Weißenthurm – Urmitz (ca. 6 km) – Kaltenengers (ca. 2,5 km) – Mülheim-Kärlich (ca. 3 km) – Rübenach (ca. 3,5 km) – Güls (ca. 5,5 km) – Moselweiß (ca. 0,5 km) – Kühkopf (ca. 5 km) – Stolzenfels (ca. 4 km) = ca. 30 km

Schwierigkeitsgrad: hoch

Besichtigungen: Rübenach, Güls, Stolzenfels

Zeitbedarf: ca. 7 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Tagesimpuls: Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden. (Jes 4, 29–31)

Sage: Die Geister im Schloss Ehrenbreitstein

In der Philippsburg zu Ehrenbreitstein, der alten Residenz der Trierer Kurfürsten, war es niemals recht geheuer. Als der letzte der Kurfürsten, Clemens Wenzeslaus, seinen Wohnsitz nach dem neuen Koblenzer Schloss verlegte, da mag der Gedanke an die Geister von Philippsburg ihm den Entschluss dazu erleich­tert haben.

Der Kurfürst Johann Hugo von Orsbeck, einer der Vorgänger des Clemens Wenzeslaus, hatte einmal in Ehrenbreitstein ein ganz seltsames Erlebnis. Am Dreikönigstage des Jahres 1701 wurde in der Schloss­kirche das Fest des Ewigen Gebetes gefeiert, das nach damaligem Brauch um vier Uhr nachmittags sei­nen Anfang nahm. Wichtige Amtsgeschäfte brachten es mit sich, dass der Kurfürst erst gegen Mitter­nacht dazu kam, seine Betstunde zu halten. Er fand die Kirche hell erleuchtet, am Altare brannten die Kerzen. Endlich öffnete sich lautlos die Türe der Sakristei, und es kamen drei Priester hervor, die in den kostbarsten Gewändern zum Altare schritten. Über das Ungewöhnliche dieses Vorganges verwunderte sich der Kurfürst sehr; auch kam es ihm so vor, als habe er keinen der drei Herren je gesehen.

Nach einer kurzen Anbetung setzten sich die Priester stumm nieder. Der Kurfürst machte ihnen ein Zei­chen, mit dem Dienste zu beginnen, doch er erhielt zur Antwort: „Wir warten noch auf einen Mitbruder!“ Das alles kam ihm ganz absonderlich vor, und er ging in die Sakristei, um nachzusehen, wer wohl jener sei, auf den die drei am Altare warteten. Da erblickte er eine Gestalt, die in Größe, Gewand und Ge­sichts­zügen sein vollkommenes Ebenbild war. Durch eine Türe, zu der nur er den Schlüssel trug, ging die Gestalt in die Kirche. Er folgte ihr, fand aber die Türe fest verschlossen, und selbst mit seinem Schlüssel konnte er sie nicht öffnen.

Tiefer Schreck überfiel nun den Kurfürsten; er stieg auf die Empore über dem Chor, um von dort aus die Herren am Altare genauer zu betrachten. Endlich erkannte er in ihnen drei längst verstorbene Amtsbrü­der, die bei seiner Bischofsweihe die heiligen Handlungen vorgenommen hatten. Auch unter den anwe­sen­den Gläubigen erkannte er die Gesichter von alten Freunden und Bekannten, die lange im Grabe ruh­ten. Und als der feierliche Dienst beendet war, da kamen seine verstorbenen Eltern, umgeben von ihren Kindern, Hand in Hand durch das Kirchenschiff.

Mit einem Schlage war darauf alles in der Kirche verändert. Die Wände waren schwarz ausgeschlagen wie zu einer feierlichen Trauermesse. Herzbeklemmend erklang das Dies Irae (mittelalterlicher Hymnus vom Jüngsten Gericht). In einem offenen Sarge sah der Kurfürst sich selber liegen, angetan mit den Zeichen seiner bischöflichen Würde. Tiefes Grauen überfiel ihn; er fühlte sich umweht von den geheimnisvollen Schauern der Ewigkeit; ganz gebrochen schleppte er sich in sein Schlafgemach.

