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Monat: April 2013

Dörfliches Leben (nur) für Touristen: Holašovice, das frühere Hollschowitz

Nicht ganz 15 Kilometer von České Budějovice (Budweis) findet sich das UNESCO-Weltkulturerbedorf Holašovice, früher Hollschowitz. Rund um den außergewöhnlich großen Dorfplatz stehen 17 Häuser und Gehöfte. Das Besondere: Sie sind im böhmischen Bauernbarock im 18. bis 20. Jahrhundert errichtet. Erst nach 1990 wurde das weitgehend entvölkerte Dorf mit den wunderschönen, aber verfallenen Häusern, wiederbelebt. Nach der Vertreibung der Deutschen nach dem 2. Weltkrieg gelang es den tschechoislowakischen Behörden nicht, das Dorf wieder neu zu besiedeln. Erst der Film Prodaná nevěsta (Die verkaufte Braut) brachte dem Dorf 1972 ein wenig Beachtung.

Heute erscheint Holašovice wie ein böhmisches Disneyland. Die Häuser wurden mit viel Geld aus den EU-Haushalten für die Touristen restauriert. Eine besondere Atmosphäre, ein Gefühl für das Dorf kommt jedoch nicht auf. Das gute und preiswerte Essen in der Dorfgaststätte kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass Holašovice den Touristen und nicht den Einheimischen gehört. Verstärkt wird dieser Eindruck noch durch große Schilder zu einem tschechischen „Stonehenge“, einem 2008 geschaffenen Steinkreis aus großen Findlingen. Das Zentrum bildet ein mächtiger Menhir, der vor dem Gemeindeamt von Jankov im Jahr 2003 ausgegrabene wurde udn dort keinen Platz fand.

Dabei liegt Holašovice wunderschön, etwas oberhalb des Budweiser Beckens. Es ist wahrscheinlich eine Gründung aus der Kolonisationszeit in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Holašovice wurde am 3. Juli 1292 in einer Urkunde König Wenzels II. erwähnt. Darin gab das Zisterzienserkloster Hohenfurth (Vyšší Brod) das Dorf an den ursprünglichen Besitzer zurück und erhielt dafür andere Herrschaften. 1510 waren in einem Einwohnerverzeichnis noch die meisten Untertanen mit tschechischem Namen aufgeführt, aber die Pestepidemie löschte 1520 bis 1525 das Dorf fast vollständig aus. Die Pestsäule am Dorfrand erinnert daran.

Das Klosten Hohenfurth besiedelte das Dorf mit Siedlern aus Bayern und Österreich. Damit wurde es Teil der Stritschitzer Sprachinsel. 1530 gab es schon wieder 17 Siederfamilien in Hollschowitz. 1840 gab es 24 Häuser mit 184 Einwohnern. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gehörte Hollschowitz zum Einflussbereich des Zisterzienserklosters Hohenfurth.

1914 hatte Hollschowitz 163 deutschsprachige Einwohner, 1938 kam das Dorf durch das Münchner Abkommen zum Deutschen Reich. Nachdem 1946 die deutschen Einwohner vertrieben waren, gelang es den tschechoslowakischen Behörden nicht, das Dorf wieder neu zu besiedeln. Die Häuser und Höhe verfielen zusehends. Die Wiederbesiedlung mit tschechischen Bürgern gelang nur vereinzelt.

Seit der Gründung blieb die dörfliche Struktur erhalten. Die dem heiligen Johannes Nepomuk geweihte Kapelle im Zentrum des Dorfes wurde 1755 erbaut. Das Steinkreuz am Dorfplatz wurde 1935 errichtet.

Hoffen wir, dass es mit der Restaurierung und Sanierung der wunderschönen Bauernbarockgehöfte getan ist, sondern dass es den neuen Bewohnern gelingt, dem Ort wieder Leben einzuhauchen.

 

 

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