Schwierigkeit: leicht

Zeitbedarf: 5 Stunden ohne Besichtigungen und Pausen

Impuls für den Tag: „Im Anfang nur das Wort – und: Du sollst dir kein Bild machen. Diese beiden Grund-Sätze haben wir längst verkehrt. Ich fürchte, nicht wenigen Kindern wird heute erst ein Bild gemacht, ehe sie überhaupt zu Wort kommen.” (Peter Härtling)

Sage: Handewitter Streit

Die Riesen lebten sehr oft mit den Nachbarriesen in grimmigem Streit. So weiß man aus der Gegend von Handewitt, dass die Großwieher Riesen einmal eine Fehde mit den Riesen von Handewitt austrugen. Dabei geriet der Handewitter in so großen Zorn, dass er einen großen Findling nahm und ihn nach dem Großwieher schleuderte. Der Stein fiel auf dem Großwieher Berg nieder, wo er ein tiefes Loch wühlte. Der Riese aber hatte den Stein so hart angefasst, dass sich seine Fingerspitzen darin abdrückten, die heute noch zu sehen sind. Es ist der alte Opferstein, der heute noch auf dem Großwieher Berg zu sehen ist. (Quelle unbekannt)

Heute geht es von Handewitt durch den Handewitter Forst über Banderup zum Sankelmarker See, von dort nach Oeversee, dann durch den Föruper Forst nach Süderschmedeby.

Der Handewitter Forst ist mit 580 ha das weit und breit größte zusammenhängende Waldgebiet. Die Gründe dafür sind im Mittelalter zu suchen. Während in der näheren und weiteren Umgebung die Wälder dem Haus- und Schiffsbau zum Opfer fielen, kam der Handewitter Forst in königlichen Besitz, um dort die Jagdgelüste zu befriedigen. Eine Hinweistafel am Weg erklärt die Entstehung im Detail.

Nach Verlassen des Forstes überqueren Sie die K 85, die unter der A 7 hindurch und an den alten Zollhäusern vorbei in die Gartenstadt Flensburg-Weiche führt. Wenn Sie die 1. Tagesetappe bis hierhin ausgedehnt haben sollten, erreichen Sie hier die Flensburger Stadtbusse für eine mögliche Rückfahrt.

Folgen Sie der guten Markierung des Jakobsweges unter der B 200 hindurch und dann immer zwischen Bahnstrecke und Autobahn auf dem Margeritenweg bis nach Barderup. Bei dieser kleinen Ortschaft, erstmals urkundlich 1472 erwähnt, handelt es sich um eine Oeverseer Aussiedlung. Sie unterqueren hier die Autobahn A 7 und vorbei am Sophienhof gelangen zum Sankelmarker See. An diesem in der letzten Eiszeit entstandenen See liegt die Europäische Akademie Sankelmark, eine Erwachsenenbildungs-Einrichtung, die weit über die Grenzen von Schleswig-Holstein hinaus bekannt ist. Sie bietet Seminare und Tagungen zu politischen und kulturellen Themen der Region Sønderjylland/Schleswig, des Landes Schleswig-Holstein und der Bundesrepublik Deutschland an.

Ein Stückchen gehen wir an diesem ökologischen Kleinod entlang (am nördlichen Teil soll es Eisvogel-Bestände geben), um dann rechts in den Weg nach Oeversee abzubiegen.

Oeversee

Allgemeines: Oeversee liegt im Landkreis Schleswig-Flensburg und hatte am 31.12.2006 eine Einwohnerzahl von 2016. Am 01.06.2008 werden Oeversee und Sankelmark fusionieren.

Anlaufstellen: Kath. Pfarramt St. Marien Schmerzhafte Mutter Flensburg, Nordergraben 36, 24937 Flensburg, Telefon 0461-1440910, E-Mail kath-kirche-fl@foni.net; Gemeindebüro St. Georg, Stapelholmer Weg 29, 24988 Oeversee, Telefon 04630-93237; Tourist- und Service-Center Grünes Binnenland, Dorfstraße 8, 24963 Tarp, Telefon 04638-898404, E-Mail info@tourismus-nord.de

Übernachtung: Gasthaus Frörup, Stapelholmer Weg 43, 24988 Oeversee-Frörup, Telefon  04638-8945-0, Ü/F im DZ ab 41 Euro; Pilgerunterkunft www.via-jutlandica.de

Bei Oeversee weiß man gar nicht, was nun zuerst zu nennen ist: Der Schnittpunkt zweier historischer Handelswege an der strategisch so wichtigen Furt durch die Treene? Die Wehrkirche St. Georg aus dem 12. Jh.? Oder das Gebäude des heutigen Luxushotels ‚Historischer Krug’, aus dem Jahr 1519, das nach der Schlacht von Oeversee als Lazarett diente?