Zehn Jahre später am Dreikönigstage starb Johann Hugo. Er liegt begraben vor den Stufen des Altares, den er den drei Heiligen aus dem Morgenlande zu Ehren in der hohen Domkirche zu Trier hatte errichten lassen. (nach: http://gutenberg.spiegel.de; Abruf am 02.09.2008)

Rhein-Camino: Unsere heutige letzte Tagesetappe fordert wieder ganz schön die körperliche Fitness heraus, beginnt aber zunächst einmal angenehm am Rhein entlang. Gehen Sie zum Rheinufer und wen­den sich nach rechts, rheinaufwärts und folgen der Markierung des Rheinburgenweges. Der Pilgerweg führt unter der Rheinbrücke durch und bringt Sie zunächst einmal nach Urmitz. Die schöne Barockkirche St. Georg stammt aus dem Jahr 1772. In Urmitz hat man bei Ausgrabungen um 1900 die Reste einer alten römischen Brücke gefunden (siehe Weißenthurm), die mit der von Julius Cäsar in ‚De Bello Gallico‘ erwähnten Rheinüberquerung 53 v. Chr. in Verbindung gebracht werden.

Unter der Urmitzer Eisenbahnbrücke hindurch gelangen Sie nach etwa 2,5 km nach Kaltenengers und biegen dort rechts in die Oberstraße, die wenig später in die Rübenacher Straße übergeht, ein. Nach 250 m geht es halblinks in den Metternicher Weg, der durch die Felder auf Mülheim-Kärlich zuführt. Schon seit einigen Kilometern können Sie den 162 m hohen Kühlturm des dortigen Kernkraftwerks sehen, das 1986 fertig gestellt wurde. Da das Neuwieder Becken durch die Nähe zur Eifel als leicht erdbeben­gefähr­det gilt, wurde das Kraftwerk – nach 100 Tagen Regelbetrieb(!) – endgültig im Jahr 2001 stillgelegt. Der vollständige Rückbau soll bis 2012 abgeschlossen sein.

Die deutlichen Markierungen des Rheinburgenweges führen Sie unter der Bahn und wenig später unter der vierspurig ausgebauten B 9 hindurch in das Gewerbegebiet von Mülheim-Kärlich. Vom Kraywiesen­weg biegen Sie rechts in die Industriestraße und gleich wieder links in die Jungenstraße ab. Von hier geht es schon nach wenigen hundert Metern wieder in die Felder, um Sie dann mehr oder weniger parallel zur Autobahn bis zur 3 km entfernten Autobahnüberführung bei Rübenach zu bringen. Das ist von Mülheim-Kärlich aus gesehen die dritte Autobahnbrücke. Kurz nach Verlassen des Gewerbegbietes kommen Sie an der Ausgrabung einer römi­schen Villa vorbei.

Nachdem Sie die Autobahn überquert haben, gehen Sie nach rechts und biegen in den ersten Feldweg nach links ein. Sie sind schon fast im alten Kern von Koblenz-Rübenach, dessen Wahrzeichen der Turm von St. Mauritius ist.

Rübenach

Allgemeines: Rübenach ist seit 1970 ein Stadtteil von Koblenz im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich im November 2005 auf 5114.

Anlaufstellen: Kath. Pfarramt St. Mauritius, Mauritiusstraße 59, 56072 Koblenz, Tel.: 0261-24215, E-Mail: stmauritius-ruebenach (at) t-online.de; Pfarrbüro Evangelische Kirchengemeinde, Poststraße 45, 56072 Koblenz, Tel.: 02630-1423, E-Mail: mail (at) evangelikum.de; Tourist-Information Rathaus, Jesuitenplatz 2,  56068 Koblenz, Tel.: 0261-130920, E-Mail: info-jesuitenpl (at) touristik-koblenz.de

Übernachtung: Hotel-Restaurant „Schweitzer“, Aachener Straße 66, 56072 Koblenz-Rübenach, Tel.: 0261-24028, E-Mail: info (at) hotel-restaurant-schweitzer.de, ÜF im DZ ab 47 Euro

