Auf dem Weg

Geschichte - Kultur - Spiritualität

Monat: Februar 2014 (Seite 1 von 8)

Trierer Volksfreund 18.12.2007

 

Der Pilger und der Wanderer

Von unserer Mitarbeiterin Christine Cüppers

Spätestens seit Hape Kerkeling ist der Jakobusweg wohl die bekannteste Pilgerstrecke geworden. Alljährlich laufen, radeln und fahren Tausende auf den Spuren des Apostels nach Santiago de Compostela. Weniger bekannt dürfte sein, dass ein Jakobsweg entlang der Mosel führt. Den stellen Wolfgang Welter und Karl-Josef Schäfer in einem Pilgerführer vor.


Wandern und Pilgern auf der Landkarte: Wolfgang Welter (rechts) und Karl-Josef Schäfer stellen in ihrem Pilgerwanderführer den Jakobusweg entlang der Mosel zwischen Koblenz und Trier vor. TV-Foto: Christine Cüppers

Schweich/Trier. Es ist ein ausgesprochen munteres Trio, das sich am Kaffeetisch in Schweich versammelt hat: Hausherr Wolfgang Welter und seine Gäste Karl-Josef Schäfer und dessen Ehefrau Gabi. Wer aber meint, hier alte Freunde zu treffen, der irrt gewaltig. „Wir kennen uns per E-Mail seit Januar, haben uns im März erstmals persönlich getroffen und sehen uns heute zum dritten Mal“, erzählt Wolfgang Welter. Was sie so intensiv verbindet? Na ja, der Mosel-Camino. Der Jakobs-Pilgerweg entlang der Mosel von Koblenz nach Trier.

Angefangen hat alles an Weihnachten 2006, als Gabi Schäfer ihrem Mann den Kerkeling-Bestseller „Ich bin dann mal weg“ auf den Gabentisch legte. In der Nacht vom 25. auf den 26. Dezember las sich der gebürtige Emsländer, der jetzt in Weilburg an der Lahn lebt, durch die 345 Seiten, forschte am Tage per Internet nach den Wegen nach Santiago. „Am Morgen des 28. Dezember sind wir dann gemeinsam aufgebrochen zu unseren ersten 20 Kilometern entlang des Lahn-Camino“, berichtet der 51-jährige Schäfer. Fix und fertig seien er und seine Frau abends gewesen, trotzdem aber tags drauf die nächste Etappe marschiert. Schnell fand der gelernte Kommunikationstrainer heraus, dass über den Pilgerweg entlang der Lahn nichts Schriftliches existierte. Und so legte er selbst im Frühjahr 2007 seinen ersten Pilgerwanderführer auf.

Pilgern längs der Mosel zum Apostelgrab

„In Lahnstein angekommen, wollten wir weitergehen und dabei natürlich das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen in St. Matthias besuchen. Also musste unser Weg von Koblenz nach Trier führen.“ An dieser Stelle stieß Schäfer auf Wolfgang Welter, Förderlehrer an der Bischöflichen St. Josef-Schule in Trier. „Wer Wege entlang der Mosel recherchiert, kommt an dem Mann nicht vorbei“, sagt der Pilger mit einem Schmunzeln.

Kein Wunder also, dass Wolfgang Welter gerne und gewissenhaft die Anfrage nach der kürzesten Wanderstrecke nach Trier beantwortete. Dabei stellte sich heraus, dass auch noch niemand etwas über den Jakobsweg an der Mosel geschrieben hatte. Schnell kamen die beiden Männer via E-Mail zu dem Ergebnis, diese Lücke gemeinsam schließen zu wollen. Karl-Josef Schäfer pilgerte zusammen mit seiner Frau, und Wolfgang Welter ergänzte vor Ort die Informationen zu den einzelnen Stationen, machte die Fotos und korrigierte die Etappenberichte seines Partners.

Seit kurzem ist er erhältlich, der Pilgerwanderführer für den Mosel-Camino mit dem Titel „Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier“. Damit hätte der Kontakt zwischen dem Weilburger und dem Schweicher eigentlich beendet sein können. Doch beide stellen fest, dass sie sich irgendwie gefunden haben. Und das, obwohl sich die Motivation im Grunde unterscheidet: Der eine pilgert, der andere wandert. Karl-Josef Schäfer ist eher der Pilger, Wolfgang Welter eher der Wanderer.

Einig sind sich die beiden Autoren, dass ihre Zielgruppe „spirituell-kulturell interessierte Pilgerwanderer“ sind. Für diese bieten die 310 Seiten neben Historischem und Anekdoten zu den Stationen Informationen über Streckenverlauf, Unterkünfte, Öffnungszeiten und Ansprechpartner am jeweiligen Zielort.

Der Pilgerwanderführer von Karl-Josef Schäfer und Wolfgang Welter „Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier“ über den Mosel-Camino ist im Buchhandel erhältlich zum Preis von 14,95 Euro.

Branntweinsbek bei Stolk

 

Ich habe mich doch vor ein paar Tagen darüber aufgeregt, dass die Schleswig-Holsteiner nicht beikommen. Für manche stimmt das immer noch (z.B. für die Presseabteilung vom Schloss Gottorf, die mich einer Antwort auf meine Anfrage für nicht würdig halten), aber beim Bürgermeister Paulsen aus Stolk muss ich Abbitte leisten. Und weil die Antwort so schön, nett und freundlich ist, gebe ich sie hier im Original wieder:

 

Sehr geehrter Herr Schäfer,

vielen Dank für Ihre Anfrage, mit der Sie unseren kleinen Bach für eine hoffentlich große Leserschaft bekannt machen wollen. Bitte entschuldigen Sie, dass Sie erst jetzt eine Antwort erhalten – ich musste mich erst selbst sachkundig machen und einen Tag ohne Termine als Bürgermeister abwarten.

Herausgefunden habe ich leider nichts, was auf eine originelle Geschichte hindeuten könnte. Zwar ist dieser Bach immer eine große Grenze gewesen (heute zwischen zwei Gemeinden und zwei Ämtern, früher in seinem Unterlauf zwischen zwei Landkreisen, ganz früher zwischen herzoglichem und königlich-dänischem Landbesitz); aber ob eine Furt zum Schmuggeln von Branntwein über eine mögliche Zollgrenze hinweg benutzt wurde, ist rein spekulativ.

Unser örtlicher Fachmann für Sprachgeschichte geht vielmehr davon aus, dass es beim Aufschreiben eines mündlich überlieferten, daher lautlich veränderten und in der breiten Bevölkerung nicht mehr begründbaren Namens zu einer Fehldeutung gekommen ist. Er deutet den Namen als ursprünglich „bravibek“ von altdänisch „bra“=Abhang, Kante und „vi“ als Kurzform zu „vihi“=Wiese sowie dem bekannten „bek“=Bach.