Beginnen wir mit den mittelalterlichen Handelsrouten. Über den Ochsenweg haben Sie ja schon im Informationsteil des Pilgerwanderführers gelesen. Der Stapelholmer Weg, der hier bei Oeversee vom Ochsenweg abzweigte und an der Treene entlang bis nach Hollingstedt (Nordseehafen von Haitabu – siehe dort) führte, hatte für die Flensburger Kaufleute eine besondere Bedeutung. Ab Hollingstedt war die Treene dann bis zur Mündung in die Eider und später in die Nordsee schiffbar und stellte somit eine schnelle Verbindung dar. Am Unterlauf der Eider hatten die Kaufleute Umschlagplätze eingerichtet, besonders für englische und holländische Waren.

Im deutsch-dänischen Krieg (1.2. – 30.10.1864) kam es am 6. Februar 1864 bei Oeversee zu einem Gefecht zwischen den mit den Preußen verbündeten Österreichern und den Dänen. Das 6. k.u.k. Armeekorps aus Graz siegte über die im Rückzug befindlichen Dänen. In den Abend- und Nachtstunden kamen Bewohner aus dem 10 km entfernt liegenden Flensburg und schafften die Verwundeten in den am Ochsenweg liegenden ‚Krug’. In Oeversee erinnern das Österreicher-Denkmal an der L 317 und der Grazer Platz, in Graz die Oeversee-Gasse und das Oeversee-Gymnasium an die denkwürdige Schlacht. Die Flensburger Bürger gedenken alljährlich mit dem Oeversee-Marsch der Auseinandersetzung.

Eine besondere Bedeutung für uns hat die dem heiligen Georg geweihte, aus dem Anfang des 12. Jh. stammende Feldsteinkirche. Vermutlich war sie von Anfang an dem Schutzpatron der Reisenden geweiht, denn Oeversee war Rastplatz am Ochsenweg für Pilger auf ihrem beschwerlichen Weg noch Jerusalem, Rom oder Santiago de Compostela.

Der runde Turm der romanischen Kirche hat im Norden noch erhaltene Schießscharten. Diese deuten darauf hin, dass St. Georg in Oeversee Teil eines Befestigungssystems war. Kosel und Haddeby an der Schlei und Kampen (Rendsburg) und Süderstapel an der Schlei gehörten ebenfalls zu diesem Befestigungssystem. Ähnliche Bauten können Sie im Osten Englands entdecken, dem Teil, der einmal zum dänischen Reich gehört hat.

Der Altar und der Taufstein, beide aus gotländischem Kalkstein, stammen noch aus der Zeit der Kirchengründung. Die ehemalige Balkendecke, die schon ab 1497 eingewölbt wurde, ist noch über dem Südfenster und gegenüber zu erkennen. Die schönen Gewölbemalereien im Altarraum stammen aus der Spätgotik, die im Schiff aus der Frührenaissance. Auch aus dem 15. Jh. stammt das Triumphkreuz, dessen ursprüngliche Fassung aber nicht wiederhergestellt werden konnte. Die Renaissance-Kanzel stammt aus der Ringerinck-Schule (Flensburg, 17. Jh.). Zwischen den lateinischen Bibelversen unter den Bildern und Szenen aus dem Leben Jesu sind die christlichen Tugenden dargestellt: Glaube, Hoffnung, Klugheit, Liebe, Güte, Gerechtigkeit, Tapferkeit, Mäßigkeit, Nüchternheit und Geduld.

Alle anderen Ausstattungsdetails sind jünger, aber nicht weniger wertvoll. Die Taufschale aus Messing stammt aus dem Jahr 1758, die Orgel wurde 1846 bei Marcussen in Aabenraa gebaut. Die Kronleuchter wurden 1894 gestiftet; die bunten Glasfenster über dem Altar und an der Südwand stammen schlussendlich von der Flensburger Künstlerin Käthe Lassen aus den Jahren 1935 und 1936.

Auf dem Weg aus dem Ort hinaus überqueren Sie die Treene trockenen Fußes und gehen dann an der Straße entlang in Richtung Fröruper Holz. Wenn Sie aus dem Wald herauskommen, erreichen Sie bald die wenig befahrene Straße nach Süderschmedeby. Kurz vorher noch einmal nach rechts, die L 193 ist etwas stärker befahren.

Süderschmedeby

Allgemeines: Süderschmedeby gehört zur Gemeinde Sieverstedt im Landkreis Schleswig-Flensburg und hat ca. 90 Einwohner.

Übernachtung: Gisela Hansen, Norderstraße 9, 24885 Süderschmedeby, Telefon 04638-7000, ÜF im DZ ab 40 Euro; Pilgerunterkunft www.via-jutlandica.de

Um 1342 wird Süderschmedeby als Smedebu urkundlich erwähnt. Namen mit der Endung -by sind dänischen oder schwedischen Ursprungs und stammen wahrscheinlich von den Wikingern. Der Name lässt sich als ‚Schmiededorf‘ deuten. Aber schon in der Römerzeit rauchten hier die Hochöfen zur Eisenverhüttung. Auf dem Urnenfriedhof in Süderschmedeby wurden Urnen mit einer Schlacken-Ummantelung gefunden. Der Schmiedeplatz am Auberg mit Wohnsitz des Schmieds und seiner Familie ist die erste in dieser Kombination nachgewiesene Waldschmiede in Schleswig-Holstein.