Geschichte: In der Jungsteinzeit gab es schon eine Besiedlung auf dem Gebiet von Rübenach, und auch römische Funde brachten Ausgrabungen zu Tage. 775 wird eine Kapelle im Güterverzeichnis des Klosters Hersfeld erwähnt. Anfang des 14. Jh. erhält die Familie von Eltz (vgl. Ein Jakobsweg von Koblenz-Stol­zen­­f­els nach Trier, 2. Etappe, Burg Eltz) die Vogtei und behält dieses Recht bis zur Säkularisation um 1800. Die im Jahr 1220 gebaute erste Kirche wurde 1866 durch einen Neubau nach den Plänen des be­reits erwähnten Johann Claudius von Lassaulx ersetzt. Seit 1278 sind die Pfarrer von St. Mauritius bekannt.

Sehenswürdigkeiten: Beim Bummel durch die schmalen Gassen des alten Ortskerns fällt Ihnen sicher die Vielzahl der Höfe aus dem hier typischen Eifeler Basalt auf. Basalt entsteht, wenn dünnflüssiges, kie­selsäurearmes Magma an der Erdoberfläche austritt und relativ schnell zu Basaltlava erkaltet. Rübenach war früher hauptsächlich landwirtschaftlich orientiert;

Interessant ist die Pfarrkirche, die hinter der alten Kirche errichtet wurde. Leider wurde die romanische ‚Kapelle’ gegen den Willen der preußischen Regierung (die sogar 250 Soldaten nach Rübenach sandte) abgerissen – Pläne des Kölner Dombaumeisters Statz, der die alte Kirche in den Neubau integrieren wollte, wurden leider nicht berücksichtigt. Dennoch hat Statz bei der Bauausführung aus einem klassizis­tischen Lassaulx-Bau eine rein neugotische Kirche gemacht. In die Umfassung des Friedhofes sind alte Grabsteine, z.T. von vor dem Dreißigjährigen Krieg, eingemauert.

Das Innere der Kirche lädt zur Andacht ein. Links vom Altar steht eine große Statue des heiligen Mauri­tius, rechts davon die Skulptur der heiligen Aldegundis, Nebenpatronin der Kirche. Etwas ganz Besonde­res stellt die Madonna mit Kind dar. Eine richtig fröhliche Darstellung, die Mutter Gottes lächelt Sie an und freut sich an ihrem Sohn auf dem Arm, der ebenfalls ein lustiges Gesicht macht.

Weitere Informationen über Rübenach finden Sie auf den schön gestalteten Internetseiten www.unser-ruebenach.de. In dem Zusammenhang herzlichen Dank an Herbert Hennes, der mir eine Korrektur der Wegführung im Ort geschickt hat.

Rhein-Camino: Von der Rübenacher Kirche geht es ca. 250 – 300 m die Mauritusstraße hinunter bis zur Kreuzung Aachener Straße. Der Aachener Straße nach links folgen, am Kriegerdenkmal vorbei, ca. 250 m bis zur Kreuzung Mühlenstraße. Nach rechts die Mühlenstraße hinunter und dieser ca. 350 – 400 m bis zum Ende folgen. Hinter dem letzten Wohnhaus links in den Wirtschaftsweg und diesem ca. 600 m fol­gen. Der Weg macht am Ende einen Knick nach links und führt zur Keltenstraße. Hier nach rechts gehen. Am Ende des Wendehammers führt ein kurzer Verbindungsweg bis zur L 98 (früher B 258). Von hier aus nach rechts der Straße entlang über die Einmündung L 52. Nach ca. 150 m rechts (an Zaun BW-Lazarett) in den Feldweg einbiegen. Dieser führt dann im Verlauf parallel zur L 52.  Nach etwa 750 m gelangen Sie an eine Feldweg-Kreuzung, dort nehmen Sie den Weg nach links. Dem Weg folgen Sie rund 1,5 km, bis Sie an der Napoleonskapelle vorbeikommen und durch die Weinberge hinunter nach Güls und damit an die Mosel gelangen.