Demnach wäre die Branntweinsbek der Bach, der durch Wiesenland mit deutlich sichtbaren Abhängen führt – und genau das ist bis auf den heutigen Tag typisch für diesen Wasserlauf zwischen den beiden Brücken zum östlichen und westlichen Elmholz.

Auch wenn Sie diese Erklärung für Ihren Wanderführer nicht gebrauchen können, wünsche ich Ihnen für dieses Werk gutes Gelingen, eine weite Verbreitung und für Ihre künftige Arbeit als Reiseschriftsteller viel Erfolg.

Von der kleinen Branntweinsbek sendet Ihnen schöne Grüße an die große Lahn

Ihr

Heiner Paulsen

Neue Foren für die Pilgerwanderführer-Reihe

 

Ich freue mich, Ihnen und Euch endlich die Möglichkeit bieten zu können, sich in einem Forum zu den Wegen der Jakobspilger in Deutschland mit anderen Pilgern auszutauschen, Fragen zu stellen und wichtige Tipps zu veröffentlichen. Ein Ersatz für die hervorragenden Seiten und Foren von Thekla und Aloys (www.jakobus-info.de) kann und soll es natürlich nicht sein. Diese neuen Foren beschränken sich auf die bisher erschienenen und sich in Vorbereitung befindlichen Pilgerwanderführer.

Hoffentlich wird von diesem Angebot reger Gebrauch gemacht:

Jakobswege in Deutschland

Gesundheitswanderführer bieten gelenkschonende Wanderungen in ganz Deutschland an – Aktionswochen „Gelenkschonend Wandern“

Von März bis Mai 2014 finden die Aktionswochen „Gelenkschonend Wandern“ des Deutschen Wanderverbands in Kooperation mit dem Voltaren® Gelenk + Aktiv Programm statt. Im Rahmen dieser Initiative bieten vom Deutschen Wanderverband zertifizierte Gesundheitswanderführer gelenkschonende Wanderungen in ganz Deutschland an. Während der 60- bis 90-minütigen Wanderung erfahren die Teilnehmer nicht nur Wissenswertes zum Thema Gelenkschonung, sondern lernen, mit welchen einfachen Übungen sie Gelenkschmerzen vorbeugen können und wie es sich gelenkschonend wandert.

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Via Jutlandica: 9. Etappe Heiligenstedten – Glückstadt/Elbe-Fähranleger = ca. 21,5 km


9. Tag Heiligenstedten – Hodorf – Neuenkirchen – Borsfleth – Ivenfleth – Glückstadt/Fähranleger (= ca. 21,5 km)Schwierigkeit: leichtZeitbedarf 6 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Besichtigungen: Heiligenstedten, Neuenkirchen, Glückstadt

Impuls für den Tag:  Seid Täter des Wortes und nicht allein Hörer, die sich selbst betrügen! (Jak 1,22)

Sage: Die Eiche am Deich

Nicht weit von Glückstadt steht unter dem Elbdeiche, wo sonst nur Weiden stehen, eine schöne große Eiche, wohl weitherum die einzige in der ganzen Marsch. Vor vielen Jahren stand hier nur ein Busch. Ein paar Tagelöhner ruhten sich einmal an einem heißen Tage dahinter aus, als sie an der anderen Seite einen Handelsmann, der sich auch da niedergelassen hatte, mit seinem Geld klimpern hörten. Der böse Geist erwachte in ihnen, und sie fielen über den armen Mann her und erschlugen ihn; sie nahmen das wenige Geld und warfen den Packen in die Elbe. Die Leiche verscharrten sie unter dem Busch. Aber als sie noch mitten im Werke waren, war eine Schar wilder Enten schreiend über sie hingeflogen. Sterbend hatte der Unglückliche ihr Geräusch gehört und, seine Hand zum Himmel erhebend, sie zu Zeugen der Tat angerufen. Doch viele Jahre blieb der Mord unentdeckt. Aber an der Stelle wuchs seit der Zeit ein blutrotes Kraut, sonst aber nirgends in der Gegend. Man nannte diese Stelle daher nur den „roten Fleck“. Und abends, wenn die Jungen die Pferde vom Außendeich holten, mussten sie immer schnell daran vor­überjagen und die Pferde mit Gewalt dazu zwingen. Denn sie wieherten und bäumten sich und scharrten mit den Hufen, wie sie immer an Stellen tun, wo unschuldiges Blut vergossen ist. Der eine Mörder hatte sich unterdes verheiratet, der andere diente noch als Knecht auf einem Hofe. Beide waren alt und grau geworden und wurden von allen als brave und tüchtige Leute geachtet. Da begab es sich nun, dass ein­mal an einem Abend jener mit seiner Frau am Deiche spazieren ging und sie unvermerkt in die Nähe des roten Flecks kamen. In demselben Augenblick kam der Knecht über den Deich, um ein Pferd zu holen, und wie er am Busch vorüberstreifte, flatterten schreiend einige Enten auf. Beide Männer fuhren vor Schreck zusammen, sahen einander starr an und gingen aneinander vorüber, ohne ein Wort zu sagen. Während der Knecht das Pferd suchte und der Mann mit seiner Frau noch eine Strecke weiterging, ließen sich die Enten wieder nieder und flogen abermals auf, als beide einander noch einmal in der Nähe des Busches begegneten. Die Frau erkannte, wie die beiden Männer bleich wurden und zitterten, und sie hörte, wie sie dann fluchten. Als sie zu Hause waren, wich der Mann allen Fragen seiner Frau aus. Aber seit dem Abend war sein ganzes Wesen verändert. Still und schwermütig ging er umher und vermied jede Gesellschaft. Die Frau klagte es endlich der Nachbarin und erzählte ihr alles, was sie gesehen hatte. Sie fragte um Rat, weil sie glaubte, ihr Mann wäre krank. Der Nachbarin aber stiegen böse Vermutungen auf; ohne ein Wort zu sagen, ging sie fort und erzählte alles ihrem Mann. Der ging sogleich zum Bauern­vogt, und als man nun auf der Stelle beim Busche nachgrub, fand man bald das Gerippe des Ermordeten. Die beiden Männer wurden festgenommen; von Gewissensbissen gepeinigt, gestanden sie die Tat, die sie vor 40 Jahren vollbracht hatten, und in Reue und Ergebung erlitten sie in Glückstadt ihre Strafe. Zum Gedächtnis pflanzte man diese Eiche. (In: Müllerhoff Karl: Sagen, Märchen und Lieder der Herzogthümer Schleswig, Holstein und Lauenburg.)

