuschel-Markierungen entfernt oder unkenntlich gemacht. In Braunfels, Weilburg, Villmar, Runkel und Limburg wussten von jeweils 20 (nicht repräsentativ befragten) ortsansässigen Spaziergängern nicht einmal einer, was die gelbe Muschel auf blauem Grund bedeuten soll.

Kaum zu glauben … aber wahr!

Liebe MitbürgerInnen in Hessen! Lieber geschäftsführender Herr Ministerpräsident, liebe geschäftsführende MinisterInnen und Landtagsabgeordnete!  Liebe Landräte, liebe Kreistagsabgeordnete, liebe Bürgermeister, Stadtverordnete und Gemeinderäte! Liebe MitarbeiterInnen in den kommunalen Verwaltungen, liebe Tourismusverantwortlichen! Liebe BesitzerInnen von Übernachtungs- und Gastronomiebetrieben! Lieber Herr Bischof Tebartz-van Elst, lieber Herr Kirchenpräsident Steinacker, lieber Herr Generalvikar, liebe Leiterin der Kirchenverwaltung, liebe Dechanten, Pröbste, PfarrerInnen und MitarbeiterInnen in den Pfarrbüros! Liebe Redakteurinnen und Redakteure, liebe Journalistinnen und Journalisten!

Die Pilgerwege sind da, sie müssen nicht erst geschaffen werden, wie z.B. der geplante Lahn-Steig oder andere Wanderwege. Seit Jahrhunderten suchen sich die Pilger ihren Weg durch Hessen. Und viele dieser Wege sind heute noch begehbar. Aber um wirklich auch in Hessen etwas zu erreichen, braucht es Viele. Und es braucht viel Unterstützung durch Sie. Gerne stehe ich mit meinem Wissen und meiner Erfahrung, mit Vorträgen und Artikeln, zu Ihrer Verfügung.

Ultreia, ultreia et sus eia, Ihr Karl-Josef Schäfer

(Der alte Gruss der Jakobspilger stammt aus dem ältesten erhaltenen Pilgerführer, dem Codex Calixtinus, und bedeutet soviel wie ‚vorwärts und aufwärts‘)

Der Sommer im Herzen Hollands: Römer, Livemusik und Sonnengarantie in Utrecht

Gracht und typische Grachtenkeller in Utrecht, Quelle NBTC

Gracht und typische Grachtenkeller in Utrecht, Quelle NBTC

Für den perfekten Städtetrip muss man nicht weit reisen: Die mittelalterliche Studenten-Stadt Utrecht im Herzen der Niederlande mit ihren schmucken Grachten, der interessanten Musikszene und bunten Märkten im Schatten von Kirchen und alten Bäumen eignet sich gut für eine Auszeit. Ob auf dem Wasser, in kultureller Hinsicht oder gar unter der Erde: Utrecht bietet im Sommer zahlreiche Höhepunkte.

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LA’SHANA HA’BA BE’YERUSHALAYIM HA’BENUYA

Ja, gut, nächstes Jahr wird es nicht gerade, vielleicht 2010.

Ich glaube auch nicht, dass dieser Gruss (Nächstes Jahr in Jerusalem) tatsächlich eine Zeitangabe beinhaltet. Vielmehr drückt der von den Diasporajuden gesprochene Abschiedsgruss damals wie heute die Sehnsucht aller Menschen nach einer Heimat aus; nach einem Ort, der für alle Gläubigen die gleiche Bedeutung hat.

Wenn wir heute, im Jahr 2008, eine unglaubliche Renaissance der Pilgerwege in Europa, besonders des Jakobsweges nach Santiago de Compostela, erleben, so wird auch dies der Ausdruck einer Sehnsucht, einer Suche nach einem Ort wie Jerusalem, sein.

Im Mittelalter machten sich 30 – 40% der Europäer auf den Weg. Bei einer geschätzten Bevölkerung von 40 Millionen waren das in absoluten Zahlen etwa 12 bis 16 Millionen Menschen. Nicht nur zum Grab des Apostels Jakobus d.Ä., nicht nur nach Rom oder Jerusalem. Diese weiten Reisen konnten sich oft genug nur die reichen Bürger und Adligen leisten. Es ging auch zu den vielen Wallfahrtsorten im eigenen Land, zum Pfannstiel bei Weilburg, zum Grab der Heiligen Gertrud im Kloster Altenberg oder zum Grab ihrer Mutter, der heiligen Elisabeth von Thüringen, in Marburg. Die Menschen pilgerten nach Köln zum Dreikönigen-Schrein und nach Neuss zum heiligen Quirinus. Die Pilger liessen viel zurück. Meist ihr ganzes Hab und Gut und ihre Familien. Sie gingen alleine oder schlossen sich zu Gruppen zusammen, wie wir sie heute noch singend und beten in ganz Deutschland treffen können.

Und an ihren Zielen verspürten und verspüren die Pilger eine besondere Energie, sie fühlten und fühlen sich Gott näher. Sie waren zu Hause angekommen.

LA’SHANA HA’BA BE’YERUSHALAYIM HA’BENUYA

Ihr Karl-Josef Schäfer

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