Sehenswürdigkeiten: Wie schon Rübenach wurde auch Güls im Jahre 775 von Karl dem Großen an das Kloster Hersfeld verschenkt. Auch eine Kapelle wird im Güterverzeichnis erwähnt. Der dazugehörige Fried­hof wurde noch im 19. Jh. genutzt. Die spätromanische St.-Servatius-Kirche erhielt im Laufe der Zeit viele An- und Umbauten. Sie ist eine der aufwendigsten Dorfkirchen an der Mosel. Es handelt sich um eine dreischiffige Basilika mit einem fast quadratischen Chor.

Rhein-Camino: Über die Gülser Eisenbahnbrücke gelangen Sie auf die andere Seite der Mosel nach Moselweiß. Hier befinden Sie sich auf der ausgedehnten Landzunge, die am Zusammenschluss von Rhein und Mosel vom Hunsrück gebildet wird. Bis heute, beginnend mit dem römischen Confluentes und der mittelalterlichen kurfürstlichen Stadt, befindet sich der Koblenzer Kern hier zwischen den beiden Flüssen.

Koblenz

Allgemeines: Koblenz ist eine kreisfreie Stadt im Bundesland Rheinland-Pfalz. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2007 auf 106087.

Anlaufstellen: Pfarrbüro Liebfrauen,  Florinspfaffengasse 14  56068 Koblenz Tel.: 0261-31550, E-Mail: Pfarramt (at) Liebfrauen-Koblenz.de; Pfarrbüro Herz Jesu, Löhrrondell 1a, 56068 Koblenz, Tel.: 0261-37759, E-Mail: Pfarramt (at) Herz-Jesu-Koblenz.de; Pfarramt St. Kastor, Kastorhof 8, 56068 Koblenz, Tel.: 0261-31446, E-Mail: herz-jesu-koblenz (at) t-online.de; Gemeinsames Gemeindeamt Evangelischer Gemeindeverband, Moselring 2-4, 56068 Koblenz, Tel.: 0261-40403-0, E-Mail: karthause (at) kirche-koblenz.de; Tourist-Information Rathaus, Jesuitenplatz 2,  56068 Koblenz, Tel.: 0261-130920, E-Mail: info-jesuitenpl (at) touristik-koblenz.de; Pilgerstempel gibt es auch im Büro des Ortsvorstehers Stolzenfels – ehemals Schule – Mo-Fr.  von 9-10 Uhr sowie Donnerstags 18-19.30 Uhr, Rhenser Strasse 54, 56068 Koblenz-Stolzenfels

Übernachtung: Pilgerherberge am Mosel- und Rhein-Camino Ferienwohnung/Apartement Fam. Bannert, Rhenser Straße 44/46, 56075 Koblenz-Stolzenfels, Tel.: 0261-51890, E-Mail: contact (at) fewo-koblenz.de, Ü/F für 2 Personen 49 Euro (Sonderpreis mit Pilgerpass – Frühstück wird zur Selbstzubereitung zur Verfügung gestellt); Jugendherberge Festung Ehrenbreitstein, Tel: 0261-972870, Fax: 0261-9728730, E-Mail: koblenz (at)  diejugendherbergen.de, Ü/F im Doppelzimmer 45,80 Euro; Hotel Jan van Werth, von-Werth-Str. 9, 56068 Koblenz, Tel.: 0261-36500, info (at) hoteljanvanwerth.de, ÜF im DZ (Etagen­dusche/-WC) 50 Euro

Geschichte und Sehenswürdigkeiten: Einen geschichtlichen Stadtrundgang durch Koblenz finden Sie im Anhang 5. Ich habe diesen aus Ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier – Der Pilger­wan­der­führer für den Mosel-Camino entnommen.