Wahrscheinlich werden Sie heute, auf Ihrer letzten Etappe, so richtig durchgepustet. Es geht überwie­gend auf dem Stördeich in Richtung Glückstadt. Bitte achten Sie besonders bei regnerischem Wetter auf geeignete Schuhe. Und sollten Sie ein Paar Regen-Gamaschen besitzen, ist dies der richtige Tag, um die­se einzusetzen. Wie gesagt: bei Regen. Sollten Sie einen der wenigen windstillen Tage mit Sonnenschein erwischen,  so steht Ihnen wohl der schönste Tag auf Ihrem Jakobsweg bevor.

Um am gestrigen Tag anzuknüpfen: In Heiligenstedten spricht noch etwas für die frühe und herausragende Lage der Kirche hier am rechten Ufer der Stör: die etwa einen Kilometer von der Kirche entfernt gelegene Esesfeldburg, die 810 auf Veranlassung Karls des Großen durch den Grafen Egbert von Stade aus als Ringwallburg angelegt worden war. Heute sind nur noch einige Gräben erhalten. Am Ortseingang von Heiligenstedten aus Richtung Itzehoe (1. Weg rechts nach der großen Brücke) finden Sie eine entsprechende Hinweistafel.

Störbrücke in Heiligenstedten

Störbrücke in Heiligenstedten

Die Brücke über die Stör, die Sie nun überqueren, gibt es an dieser Stelle schon seit 1452. Bis 1965 war es eine wunderschöne Holzbrücke, die auch im Wappen von Heiligenstedten zu sehen ist, leider musste sie einem mehr zweckdienlichen Bauwerk weichen.

Ihr Weg führt Sie nun rechts auf dem Deich oder auf der Straße daneben störabwärts. Wenn Sie sich stattdessen zunächst nach links wenden, erreichen Sie nach rund 300 m das Schloss Heiligenstedten. 1769 wurde das Herrenhaus von Nicolas Henri Jardin im Auftrag des dänischen Gesandten am Hof zu Versailles errichtet.  Damit ist das Schloss das einzige Bauwerk des großen französischen Architekten und Gartengestalters, der von 1754 bis 1769 an der Akademie der Künste in Kopenhagen lehrte und den Stil aller bedeutenden Neubauten in Dänemark bestimmte. Leider ist das Herrenhaus nicht zu besichtigen, es befindet sich im Privatbesitz. Aber ein wenig zu träumen sei gestattet, auch dem ein­fachen Pilger auf der Via Jutlandica: im Dezember 2007 stand das Schloss zum Preis von 3.500.000 Euro zum Verkauf.

Nach diesem kleinen Abstecher geht es nun weiter in Richtung Glückstadt. Der heutige Weg führt immer mehr oder weniger an der Stör entlang, einige Störschleifen werden abgeschnitten. Bei schönem Wetter ist die Entscheidung leicht: pilgern Sie, soweit erlaubt, auf dem Deich und genießen die Blicke über die Stör und in die Geest- bzw. Marschlandschaft. Bei starkem Wind oder sogar Regen ist es nicht ganz so einfach. Dann ist der Boden auf dem Deich sehr schwer, das ungeschützte Pilgern recht unangenehm. Unangenehm ist aber auch die Alternative Straße. Zwar ist der Verkehr naturgemäß nicht allzu dicht, die Enge der Straße und die unangepasste Geschwindigkeit der PKW’s und Lieferwagen lädt aber nicht zum Gehen am Stra­ßenrand ein. Bei der erneuten Begehung im April 2014 habe ich beides ausprobiert und kann Ihnen nur emp­fehlen, das kleinere Übel zu wählen. Welches das ist, überlasse ich Ihrer Wahl.

Nur einmal verlässt der Jakobsweg die Stör – dann geht es nämlich durch die Felder in Richtung Heiligen­stedter Kamp. Dabei werden einige Störschleifen abgeschnitten, die den Weg unnötig verlängern würden. Hinter Hodorf erreichen Sie wieder die K 11 und den Stördeich, schneiden bei Groß-Bahrenfleth eine wei­tere Störschleife ab, um dann in der Gemarkung Kuhdamm wieder auf den Deich zu stoßen.

Neuenkirchen

Neuenkirchen

Weiter geht es nach Neuenkirchen. Durch die Jacobstraße erreichen Sie ein paar Meter abseits des Weges die Nicolai-Kirche und dem hölzernen Glockenturm. Die hier verwendeten Backsteine wurden im Klosterformat gebrannt und könnten von dem 1260 in Ivenfleth aufgegebenen Zisterzienserinnen-Kloster stammen. Ein besonderes Kleinod ist die 1785 gebaute Orgel des Orgelbau­meisters Johann Daniel Busch. Leider sind von diesem großen Orgelbauer nur noch zwei Orgeln erhalten, eine in Kahleby und diese hier in Neuenkirchen. Sein Vater, Johann Christian Busch, hat u. a. die Orgeln in St. Laurentii in Itzehoe und St. Georg in Hamburg gebaut. Leider ist die Kirche nicht immer geöffnet, den Schlüssel können Sie aber bei Frau Magdalene Eggers, Dorfstraße 4, oder Frau Sabine Bührens, Dorfstraße 19 er­halten.

Hier geht es jetzt auf dem Stördeich in Richtung des etwa 6,5 km entfernten Ivenfleth und des Stör­sperrwerkes. Wenn Sie in Ivenfleth an der Gaststätte durch den Deich in Richtung Sportboot-Hafen ge­hen, kommen Sie an ein Hinweisschild. An dieser Stelle hat das Zisterzienserinnen-Kloster bis zum Jahr 1260 gestanden, das Sie gestern in Itzehoe als adliges Kloster kennen gelernt haben.

Störsperrwerk

Störsperrwerk

Das Störsperrwerk wurde 1975 gebaut und schützt die Flussniederungen entlang der Stör bis Itzehoe vor den Auswirkungen von Sturmfluten. Schiffbar ist die Stör übrigens ab Itzehoe, obwohl der Schiffsverkehr immer mehr an Bedeutung verliert.

Ab dem Sperrwerk ist das Laufen auf dem Deich etwas angenehmer, der Boden ist fester und wird auch durch Regenfälle nicht so stark aufgeweicht.

Schon bald erreichen Sie die Störmündung, und von nun an pilgern Sie auf dem Elbdeich. Wenn Sie sich nun einmal umdrehen, dann erkennen Sie auf der anderen Seite der Störmündung hinter der Wilster Marsch das Atomkraftwerk Brokdorf. Traurige Berühmtheit erlangte die Wilster Marsch durch die Groß­demonstrationen, die im Jahr 1976 zunächst Erfolg hatten und zu einem Baustopp führten. Ende 1980 wurde bekannt, dass das AKW weitergebaut werden sollte, und so versammelten sich am 28. Februar 1981 mehr als 80.000 Menschen, um gegen den Bau zu demonstrieren. Denen standen zum Schutz des Geländes 10.000 Polizisten gegenüber. Mehr als 200 Demonstranten wurden zum Teil schwer verletzt. Die endgültige Abschaltung des Kraftwerkes ist bis spätestens 2021 vorgesehen.

