Das reichliche und gute böhmische Essen, dazu noch ein oder zwei Glas Bier: Der liebe Gott muss aus dem Böhmerwald stammen. Doch die Kalorien finden wir leider viel zu schnell an den Hüften wieder und sollten deshalb nicht vergessen, den einen oder anderen Kilometer auch mal zu Fuss zurückzulegen.

Eine etwas schwierigere Tageswanderung, eher für den trainierten Wanderer geeignet, führt uns von Český Krumlov über Kleť, Holubov, Křemže und Kluk nach Vrábče. Von dort geht es mit dem Zug wieder zurück nach Český Krumlov. Unterwegs belohnen uns der älteste tschechische Aussichtsturm mit einem wundervollen Blick über die Gegend von Český Krumlov, die Burgruine Dívčí kámen und die wohl größte keltische Ansiedlung in Böhmen und ein Blick in das Budweiser Becken.

Am Bahnhof von Krumau beginnen wir unsere Tageswanderung und folgen der grünen Markierung nordwärts. Auf einem steil ansteigenden Weg geht es auf den höchsten Gipfel des Blanský-Waldes, den Kleť oder, wie es auf Deutsch heisst, den Schöninger.

Hier oben auf 1083 Meter steht der Josefsturm, der älteste Aussichtsturm in Tschechien. 1825 wurde der Turm für den beginnenden Tourismus im neugotischen Stil erbaut. Von hier aus haben Sie einen wundervollen Blick auf die ganze Gegend rund um Český Krumlov. Auch das Boubin- und das Dreimarkeckbergland im nahen Böhmerwald können Sie überblicken. Bei besonders gutem Wetter und klarer Sicht können Sie bis in die Alpen zum Dachsteingebirge schauen. Das Restaurant im Aussichtstrum lädt zu einer ersten ausgiebigen Rast.

Südlich unter dem Gipfel des Kleť, zu dem auch eine Sesselbahn hinaufführt, befindet sich ein Observatorium, eine Sternwarte. Im Juli und August gibt es täglich ausser an Montagen sechs Führungen. Von April bis Juni kann die Sternwarte an Samstagen und Sonntagen jeweils um 10:30, 11:30, 12:30, 13:30, 14:30 und 15:30 Uhr besichtigt werden. Die restliche Zeit des Jahres ist das Observatorium geschlossen. Erwachsene zahlen 50,- Kronen, Kinder und Studenten 30,- Kronen Eintritt.

Schon 1956 wurde ein Teil des Waldbestandes mit Felsenformationen und seltenen Kräuterarten zum staatlichen Naturschutzgebiet erklärt. Die markierten Wanderwege führen am Rand der Reservation vorbei, dennoch wird das Naturschutzgebiet immer stärker belastet. Bleiben Sie deshalb auf den markierten Wegen, gehen Sie nicht querfeldein. Die Flora und Fauna werden es Ihnen danken.

Unterhalb des Gipfels können Sie Ihren Weg in unterschiedliche Richtungen fortsetzen. Wir schlagen Ihnen vor, weiter der grünen Markierung zu folgen und zur Ortschaft Krasetin abzusteigen. Wenn Sie dazu die Sesselbahn nutzen wollen, sollten Sie sich vorher vergewissern, ob die Bahn auch in Betrieb ist (Telefonnummer +420-380 715 308 oder Internetadresse http://www.tschechische-gebirge.de/seilbahn/klet.html).

Von Krasetin geht es weiter Holubov. Der heutige Ort mit knapp 1000 Einwohnern hieß früher Adolfstal oder Hollubau. Schon 1379 wurde Holubox im sogenannten Rosenbergerbuch erwähnt. Er gehörte zum Gut Maidstein und damit zur Herrschaft Krumau. Den Rosenbergern folgten die Schwarzenberger. Erst 1850 wurde Holubov zu einer selbständigen Gemeinde.

Rund um Holubov erheben sich Berge des Böhmerwaldes. Der Ort selber liegt auf 512 Meter über dem Meer, im Norden erhebt sich der Háj mit 532 Meter, im Süden liegt der Jiříčkův vrch (757 m) und östlich die Burg Dívčí Kámen.

Die höchste Ehebung ist mit 1083 Meter über dem Meer der Klet´, auf dem wir schon die Aussicht genossen haben. Über den Klet´gibt es eine schöne Legende:

Hier oben, auf dem Gipfel des höchsten Berges im Gebiet Blanský les, stand eine feste Burg, in welcher der gerechte Herr Hrozen herrschte. Er hatte eine einzige, brave und wunderschöne Tochter, Krasava mit Namen. Alle Junggesellen der näheren und weiteren Umgebung begehren Krasava sehr. Einer ihrer Verehrer war ein gutaussehender, junger Mann mit einem feurigen Blick und brauner Haut. Von ihm wurde erzählt, er wäre der Teufel persönlich. Als er erfuhr, dass er verraten wurde, hat das Höllenkind Rache für Krasavas Ablehnung geschworen. Eines Tages, als alle Burgbewohner zur Jagd ausgeritten waren, entfesselte der Teufel einen schrecklichen Sturm. Von allen Seiten flogen Steine auf die Burg. Ein frommer Mönch jedoch, der gerade vorbeiging, hob ein Kreuz auf und trieb den Teufel zurück in die Tiefen der Hölle. Noch heute zeugen die auf dem Gipfel des Berges Kleť herumliegende Steine von der mächtigen Burg.

In Holubov verlassen Sie bitte die grünen Markierungen und folgen der gelben Markioerung für einen rund sechs bis sieben Kilometer langen Abstecher zur Burgruine Dívčí Kámen und zum keltischen Oppidum Třísov. Auch wenn es ein anstrengender Abstecher ist, der Besuch der riesigen Burgruinen und ein Spaziergang über das Gelände des archäologischen Parks lohnt sich bestimmt. Jedoch können Sie auch einen weiteren Ausflug machen und dann jeweils über die Bahnstationen Holubov oder Trisov anreisen.

Fortsetzung folgt …