Schon 1198 wurde eine gemeinsame Marktgemeinde mit Koblenz, Neuendorf und Moselweiß erwähnt. Die erste eigenständige Pfarrei erhielt Moselweiß 1201, der größte Teil des Ortsgebietes gehörte Klöstern und Stiften. Ein kurzer Abstecher (Burgweg nach links, Gülser Straße und dann Koblenzer Straße) von etwa 1500 m (hin und zurück) kann Sie zur spätromanischen Pfarrkirche St. Laurentius führen, mit deren Bau wohl kurz nach 1201 begonnen wurde. Das Untergeschoss des Turmes ist aber noch einmal 100 Jahre älter und wird zu einem Vorgängerbau gehört haben. Über diesen ist jedoch heute nichts mehr bekannt. Aus dem frühen 13. Jh. stammen noch der steinerne Altar und der Taufstein. Die Steinkanzel ist 1467 geschaffen worden, bei Restaurierungsarbeiten wurden zwei mittelalterliche Wandbilder frei­ge­legt. Der Laurentiusaltar ist im Barock gestaltet worden.

Rhein-Camino: Wenn Sie von der Eisenbahnbrücke herunterkommen, gehen Sie bitte noch ein Stück­chen geradeaus und biegen dann rechts in den Burgweg ab. Folgen Sie nun für ungefähr 3 km oberhalb der Mosel der Markierung des Moselhöhen- bzw. Schoppenstecherweges bis zu einer Wegverzweigung. Dort geht es links ab und hinauf zum Forsthaus Kühkopf. Die Gastronomie im alten Forsthaus bietet Deftiges und Kräftiges zu zivilen Preisen. Von hier aus geht es mit der lokalen Markierung ‚8a‘ hoch zum Kühkopfgipfel (382 m) mit seinem 262 m hohen Fernmeldeturm.

Vom Kühkopfgipfel sind es nur noch wenig mehr als 4 km bis nach Stolzenfels. Ich kann Ihnen verspre­chen, dass es keine weitere nennenswerte Steigung mehr gibt. Zunächst folgen Sie der ‚R‘-Markierung bis zur Römer- bzw. Keltischen Straße. Diese führte auf der rechten Seite der Mosel von Koblenz nach Trier. Von der ursprünglichen Pflasterung allerdings ist nichts mehr erhalten. Dem Waldweg folgen Sie weiter bis zum Bäckerkreuzchen, dann geht’s links zum Schillerhof. Nun befinden Sie sich auf dem Mosel-Camino, dessen Markierungen Sie aber in entgegen gesetzter Richtung, zunächst nach Norden, dann nach Osten bis zum Schloss Stolzenfels und weiter zur Stolzenfelser Pfarrkirche St. Menas oberhalb des Koblenzer Stadtteils Stolzenfels, folgen.

Schloss Stolzenfels: Hier, im Bereich der Lahnmündung, trafen sich die drei größten Machtbereiche des Mittelalters: Mainz, Trier und Köln. Und nachdem 1232 der Mainzer Erzbischof auf der rechten Rheinseite Lahneck erbauen ließ, errichtete der Trierer Erzbischof Arnold II. von Isenburg auf der gegenüber liegen­den Flusssseite in den Jahren 1242 bis 1259 die Burg Stolzenfels als Zollburg. Ende des 14., Anfang des 15 Jhs. wurde die Burg mit einem Wohnturm und dem rheinseitigen Palas erweitert. Die Bedeutung als Zollburg verlor Stolzenfels schon bald an die rheinabwärts gelegene Burg Kunostein in Engers, Stadtteil des heutigen Neuwied. Im Dreißigjährigen Krieg sah Stolzenfels die Schweden und dann die Franzosen als Besetzer, um 1689 im Pfälzischen Erbfolgekrieg von den Franzosen zerstört zu werden. Die Ruinen verfielen, und rund 150 Jahre später machte die Stadt Koblenz als Eigentümer die Burg dem preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm zum Geschenk. Dieser war nicht sonderlich begeistert, nahm er doch das Geschenk aus dem Jahre 1815 erst nach seiner Hochzeit im Jahr 1823 an.