An der Elbe in Richtung Fähranleger

An der Elbe in Richtung Fähranleger

Von der Störmündung aus sind es etwa 3 km bis zum Fähranleger Glückstadt zum niedersächsischen Wischhafen. Hier endet unser Pilger- und Jakobsweg auf der Via Jutlandica zunächst einmal. Zum Zeitpunkt der Recherche (August 2014) kostet die Überfahrt mit der Elbfähre 2 Euro und Sie können mit Abfahrten alle 30 Minuten rechnen. Aktuelle Meldungen erhalten Sie stets unter www.elbfaehre.de.

Das Etappenziel, die Fähre nach Wischhafen und damit auf die andere Seite der Elbe Richtung Bremen, haben Sie nun erreicht. Doch den Abstecher nach Glückstadt sollten Sie auf jeden Fall noch machen.

Glückstadt

Allgemeines: Glückstadt ist nach Itzehoe die zweitgrösste Stadt im Landkreis Steinburg. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2012 auf 11.099.

Ansprechpartner: Ev.-Luth. Kirchenbüro, Am Kirchplatz 19a, 25348 Glückstadt, Telefon 04124-2009, E-Mail kirchenbuero add kirche-glueckstadt.de; Katholisches Pfarrbüro St. Marien, Königsberger Strasse 1, 25348 Glückstadt, Telefon 04124-89364 oder Itzehoe 04821-952591; Tourist Information Glückstadt, Große Nübelstraße 31, 25348 Glückstadt, Telefon 04124-937585, E-Mail info add glueckstadt-dm.de

Übernachtung: DJH, Am Rethövel 14-15, 25348 Glückstadt, Telefon 04124-604455, E-Mail glueckstadt add Jugendherberge.de, ÜF für 2 Personen ab 48 Euro (neue Jugendherberge ab 2008

Übernachtungstipps in Glückstadt

Geschichte: Das wachsende und prosperierende Hamburg sollte an der Unterelbe einen starken, uneinnehmbaren Gegenpol erhalten. Deshalb ließ der dänische König Christian IV. im November 1615 das zukünftige Stadtgebiet eindeichen. Mit dem Bau der Hafen- und Festungsstadt konnte begonnen werden. Auch den Namen der neuen Stadt hatte Christian IV. gleich parat: „Dat schall glücken un dat mutt glücken, un denn schall se ok Glückstadt heten!“ (Das soll glücken und das muss glücken und dann soll sie auch Glückstadt heissen!). 1617 wurde die Gründungsurkunde ausgestellt und das Wappen, die unbekleidete Fortuna, festgelegt.

Trotz aller Bemühungen gelang es nicht, der auf dem Reißbrett entworfenen Fürstenstadt die wirtschaftliche Bedeutung zu verschaffen. Glückstadt konnte die Rolle von Hamburg und Altona nicht übernehmen. Mit kostenlos zur Verfügung gestellten Grundstücken, Religionsfreiheit und Handelsprivilegien wurde um Einwohner geworben. Dennoch bestimmten Militär und Verwaltung bis 1867 die Stadt. Entscheidend dafür war die bis heute vor dem Elbhafen liegende Sandbank, welche die Schiffahrt erheblich behindert – wohingegen das tiefe Fahrwasser weiter nach Hamburg erhalten geblieben ist.

Wenn Sie nicht gleich in den Zug springen und nach Hause oder zu Ihrem Auto zurück wollen, dann nehmen Sie sich doch die Zeit für einen ausgiebigen Stadtrundgang. Einen detaillierten historischen Rundgang können Sie auf den Internet-Seiten der Touristen Information unter www.glueckstadt-tourist-info.de finden. Hier nur die besonderen Sehenswürdigkeiten:

Den annähernd sechseckigen Grundriss der Stadt, in Norddeutschland einmalig, erleben Sie am Besten vom Marktplatz aus. Wenn Sie in der Mitte stehen sind die 7 Radialstrassen, die 3 Pseudoradialstrassen und 2 Tangentialstrassen gut zu erkennen.

Die Fassade des Rathauses ist eine Nachbildung der ursprünglichen Fassade. 1872 musste das im Stil der niederländischen Spätrenaissance 1642/43 errichtete Rathaus wegen Baufälligkeit abgerissen werden.  Das Schicksal der Baufälligkeit traf auch das Glückstädter Schloss im Bereich des heutigen Hafens, welches schon im 18. Jh. abgerissen werden musste. Die Festungsanlagen wurden im 19. Jh. geschliffen – nicht wegen Baufälligkeit, sondern weil sie ihre Bedeutung verloren hatten.

Die Stadtkirche -auch am Marktplatz- wurde 1623 geweiht und ist die erste nach der Reformation erbaute Kirche in Schleswig-Holstein. So ganz wusste man sich noch nicht von den katholischen Kirchen abzugrenzen, und es entstand ein katholischer Grundriss mit Lettner (Abtrennung Altarraum von der Gemeinde). Die Kanzel, dort, wo das Wort Gottes verkündigt wird, unterstreicht aber durch Lage und Ausstattung den protestantischen Charakter. Auch der schöne Altar und das Taufbecken stammen aus der Erbauungszeit. Auf dem aussergewöhnlichen Turm thront nicht ein Kreuz oder ein Hahn, sondern vielmehr die heidnische Göttin Fortuna, als Symbol für Glückstadt. An der nördlichen Turmseite hängt ein Anker, der wohl 1630 von einem hamburgischen Schiff erbeutet wurde.

In der Altstadt stehen noch viele schöne, alte Häuser, Villen und Palais. In der Königstrasse 36 finden Sie das Wasmer-Palais im Barockstil, mit der Baluster-Brüstung und den Stuckprofilen an Wänden und Decken das bedeutendste weltliche Bauwerk in der Stadt. Das Brockdorff-Palais, Am Fleth 43, wurde 1631/32 errichtet. Bemerkenswert ist die Rückfront aus gelben Ziegeln mit horizontalen Bändern aus roten Steinen. Am Binnenhafen steht die gesamte, besonders schöne Häuserzeile unter Denkmalschutz, freistehende Gebäude sind dort das Brückenhaus und der Salzspeicher.

