Erster Eindruck dieser 2. Tagesetappe? Vom Weg her hätten wir die rund 25 km auch per Auto zurücklegen können. Ausserdem haben wir uns ein paar Mal verirrt – entweder weil die Wegmarkierungen nicht vollständig waren, oder weil uns „nette“ Zeitgenossen falsch geschickt haben. Soweit, sogut, aber jetzt der Reihe nach.
Heute morgen ging es um 8:15 Uhr los, mit dem Auto von Weilburg nach Villmar. „Weisst Du noch, hier sind wir letzte Woche gewandert.“ „Ja, aber selbst mit dem Auto zieht es sich ganz schön in die Länge!“ Sollte das jetzt negativ klingen? Nein, wir waren so richtig gut motiviert, haben uns den besten Tag der Woche ausgesucht, und wollten gemütlich die 23 km Etappe nach Diez in Angriff nehmen. Am Bahnhof noch ein paar Schritte mit den Hunden in Richtung Wald, dann aber schnell zurück, um den Lahn-Camino wieder zu erreichen.
Wir wussten, wir müssen wieder den Berg hoch, um den Camino zu erreichen und wir wussten auch, dass der Wanderweg der zu unserem Camino führt am Bahnhof beginnt. Kaum über die Brücke in Richtung Berg, schon war die Wegmarkierung nicht mehr eindeutig. Wir standen mit den Hunden etwas ratlos herum, dann eine Stimme hinter uns „Wollen Sie nach Aumenau?“. Umgedreht, da stand eine ältere Damen hinter ihrem gekippten Fenster im Wohnzimmer. Sah etwas grimmig aus und die Frage nach Aumenau erschien mir im ersten Moment nicht ganz logisch, denn aus der Richtung kamen wir gerade. Aber gleich, meine Antwort war „Nein, aber zum Galgenberg!“ „Dann laufen Sie hier herauf!“ Unseren herzlichen Dank hat sie gar nicht mehr gehört und wir waren schon auf der steilen Strasse in der angegebenen Richtung. Ob die etwas gegen uns oder gegen unsere Hunde hatte?
Denn das hätten wir besser nicht getan. Eine gute Stunde mit viel bergauf hat uns der Tipp gekostet, und sind dann noch auf genau der verkehrten Seite von Villmar auf dem Berg gewesen. Nungut, aber es ging uns gut und wir marschierten dann schlussendlich auf „unserem“ Weg frohen Mutes weiter.
Kurz darauf bog der Lahn-Camino nach rechts ab, dann wieder nach links und noch einmal nach links zurück zum vorherigen Weg. Komisch, wobei beim letzten Linksknick allerdings auch kein Wegzeichen stand. Der Alternativweg nach rechts war aber auch restlos zugewachsen und schien uns nicht unbedingt für Wanderer geeignet.
Kurz und gut: wir sind dann auf dem Radweg Nr. 7 oder Nr. 8 bis fast nach Eschhofen gelaufen, bevor wir den Lahnhöhenweg wiedergefunden haben. Vorteil: es geht nicht bergauf und bergab. Nachteil: ich wäre gerne näher an Runkel und Schadeck herangekommen. Obwohl es nicht geregnet hat, war der Weg für Wanderer auch nicht gerade prickelnd. Der Wind pfiff durch und durch. Dafür gibt es aber unterwegs einige schöne, alte Bilderstöcke und Wegkreuze – die haben für manches entschädigt.
Der Lahnhöhenweg verläuft zwischen Eschhofen und Limburg immer an der Lahn entlang – so kam es, dass wir unsere erste grössere Pause mit der Autobahnbrücke A3 im Rücken (permanentes Rauschen der Autos und LKWs) und der neuen ICE-Trasse vor uns (krawumm) machten.
Kurz danach führt der Weg aber dann wieder in den Wald nach oben und endet nach einem kurzen Abstieg fast an der alten Limburger Stadtmauer. Ab hier geht der Weg immer an der Lahn entlang (nicht vom weissen L auf schwarzem Grund irritieren lassen, das ist der Lahnhöhenweg von der rechten Seite) nach Diez. Dabei erscheint das Barock-Schloss Oranienstein schon bald wunderschön vor dem Wanderer.
Wir haben uns aber zunächst einmal einen Abstecher zum Limburger Dom gegönnt. Und unabhängig voneinander waren Gabi und ich der Meinung: „Jetzt hat unsere Pilgerreise begonnen!“ Ich habe einige Zeit in der Sakramentskapelle vebracht (und dort mit schlechtem Gewissen den alten, aus Lahnmarmor geschnittenen St. Georg fotografiert. St. Georg ist Namenspatron des Limburger Domes und Schutzheiliger des Bistums) und Gabi hat in der Marienkapelle eine Kerze angezündet. Um was wir gebetet haben, bleibt unser Geheimnis – aber die Bitte um Schutz auf dem weiteren Weg war auch dabei.
Der Limburger Dom mag nicht die Grösse und die Bekanntheit anderer Dome und Kathedralen haben, aber es lohnt sich allemale, einen kruzen Abstecher hierhin zu machen.
Danach wurde es für uns immer schwerer. Gabi machten ihre Schuhe zu schaffen, die Schmerzen waren fast unerträglich. Natürlich hatte auch der Asphalt (ca. 90% des Weges ist asphaltiert) seinen Anteil daran. Gabi wollte in Limburg am Bahnhof abbrechen. Vor Diez geht es noch einmal steil bergauf, um dann, wie schon in Villmar, schier endlos bergab zu gehen. Da hat mir dann die Kondition versagt und ich bin jetzt froh, wieder zu Hause zu sein.
Leider hatten wir für das Nassau-Oranien-Museum im Schloss Oranienstein keine Kraft mehr (es ist übrigens das Stammhaus der niederländischen Königsfamilie). Aber das holen wir bestimmt einmal mit dem Auto nach.
Die Erkenntnis des heutigen Tages:
1. Gabi braucht neue Wanderschuhe
2. Es geht immer irgendwie weiter
Die dritte Etappe planen wir für nächsten Mittwoch – dann zusammen mit einer Freundin und zwei weiteren Hunden.