On the road again … so langsam entfernt sich der Alltag. Je mehr Kilometer der Zug von Weilburg in Richtung Trier/Konz fährt, desto mehr fühle ich mich wieder auf dem Jakobsweg, auf dem Pilgerweg nach Santiago de Compostella.

Genau am 06. März sind Gabi und ich von Trier nach Wasserbillig gepilgert, über sechs Monate ist das schon her. Zwischenzeitlich hat sich viel getan. 2 Pilgerwanderführer habe ich geschrieben, viel gearbeitet, Gabis Schule ist angelaufen – und die ist auch der Grund, dass Gabi heute nicht mit auf dem Weg ist. Eine ganze Woche kann sie sich nicht ausklinken. Aber ich will weiter und das hoffentlich gute Wetter ausnutzen.

Um 6:58 h fuhr der Zug in Weilburg ab – um 11:58 h werde ich in Konz sein und hoffentlich noch rund 20 km bis nach Merzkirchen zurücklegen können. Dort habe ich in Mary’s Destille, die auch eine Pilgerherberge betreibt, die Übernachtung gebucht.

Heute morgen bin ich stinksauer aus dem Haus gegangen. Es waren noch wichtige Dinge zu erledigen und ich bin schon um halb zwei aufgestanden. Um halb sieben, als ich gestiefelt und gespornt, den viel zu schweren Rucksack geschultert, gehen wollte, erschien Gabi fröhlich in der Schlafzimmertür. Nee, da reichte es man gerade für einen flüchtigen Kuss und ein schnelles „Tschüss“. Aber so sauer ich über diesen Auftritt auch bin – nachdem ich letzte Woche krank war, hat es jetzt Gabi gepackt und wahrscheinlich hat ihr Körper den Schlaf heute morgen gebraucht.

Tja, 6 Monate, den ganzen Sommer, ging es nicht weiter. Zu viel musste erledigt werden. Und jetzt bin ich auf dem Weg Richtung Konz um von dort Richtung Merzkirchen, Perl, Thionville, Metz und vielleicht Verdun zu starten. Mal sehen wie lange es dauert, bis ich den Anschluß an die letzte Etappe Trier-Wasserbillig bekomme. Gedanklich natürlich, denn der Start ist diesmal sogar etwas zuirückverlegt.

Das liegt ganz einfach an der Wegführung, bzw. der Planung. Von niemandem waren Informationen über den Fussweg von Wasserbillig über Luxemburg-Stadt nach Reims zu bekommen. Die Luxemburger Wanderfreunde haben mir noch nicht einmal auf eine dreisprachige eMail (französisch, englisch, deutsch) geantwortet, die Jakobsbruderschaft in Luxemburg gönnte mir auch keine Antwort. Professor Kanz, der mehrfach schrieb, ihm fiele soviel zu dem Jakobsweg durch Luxemburg ein, schrieb mir dann, als ich etwas konkretes wollte: „Der Jakobsweg in Frankreich ist mit dem GR 5 erheblich einfacher als ohne ihn!“ Natürlich hätte ich auch den Weg alleine ausarbeiten können. WW hatte auch schon dabei geholfen. Aber dann habe ich doch die Entscheidung für den traditionellen Weg von Trier nach Metz getroffen und wir wollen dann von Metz aus über Verdun nach Reims, Paris, Chartres usw.

Deshalb also der Start heute in Konz, ca. 8 km von Trier entfernt. Unterwegs werde ich über alte Römerstrassen pilgern und viele Beweise der Jakobspilgerschaften im Mittelalter und der Neuzeit passieren.

Von Konzaus ging es nach Tawern, die Margareten-Kapelle hatten eine aussen angebaute Kanzel aus Sandstein (hochinteressant) und einen schönen, mit Gold und Elfenbein verzierten, Altar. Oberhalb von Tawern befindet sich an der alten Römerstrasse von Metz über Trier nach Köln eine Tempelanlage.

Bald darauf habe ich Fisch erreicht, die Jakobus-Kirche ausserhalb des Ortes war ein Treffpunkt der Jakobspilger im Mittelalter. Draussen erinnert eine im Boden eingelassene Bronzetafel daran. An der Quelle etwas unterhalb der Kirche findet sich in Schmiedeeisen der Pilgerhut, die Muschel und die Kalebasse. Und auf einer Hinweistafel ist der Jakobsweg bis Metz noch einmal dargestellt.

Heute hatte ich wunderschönes Pilgerwetter, nicht zu warm und nicht kühl. Rund 23 km bin ich seit Eintreffen in Konz auf gut ausgezeichneten Wegen gepilgert (naja, Markierungen mit kleineren Einschränkungen – aber ich bin zufrieden). Zum Einlaufen war es genau richtig. Abendessen gab es aber in der sauberen Pilgerherberge keines. Und zum Sportplatz, wo sich das ganze Dorf versammelte, kam ich leider zu spät. Schade.

Erkenntnis des Tages: Man(n) geht wieder!