Überarbeitet und aktualisiert am 21. August 2014

Via Jutlandica: 8. Etappe Jahrsdorf – Heiligenstedten = ca. 26 km


8. Tag Jahrsdorf – Peissen (9 km) – Hohenlockstedt (8,5 km) – Itzehoe (6,5 km) – Heiligensteidten (2 km) = ca. 26 kmSchwierigkeit leichtZeitbedarf 6 Stunden ohne Besichtigungen und PausenBesichtigungen: Hohenlockstedt, Itzehoe, Heiligenstedten

 

Impuls: Als vor 2000 Jahren jemand wissen wollte, was es denn bringe, sich auf diesen Jesus von Nazareth einzulassen und was das für einer sei, antwortete der Gefragte: „Komm und sieh!“

Östlich vom Lockstedter Lager liegt eine Niederung, welche die Form einer großen Fußspur hat und von den Leuten Riesenspur genannt wird. Eine zweite Spur findet sich bei Neumühlen, nördlich von Müh­lenbarbek. Diese Spuren hat ein Riese hinterlassen, als er nach Itzehoe unterwegs war. Dabei hat er auch kurz vor der Stadt den ganzen Bullenberg mit einem einzigen Fußtritt zusammen geschoben.

Leider, oder soll ich lieber sagen: Gott sei Dank, sind die Riesen in unserem Land ausgestorben und auch die ‚Siebenmeilenstiefel’ gehören in das Land der Märchen und Sagen: Deshalb haben Sie heute eine tüch­tige Tagesetappe vor sich. Der günstigste Bus von Hohenwestedt nach Jahrsdorf fährt nun auch schon um 06:49 Uhr, danach um 08:03 Uhr (Fahrplan 2014 – Angaben müssen über­prüft werden). Vielleicht schaffen Sie es ja sogar zu einem Abstecher nach Hohenlockstedt.

Aber zunächst geht es aus Jahrsdorf heraus und auf ausgebauten Wirtschafts- und Feldwegen, immer fast parallel zur Bundesstraße 77, in Richtung Peissen. Das Bauerndorf wurde 1380 erstmals urkundlich erwähnt und im Jahr 1482 an das Kloster Itzehoe verkauft.

Weiter geht es von Peissen in Richtung Hohenlockstedt, wobei sowohl die Flurnamen als auch die Be­zeichnungen der kleinen Brücken über die Rantzau, ein Bach, der uns bis Hohenlockstedt begleitet, an die lange militärische Nutzung des Gebietes durch die Finnischen Jäger, des Königlich Preußischen Jä­gerbataillons 27, erinnert: in den Waldstücken liegen die Moltke- und die Bismarck-Höhe, über den Bach führen Roon-, Moltke-, Loigny- und Orleans-Brücke sowie, nach zwei Brücken mit ‚zivilen’ Namen, dann auch noch die Pionierbrücke. Der ‚Hungrige Wolf’ schließlich ist der Name des ehemaligen Militärflug­platzes und Standortes des Heeresfliegerregiments 6, das 2004 außer Dienst gestellt wurde.

Wenn Sie den Mühlenteich mit dem Freibad vor Hohenlockstedt passiert haben, können Sie halblinks dem Lohmühlenweg nach Hohenlockstedt folgen. Unser Jakobsweg biegt aber zweimal rechts ab und führt dann fast schnurgerade an Schlotfeld und am Itzehoer Forst vorbei nach Itzehoe.  Zur Innenstadt folgen Sie dem Jakobsweg noch bis zur Tonkuhle (See) und von dort aus der Straße hinunter bis ins Zentrum.

Itzehoe

Allgemeines: Itzehoe ist Kreisstadt des Landkreises Steinburg und hatte am 31.12.2012 eine Einwohnerzahl von 30.956.

Ansprechpartner: Evangelisches Pfarrbüro St. Laurentii, Kirchenstraße 10, 25524 Itzehoe, Telefon 04821-4050999, E-Mail innenstadt-sued(at)kirche-itzehoe(punkt)de; Katholisches Pfarramt St. Ansgar, Hindenburg­stra­ße 26, 25524 Itzehoe, Telefon 04821-952580, E-Mail pfarrbuero (add) kath-itzehoe.de; Stadtmanagement Itzehoe, Breite Str. 4, 25524 Itzehoe, Telefon 04821-949012-0, E-Mail stadtmanagement (add) itzehoe.de

Übernachtungstipps in Itzehoe und Umgebung

St. Laurentii in Itzehoe

St. Laurentii in Itzehoe

So um das Jahr 1000 n. Chr. gab es an der Stelle Itzehoes bereits ein Sachsendorf, und auf der gegenüber liegenden Seite, auf einer Halbinsel der Stör, erhob sich eine Wallburg. Diese widerstand im Jahr 1032 einem Angriff der Slawen. Die erste Erwähnung von Itzehoe als „Ekeho“ erfolgte im 12. Jh. Das Stadtrecht wurde 1238 ver­liehen, und mit dem Stapelrecht von 1260 konnte sich Itzehoe zu einer wichtigen Kaufmannsstadt entwickeln. Stapelrecht bedeutet, dass die Stadt von durchziehenden Kaufleuten verlangen konnte, ihre Waren für einige Zeit abzuladen und in der Stadt anzubieten. Mit diesem Recht war der Grundstein für die wirtschaftliche Entwicklung Itzehoes bis in die Neuzeit gelegt.

Leider wurde es in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts versäumt, rechtzeitig für eine Re-Naturie­rung der Stör-Schleife zu sorgen. So blieb 1974 nichts weiter übrig, als die das Stadtbild bestim­men­de Schleife, mittlerweile eine übel riechende Kloake, mit Sand zuzuschütten.

Ganz in der Nähe der Altstadt entstand die Laurentii-Kirche, erstmals erwähnt 1196, und 1256 wurde das Kloster errichtet. Dieses hatte von Anfang an eine eigene Gerichtsbarkeit.

Im 1. Nordischen Krieg (1655 – 1660) wurde Itzehoe von den Schweden fast vollständig zerstört. Der Kreuzgang der Laurentii-Kirche ist heute das einzige in ganzen Stadt erhaltene Bauwerk aus dem Mittel­alter.

Prinzessenhof in Itzehoe

Prinzessenhof in Itzehoe

Bis in das 19. Jh. hinein sind in Itzehoe vier klar abgegrenzte Bezirke zu erkennen: der Bezirk des Lan­des­herrn rund um die mittelalterliche Burg, der städtische Bezirk der gegenüberliegenden Kaufmanns­siedlung, der Bezirk des Klosters (heutiges adliges Damenstift) und der Bezirk der Adelsherren von Brei­tenburg.

Als im Jahre 1263 das Zisterzienserinnen-Kloster von Ivenfleth nach Itzehoe verlegt wurde, existierte die St. Laurentii-Kirche schon. 1196 ist erstmalig ein Priester erwähnt. 1286 übernimmt das Kloster das Pa­tronat für die Kirche. Leider wird die gotische Kirche 1657 fast vollständig zerstört, bis zur Neuweihe 1681 aber wiederhergestellt. Die heutige, dreischiffige Kirche im Barockstil mit dem Holztonnengewölbe stammt aus den Jahren 1716 bis 1718.

