Die Betten sind zu weich! Irgendetwas muss ich ja an diesen drei Tagen bemäkeln. Und da ich sonst nichts finden kann, sind es jetzt halt die Betten. Nur Gabi hatte allerdings in der letzten Nacht Mühe damit – ich habe geschlafen wie ein Toter, wachte zeitig auf und ging nach unten zum Zeitunglesen und Kaffeetrinken. Diese Zeit für mich ist morgens sehr wichtig. Ich bin auch zu Hause lange vor Gabi wach und nutze die Zeit, um meinen Gedanken nachzuhängen. Offensichtlich ist der Aufbackautomat im Hotel nicht auf dem neuesten Stand – die damit produzierten Brötchen könnten auch als Mordwerkzeuge dienen. Aber die Auswahl am Büffet ist reichlich – und statt Brötchen hat Gabi halt Toast gegessen.
Als Mini-Gruppe sind wir dann mit dem Bus in die Stadt. Mini-Gruppe selbst für 2 Personen ist preiswerter als 2 Tages-Fahrkarten – wenn wir noch drei Pilger gefunden hätten, wären die auch noch auf unsere Gruppenkarte gefahren.
Unser erster Weg führte zur Porta Nigra und dann auf direktem Weg zum Dom. Ein kurzes Gebet, dann schräg gegenüber zur Dom-Information, Stempel und Infos geholt. Mit den Infos ist das so eine Sache. Wir überlegen immer noch, ob wir auf dem gut beschriebenen und dokumentierten Weg nach Metz und dann über Verdun nach Reims pilgern, oder den direkten Weg über Luxemburg nach Reims einschlagen. Und obwohl dieser Weg auf historischen Karten eingezeichnet ist, scheinen die modernen Pilger diesen Weg zu meiden. Schon vorher konnten wir im Internet nichts finden – und auch die Dom-Information konnte uns nicht weiterhelfen. Schade! Trotzdem haben wir im Laufe des Tages die Entscheidung für Luxemburg-Stadt und Reims getroffen.
Wir sind viel in Trier gelaufen. Fazit: als Gesamtkunstwerk gefällt uns diese Stadt nicht. Es ist fast so wie der Vergleich von Paris und London. Paris ist als Stadt schön (solange man sich im Zentrum aufhält), während London eher wie das Haus eines alten Onkels wirkt. Insgesamt hässlich, aber überall wunderschöen Highlights. Genauso ist Trier, die kleinen Dinge an der nächsten Hausecke machen Trier sehenswert. Zum Beispiel die Saarstrasse in Richtung St. Mattheis – öde, trostlos, langweilig. Aber dann dort ein aufwändig renoviertes Gründerzeit-Haus und dort ein Jugendstil-Gebäude neben dem anderen. Toll! Nun habe ich ja einen Blick für die „verborgenen Schönheiten“ und kann selbst einer Bauhaus-Ruine noch etwas Schönes abgewinnen. Mit offenen Augen durch die Stadt gehen – gerade hier in Trier lohnt es sich.
Ansonsten gibt es, so glaube ich, über Trier nichts weiter zu sagen, als dass, was sowieso in allen Stadtführern steht. Wir haben noch in einem Cafe den besten Streuselkuchen unseres Lebens gegessen – eine Schnitte, so gross, dass wir beide davon satt wurden, und für nur 1 Euro.
Dann ging es ins Hotel, um wieder einen kurzen Mittagsschlaf einzulegen. Gegen 5 machten wir uns auf zu St. Paulin. Und da meldete sich auch schon gleich Wolfgang (doch ein Hellseher) und wir vereinbarten als Treffpunkt St. Paulin. Dort fand gerade eine Kinderchorprobe statt – für uns ein kostenloses Konzert. Hat eigentlich von Stockhausen auch Kirchenmusik gemacht? Ein Choral des Jugendchores könnte durchaus aus der Feder Stockhausens stammen.
Für Gabi war St. Paulin das Highlight Triers. Mir sagt der Rokkoko relativ wenig, ich bin mehr für die wuchtige und schlichte, und doch gleichzeitig filigrane, Gotik. Fasziniert war ich von St. Maximin, einer Kirche, die durch Napoleon säkularisiert wurde. Zig verschiedene Verwendungen fand sie in den letzten 200 Jahren, heute dient sie den nahegelegenen Schulen als Turnhalle und als Konzertsaal. Diese Kirche, zu der Touristen heute keinen Zutritt haben, mit ihrem profanen Verwendungszweck hat es mir angetan.
Dann ging es noch in eine Pizzeria (unnötig zu erwähnen, dass die Rechnung wieder von Wolfgang übernommen wurde) mit zwei Riesenpizzen und tollen Pasta. Und als Zugabe noch eine Karte für unsere weitere Strecke Richtung Luxemburg und Reims. Ein Lift durch Wolfgang zum Hotel – ein Nightcup in der Bar – und dann war auch dieser Tag zu Ende.
Im Laufe des Tages erhielt ich meine ersten Fasten-SMS. www.sms-fasten.de und das Bistum Essen bieten unabhängig voneinander während der Fastenzeit tägliche SMS an, die dazu anregen sollen, einen kurzen Moment innezuhalten. Die Kurzmitteilungen kommen zu unterschiedlichen Zeiten. Heute kamen also die ersten Beiden:
„Verurteit nicht, dann werden auch ihr nicht verurteilt werden. Nach dem Mass, mit dem ihr messt, wird auch euch zugeteilt werden. Lk 6,37f“
und
„Jesus Christus – ein Vorbild? Für Dich? Ne Nummer zu gross für Dich? Zu weit weg? Zu stumm? Wie soll das denn gehen? Wie kannst Du ihn hören, sehen, fühlen?“
Eigentlich wollte ich jetzt schreiben, dass mir die Sätze nicht viel gesagt haben, dass sie mich nicht zum Innehalten animierten. Gerade jetzt, beim Abschreiben, fällt mir aber auf, dass die Nachrichten durchaus etwas mit mir zu tun haben. Nur ich, ich habe mich nicht innehalten lassen. Mal sehen, wie dies die nächsten Tage weitergeht.
Erkenntnis des Tages:
wir sind keine Stadtmenschen