Die großen Architekten und Namen seiner Zeit beauftragte Friedrich Wilhelm IV. mit den Arbeiten rund um Stolzenfels. So ließ er zwischen 1826 – 1830 von dem Architekten Johann Claudius Lassaulx die neu­romanische Pfarrkirche St. Menas in Stolzenfels errichten. Gleichzeitig wurde die Burg als Sommersitz wieder aufgebaut. Bis 1842 entstand mit Plänen von Karl Friedrich Schinkel (ab 1839 unter der Leitung von Friedrich August Stüler) das heutige Schloss. Unverkennbar ist Schinkels romantischer Stil. Die Um­gebung des Schlosses, wie zum Beispiel der romantisierende Turnierplatz, gestaltete der Gartenarchi­tekt Peter Joseph Lenné. Die Wohnräume wurden mit wertvollen Möbeln und Gemälden ausgestattet, und am 14. September 1842 zog König Friedrich Wilhelm IV. mit seiner Begleitung, alle in historischen Kostümen gekleidet, ein. 1843 wurde die Klause als Personalwohnung an der Auffahrt durch Carl Schnitzler fertig­gestellt. Schnitzler hat auch die Pläne für die 1845 entstandene Kapelle geliefert.

Wenn Sie sich für mehr Details des Schlosses interessieren, finden Sie im Internet unter www.­marcus-frings.de/stolzenfels/ eine Präsentation des baulichen Zustandes von 1845. Der Förderverein Schloss Stolzenfels baut derzeit eine interessante Internetseite unter www.schloss-stolzenfels.de auf.

Führungen durch das Schloss finden von Januar bis November jeweils von 10:00 bis 17:00, bzw. 18:00 Uhr (im Sommer) statt. Im Dezember und am jeweils ersten Werktag der Woche ist das Schloss ge­schlos­sen. Der Eintrittspreis beträgt für Erwachsene 2,60 Euro.

St. Menas: Bis zur Stolzenfelser Pfarrkirche St. Menas sind es nur wenige Schritte. Es ist die einzige Kir­che nördlich der Alpen mit dem unterägyptischen Märtyrer als Namenspatron. Schon 1486, vor mehr als 520 Jahren, wurde die romanische Menaskapelle zur Pfarrkirche erhoben. Durch Kriegswirren schon Ende des 18. Jh. nicht mehr nutzbar, wurde in der ersten Hälfte des 19. Jh. nach Plänen von Johann Christian Lassaulx die heutige Pfarrkirche St. Menas gebaut.

Ein kunsthistorisches Kleinod ist das ehemals zweibahnige, spätgotische Fenster, das aus Symmetrie­gründen auf 2 Fenster aufgeteilt wurde. Es stammt höchstwahrscheinlich vom Niederrhein, evtl. aus einer Kölner Werkstatt, und sind zwischen 1466 und 1476 entstanden. Ursprünglich hat es die Pfarr­kirche in Monreal bei Mayen geschmückt.

Der Taufstein ist auch eine gotische Arbeit, vermutlich aus dem 14. oder 15. Jh. Aus dem Jahr 1500 stammt auch das Schweißtuch der heiligen Veronika unter dem Tabernakel. Wunderschön ist die ste­hen­de Muttergottes aus der Zeit um 1520. Der heilige Sebastian könnte aus einer mittelrheinischen Werk­statt des beginnenden 16. Jh. stammen. Das Pestkreuz im Vorraum soll ursprünglich vor der Kapelle der nahegelegenen Leprosenanstalt im Siechhaustal gestanden haben. Das Kreuz selber musste 1940 ersetzt werden, der beeindruckende Torso stammt wohl aus dem 15. Jh. Die wertvolle Holzstatue des Pfarrpatrons ist von 1840.

Rhein-Camino: Wahrscheinlich ist Ihnen schon am Tor zur St.-Menas-Kirche die Messingmuschel auf­gefallen. Hier beginnt der Mosel-Camino, ein Jakobsweg von Koblenz-Stolzenfels nach Trier zum einzigen Apostelgrab nördlich der Alpen. Und hier endet Ihr erster Teil des Rhein-Camino.