Schon in Schleswig ist Ihnen mit dem Johannis-Kloster eines der vier Damenstifte in Schleswig-Holstein begegnet, die während der Reformation nicht aufgelöst wurden und noch heute der Versorgung der ad­ligen Bewohner (Konventualinnen – d.h. stimmberechtigte Bewohnerinnen des Klosters) dienen. Eines dieser Klöster wurde um 1230 als Zisterzienser-Nonnenkonvent in Ivenfleth an der Störmündung gegrün­det, zur Versorgung der adligen, unverheirateten Töchter und Witwen. Der Ort war aber nicht sonderlich günstig gewählt, hatten die Nonnen doch immer wieder mit Hochwasser und Überschwemmungen zu kämpfen. Deshalb gestattete 1263 der Erzbischof von Bremen die Verlegung des Klosters nach Itzehoe. Dort besaß das Konvent schon seit 1256 das Patronat der St. Laurentii-Kirche. Nach der Reformation wurde aus dem Nonnen-Kloster ein Damenstift, dem noch heute der Kreuzgangflügel und die von dort zugängliche Westempore der Kirche gehört.

Einer der größten Grabhügel der Bronzezeit in Schleswig-Holstein ist das sog. Germanengrab am Galgen­berg, ein wenig außerhalb der Innenstadt gelegen. Genutzt wurde dieses Grab wohl über 200 Jahre lang von einer wohlhabenden Kaufmannsfamilie, von etwa 1500 bis 1300 v. Chr. Eine blaue Glasperle ist der älteste Glasfund im Norden Deutschlands. Galgenberge gab es in Itzehoe insgesamt vier – dieser Grab­hügel diente dem Zisterzienserinnenkloster als Hinrichtungsstätte.

Besichtigen sollten Sie auf Ihrem Weg durch Itzehoe auch noch das Rathaus, dessen ältester Teil aus dem Jahr 1695 stammt, den Prinzesshof aus dem 16. Jh. (heute der älteste erhaltene Profanbau Itzehoes und als Kreismuseum genutzt) und die St.-Jürgen-Kapelle mit interessanten Deckengemälden aus dem Barock.

Ein paar Sätze noch zum Prinzesshof, einem im Jahr 1556 erbauten und vom Kloster Itzehoe verlehnten Adelssitz. Hier lebten einige Steinburger Amtmänner, aber auch 1807 und 1808 der hessische Kurfürst Wilhelm I. Von seinem Vater Friedrich hatte er ein gut gefülltes Staatssäckel geerbt und war damit be­sonders im Norden auf ‚Einkaufstour’ gegangen. Friedrich II. hatte nämlich seine Soldaten an England für den Krieg in Amerika vermietet. Der Handel mit der englischen Königin sah Zahlungen für jeden einge­schifften Soldaten vor sowie eine zweite Zahlung für jeden gefallenen Soldaten. In einem Brief soll sich Friedrich II. über die ausbleibenden Zahlungen beschwert haben: „Was ist das denn für ein Krieg, in dem die Soldaten nicht fallen?“ Trotzdem hatte Schiller in ‚Kabale und Liebe’ nicht unbedingt Recht, denn von rund 19000 Hessen, die an England vermietet wurden, sind lediglich 535 in der Schlacht gefallen (3000 sind Krankheiten zum Opfer gefallen, weitere 4000 nach der Dienstzeit in Amerika geblieben).

Nach Heiligenstedten auf dem Ochsenweg

Nach Heiligenstedten auf dem Ochsenweg

Auf Ihrem weiteren Weg nach Heiligenstedten  geht es zunächst in Itzehoe wieder hinauf, damit Sie den Anschluss an die Jakobsweg-Etappe wieder fin­den. Von der Stadt aus gesehen, geht es hinter der Tonkuhle nach links in Richtung Westen und über die Untere Dorfstraße und den Kirchweg zur Straßenüberführung. Sie queren hier die B 204/A 23, wenden sich nach links und sind dann schnell im Heiligenstedter Holz. Nachdem dieses durchquert ist, erreichen Sie auf gut markierten Wegen Heiligenstedten. Der Jakobsweg führt Sie zunächst zur Hauptstraße und zur wohl ältesten Kirchengründung Schleswig-Holsteins.

Marienkirche in Heiligenstedten, Mariendarstellung aus der Spätgotik

Marienkirche in Heiligenstedten, Mariendarstellung aus der Spätgotik

Zwar stammt die heutige Kirche aus dem Ende des 13. Jh. und wurde 1580 stark verändert, aber als der heilige Ansgar (siehe Haithabu) im Jahr 831 das Hamburger Bischofsamt übernahm, fand er schon vier Taufkirchen in seinem Bistum vor. Neben Hamburg, Meldorf und Schenefeld war dies auch Heiligenstedten. Schon vorher ließ Ansgar Reliquien des heiligen Maternianus in Heiligenstedten niederlegen. Dem heiligen Maternianus werden Sie vielleicht auf Ihrem Camino noch einmal in Reims begegnen – er war dort Bischof und wird noch heute verehrt.  Vielleicht haben diese Reliquien ja auch zur Namensgebung des Ortes beigetragen? Die Ausstattung der Kirche ist ein Verweilen wert: zwei Marienbilder aus der Früh- und Spätgotik, der Altar aus dem Jahr 1580, die Triumphgruppe von 1598, die Bronzetaufe (1638) und die Kanzel aus dem Jahr 1648.

Sollten Sie die Kirche verschlossen vorfinden, erhalten Sie den Schlüssel zu den Öffnungszeiten im Gemeindebüro nebenan.

Im übrigen spricht noch etwas für die frühe und herausragende Lage der Kirche hier am rechten Ufer der Stör: die etwa einen Kilometer von der Kirche entfernt gelegene Esesfeldburg, die 810 auf Veranlassung Karls des Großen durch den Grafen Egbert von Stade aus als Ringwallburg angelegt worden war. Heute sind nur noch einige Gräben erhalten. Am Ortseingang von Heiligenstedten aus Richtung Itzehoe (1. Weg rechts nach der großen Brücke) finden Sie eine entsprechende Hinweistafel.

 Aktualisiert und überarbeitet am 19. August 2014

Hier das erste Update zum Mosel-Camino:

 

Trierischer Volksfreund vom 12.12.2007

Der "Wander-Apostel" ist wieder sesshaft

Von unserem Redakteur Roland Morgen

Die Odyssee des "Wander-Apostels" ist zu Ende. Nach jahrelanger Restaurierung und Innengestaltung der Basilika St. Matthias wurde der Schrein mit den Matthias-Gebeinen in die dortige Krypta überführt. Dort lagern die Reliquien nun in dem antiken Steinsarkophag, in dem sie 1127 gefunden wurden.

Trier-Süd. Bewegter Apostel – bewegender Augenblick: Zu dem sehr seltenen Ereignis hatten sich mehr als 400 Gläubige eingefunden. Der erste Teil der sogenannten Translatio fand allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Vor den Augen von 18 Mitgliedern des Domkapitels und der Mönche von St. Matthias wurden in der Abtei die Reliquien und Urkunden in einen Holzschrein gelegt.

Mattheiser Altarweihe Ende Februar ohne Bischof Marx

Die anschließende feierliche Prozession führte durch die Basilika in die neu gestaltete Krypta unter dem Altarraum.

Dort fanden die Gebeine ihren endgültigen Platz in dem steinernen Sarkophag, in dem sie 1127 beim Beginn des Baus der heutigen Matthias-Basilika (wieder-) entdeckt worden waren. Der Sarkophag mit dem eingebetteten Holzschrein wurde am Montagabend mit einem Steindeckel verschlossen und mit Messingbändern eingefasst.

Der Termin der Translatio war mit Bedacht auf den 10. Dezember, den Eucharius-Tag, gelegt worden. Eucharius war im ausgehenden 3. Jahrhundert der erste Bischof von Trier und ist, wie sein Nachfolger Valerius, in der Krypta der Matthias-Basilika beigesetzt.

Weil der Gläubigen-Andrang so groß war und die Krypta nur rund 200 Plätze bietet, zelebrierte Bischof Reinhard Marx das Pontifikalamt "eine Etage höher". In seiner Predigt bezeichnete der Trierer Oberhirte die Matthias-Basilika als ein "großartiges Schatzhaus der trierischen Kirche" und Anziehungspunkt von internationaler Ausstrahlungskraft. Hier fänden Gläubige die Nähe zu jemandem, der "von Anfang an mit Jesus zusammen war".

In Anspielung auf die mehrjährigen Restaurierungs-Arbeiten rief Abt Ignatius Maaß die Gläubigen auf: "Erzählen sie weiter, dass ‚Mattheis‘ nun wieder stau- und barrierefrei begehbar ist."

Allein in den vergangenen vier Jahren wurden mit Fördergeldern, Eigenmitteln und Spenden rund 2,2 Millionen Euro in dem Gotteshaus verbaut. Weitere dringend erforderliche Arbeiten müssen aber mangels Geld auf die lange Bank geschoben werden.

Die Basilika mit dem Apostel-Grab zieht seit 850 Jahren Pilger an. Vor allem im Rheinland wird die Matthias-Verehrung in traditionsreichen Bruderschaften gepflegt. Zu den Pilgern, die alljährlich lange Fußmärsche durch die Eifel nach Trier zurücklegen, gehört Arnold Kreutz aus Heinsberg an der niederländischen Grenze. Der 59-jährige Polizeibeamte, Mitglied der Matthias-Bruderschaft Kleinenbroich, war "selbstverständlich" und gemeinsam mit seiner Frau Hedwig (51) auch am Montag per Auto nach Trier gekommen, um die Matthias-Translatio zu erleben. Nächstes Jahr kommt Kreutz wieder und geht "selbstverständlich die 250- Kilometer-Tour per pedes."

Für Bischof Reinhard Marx war es vorgestern vermutlich der letzte Auftritt in St. Matthias. Er sollte ursprünglich die Weihe des neuen Altars am 24. Februar vornehmen. Doch da macht nun seine Berufung zum Erzbischof von München-Freising einen Strich durch die Rechnung. Marx verabschiedet sich am 26. Januar vom ältesten Bistum Deutschlands. Matthias in Trier Ob Legende oder nicht: Die Wiederauffindung der Gebeine des Apostels Matthias beim Beginn des Baus der Trier-Süder Basilika (1127) löste eine bis heute ungebrochene Wallfahrts-Tradition zum einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen aus. Laut mittelalterlicher Überlieferung hatte Kaiser Konstantins Mutter Helena die Matthias-Reliquien im 4. Jahrhundert aus dem Heiligen Land nach Trier mitgebracht. In den vergangenen Jahrzehnten musste Matthias wegen Bauarbeiten mehrfach innerhalb der Kirche "umziehen"; daher der Spitzname "Wander-Apostel". Die neu gestaltete und barrierefrei zugängliche Krypta bietet den Särgen von Matthias und der Trierer Ur-Bischöfe Eucharius und Valerius ein würdiges Umfeld.

Loswerden wollte er mich, klar, …

 

… das war’s. Ich war ihm lästig, er wusste nichts mit mir anzufangen. Jetzt habe ich es verstanden!

Aber mal vorne, und als Märchen erzählt, denn für eine wahre Geschichte ist es viel zu traurig.

Es war einmal ein Mann, nennen wir ihn doch einfach Karl-Josef, so um die 50. Nachdem er viele Jahre durch die Welt gereist war, immer auf der Suche nach "Gelegenheiten" wie es so schön heisst, kam er doch endlich wieder nach Hause.

Nur war dieses "zu Hause" nicht mehr das Heim, das er verlassen hatte. Ja, klar, unser Karl-Josef hatte eine liebe Frau, wohlgeratene Kinder und auch zwei Enkelkinderchen – aber irgendetwas fehlte ihm zu seinem Glück. Vieles war anders, vieles war verändert – und irgendetwas fehlte ihm. So richtig identifizieren und definieren konnte er es nicht.

Und so kam es, dass sich unser Held gleich auf die Suche nach dem machte, was ihm fehlte. Er schrieb an die verschiedenen Freimaurerlogen der Umgebung eine E-Mail, ging auch zu einem Gäste-Logenabend, und merkte, dass es das nicht war. Karl-Josef suchte auch an vielen anderen Stellen, ohne so richtig zu wissen, was er überhaupt suchte.

Und dann fand er, dass er in der Umgebung genug gesucht hatte und beschloss, auf dem Jakobsweg weiter zu suchen. Gesagt, nicht lange geplant und schon getan. Karl-Josef machte sich auf die 2.500 km lange Strecke nach Santiago de Compostela.

Ein Pilgersegen musste her, so ohne Gottes Segen auf eine solch‘  lange Strecke, das  würde nicht gutgehen. Und der Pilgersegen war dann ein Kontakt zur Pfarrgemeinde und zu den Seelsorgern dort, von denen unser Karl-Josef vorher man gerade die Namen aus der Zeitung kannte.

Und da Karl-Josef eine gut katholische, aktive Vergangenheit hatte, bot er bei dieser Gelegenheit an, wann immer "Not am Mann" ist, auch einmal mit anzupacken. "Wir kommen darauf zurück," sagte man ihm im Pfarrbüro. Und er antwortete: "Aber auch wirklich anfragen – ich biete meine Unterstützung nicht an wie warme Semmeln." "Nein," schrieb man ihm sogar in einer E-Mail, "wir kommen ganz bestimmt darauf zurück!"

Das war dann noch nicht einmal 11 Monate her, da war tatsächlich jemand auf dem Anrufbeantworter: "Wir machen gerade den neuen Pfarrbrief, können Sie etwas von Ihren Erlebnissen auf dem Jakobsweg schreiben?" Klar, natürlich konnte Karl-Josef und rief auch gleich zurück. Kein Erfolg, es ging niemand ans Telefon. Naja, dachte er sich, dann eben nicht für diesen Pfarrbrief, dann eben für den nächsten.

Und er setzt sich nach ein paar Wochen hin und schrieb einen kurzen Erfahrungsbericht von den ersten Etappen seines Jakobsweges. Und während er so schrieb, kam ihm die Idee, dass er ja die Gemeinde auch einladen könne, ein Stück gemeinsam auf dem Jakobsweg zu pilgern. Und schrieb das gleich mit in den Bericht hinein. Dann schickte er den Bericht per E-Mail an den Verantwortlichen – und wartete auf Antwort.

Und die liess auf sich warten, so lange auf sich warten, dass Karl-Josef beschloss, einmal nachzufragen.

"Unser Pfarrbrief ist immer sehr voll," sagte man ihm auf Nachfrage, "da weiss ich nicht, ob wir Ihren Bericht bringen können." "Halt mal, hatten die nicht bei mir angefragt," dachte sich Karl-Josef, "und jetzt passt es denen nicht?" Naja, egal, und was denn mit der Idee des Pilgerns im Frühjahr wäre, setzt Karl-Josef nach. "Ja, das ist eine tolle Idee, ich rufe Sie an, wenn sich jemand meldet!" Auch mit dieser Antwort wusste Karl-Josef nicht allzuviel anzufangen, und da der pfarrbriefverantwortliche Seelsorger sich einem seiner Schüler zuwandte und das Gespräch offensichtlich als beendet ansah, drehte er sich um und ging kopfschüttelnd nach Hause.

Jedes gute Märchen braucht eine Moral, einen Punkt, aus dem man Lernen kann. Was können wir aus diesem Märchen lernen?

Es ist verdammt schwer, Ehrenamtliche für die Gemeindearbeit zu gewinnen – es ist aber sehr leicht, angebotene, helfende Hände zu übersehen. Vielleicht könnte das Bodenpersonal des lieben Gottes ein paar Marketingtipps gebrauchen. Eine gute Adresse hätte ich dafür 🙂

Der Rhein-Camino – machen Sie mit?

 

Der Pilgerwanderführer für den deutschen Teil der Via Jutlandica bis zur Elbe nimmt Gestalt an – und ich beschäftige mich schon mit dem nächsten Projekt: dem Rhein-Camino. Den wieder mit Wolfgang Welter (was zeigt, dass mir die Zusammenarbeit riesigen Spaß gemacht hat)!

"Jede Matthias-Bruderschaft westlich von Neuss hatte und hat ihren eigenen Weg nach Trier zum Apostelgrab" las ich gerade vor ein paar Tagen auf einer Internet-Seite. Aber diese Wege führten alle durch die Eifel in Richtung Trier. Und so sind heute auch die Wege der Jakobspilger als Jakobswege durch die Eifel markiert worden.

Nun nutzten aber schon die Römer und vor ihnen die Kelten die Rhein-Achse als Nord-Süd-Verbindung. Wie ein mit dem Lineal gezogene Linie führte die Römerstrasse von Xanten nach Mainz. Die heutige B9 zeigt den Verlauf der historisch nachgewiesenen Römerstrasse sehr schön.

Und da wir wissen, dass aus den Keltenstrassen die Römerstrassen wurden und dann die Römerstrassen von den Händlern bis ins späte Mittelalter genutzt wurden, in diesem Fall mit der B9 und den Autobahnen auf der Römertrasse sogar bis heute, können wir auch davon ausgehen, dass die historischen Pilger nach Rom, nach Jerusalem und besonders nach Santiago de Compostela diese Strassen benutzt haben.

Beschreibungen, Wanderführer, für den Rheinsteig und den Rheinhöhenweg gibt es zur Genüge. Was unter dem Arbeitstitel "Rhein-Camino" entstehen soll, ist ein praktischer und spiritueller Pilgerwanderführer für einen Jakobsweg von Xanten, Neuss oder Köln nach Mainz, Speyer oder Worms. Ein Pilgerwanderführer, der auch schon einmal nach links oder rechts ausweicht, wenn denn ein Kloster, eine Kirche, ein historisches Hospital in der Nähe liegt.

Sie sind am Rhein zu Hause? Schicken Sie Wolfgang und mir doch per E-Mail (rhein-camino@xschaefer.de) Vorschläge für den Streckenverlauf und für erwähnenswerte Sehenswürdigkeiten zwischen Köln und Speyer. Der Pilgerwanderführer wird vermutlich im Sommer 2008, rechtzeitig zur Pilgersaison im Herbst, erscheinen.

Ultreia, Ihr Karl-Josef Schäfer

Herzlich Willkommen!

 

Hallo, schönen guten Tag, ich freue mich über Ihren Besuch!

Bitte erlauben Sie mir ein paar erklärende Sätze zu diesem Blog:

Ursprünglich als Pilgertagebuch für Freunde und Bekannte gedacht, haben sich diese Webseiten völlig anders weiterentwickelt. Und machten damit eine Unterteilung in Kategorien notwendig. Diese Kategorien finden Sie in der rechten Spalte.

Wenn Sie sich also für den Pilgerwanderführer Lahn-Camino und die entsprechenden Updates dazu interessieren, wählen Sie bitte die Kategorien Pilgerführer Lahn-Camino und Pilgerwanderführer Lahn-Camino Updates.

Gleiches gilt für den Pilgerwanderführer Mosel-Camino und die entsprechenden Updates finden Sie in den jeweiligen Kategorien.

Wenn Sie sich für die jüngst entstandenen Pilgerwanderführer von Flensburg nach Glückstadt und von Neuss nach Koblenz-Stolzenfels interessieren, finden Sie in der Kategorie Pilgerwanderführer Via Jutlandica und Pilgerwanderführer Rhein-Camino die richtigen Informationen.

Sollten Sie schliesslich an unserem Pilgertagebuch interessiert sein, dann rufen Sie für alle Einträge die Kategorie 100 Tage Jakobsweg auf.

Und bitte denken Sie daran: ein Blog, ein Internettagebuch, zeigt immer zuerst die neuesten (jüngsten) Beiträge. Wenn Sie chronologisch lesen wollen, dann sollten Sie hinten anfangen.

Ultreia und Buen Camino, Ihr Karl-Josef Schäfer

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