Neuss – Worringen

 

Neuss-Quirinusmünster – Römerlager (ca. 3 km) – Grimlinghausen (ca. 1,5 km) – Römerturm (ca. 2 km) – Uedesheim (ca. 2 km) – St. Peter (ca. 3,5 km) – Feste Zons (ca. 5 km) – Dormagen (ca. 5,5 km) – Worringen (ca. 3,5km) = ca. 26 km

Schwierigkeitsgrad: keine nennenswerten Steigungen, überwiegend geteerte Wege

Besichtigungen in Neuss, Feste Zons

Zeitbedarf ca. 6 Stunden zzgl. Pausen und Besichtigungen

Tagesimpuls: Eines Tages, als sie miteinander unterwegs waren, kam einer auf Jesus zu und sprach ihn an:“Ich will mit dir gehen, überall, wohin du gehst!“ Jesus erwiderte: „Die Füchse haben ihren Bau. Die Vögel haben ihr Nest. Ich, der Bevollmächtigte Gottes, habe nicht einmal einen Schlafplatz oder ein Versteck vor den Mächtigen, die mir nachstellen.“ (Lk 9, 57f.)

Legende: Hildegund von Neuss, oder Hildegund von Schönau, wie sie auch genannt wird, wurde in Neuss am Rhein als Tochter eines reichen Bürgers um 1171 geboren. Ihr Vater nahm sie mit auf eine Pilgerreise in das Heilige Land, nach Jerusalem. Zu ihrem Schutz steckte ihr Vater sie in Jungenkleider und gab ihr den Namen Joseph. Auf der Rückreise starb ihr Vater und Hildegund musste große Gefahren und Schwierigkeiten meistern. Auch wurde sie wegen Diebstahl zum Tode verurteilt, jedoch von Engeln errettet. Gestorben ist die heilige Hildegund mit nur 17 Jahren am 20. April 1188 im Zisterzienser-Kloster Schönau im Odenwald. Erst nach ihrem Tod hat man ihr wahres Geschlecht entdeckt. Ihr Grab befindet sich im Chor der Klosterkirche von Schönau.

Neuss am Rhein

Allgemeines: Neuss liegt linksrheinisch gegenüber Düsseldorf in Nordrhein-Westfalen und ist Kreisstadt des Rhein-Kreises Neuss. Die Einwohnerzahl belief sich am 30.09.2007 auf 152450. Als römische Grün­dung am Jahr 16 v. Chr. feierte Neuss im Jahr 1984 das 2000-jährige Bestehen. Das Neusser Bürger-Schützenfest am letzten August-Wochenende jeden Jahres gilt als das zweitgrößte Schützenfest in Deutschland, mit ca. 6500 Schützen und 1200 Musikern. Weitere Informationen und einen Stadtrund­gang durch Neuss finden Sie im Anhang 1 dieses Pilger-Wanderführers.

Anlaufstellen:  Katholisches Pfarramt St. Quirinus (Münsterkirche), Freithof 7, 41460 Neuss, Tel. 02131-222327; Verband Ev. Kirchengemeinden in der Stadt Neuss, Further Straße 157, 41462 Neuss, Tel. 02131-66599-00; Islamische Gemeinde Neuss, Gielenstr.9, 41460 Neuss, Tel.: 02131-222258; Tourist Information Neuss, Rathaus-Arkaden, Büchel 6, 41460 Neuss, Tel. 02131-4037795, E-Mail: tourist-information(at)nttg-neuss.de

Übernachtung:  Jugendherberge Uedesheim (direkt am Jakobsweg), Macherscheider Straße 109, 41468 Neuss, Ü/F im DZ 46,40 Euro, Tel. 02131-718750, E-Mail: neuss(at)jugendherberge.de; Kolpinghaus (Innenstadt), Burggraben 1, 41460 Neuss, Ü im Doppelzimmer (ohne Frühstück) 42,– Euro, Tel. 02131-225-0, E-Mail: neusskolpinghaus(at)aol.com; Frank Schulze, Grünstraße 12 (Gnadental/Nähe Römerlager), 41460 Neuss, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 24,– Euro, Tel. 02131-470633, Frank.Schulze(at)extern.stk. nrw.de; Georg Scholz, Breite Straße 54 (Innenstadt), 41460 Neuss, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 30,– Euro, Tel. 02137-7864300, E-Mail: wohnung(at)ks-scholz.de

Geschichte: Ob Neuss nun wirklich neben Augsburg und Trier oder auch Kempten die älteste Stadt in Deutschland ist, sei einmal dahingestellt. Sicher ist die Gründung von Castra Novaesium im Jahr 16 v. Chr. durch die Römer. Und es ist der zweitälteste Ort an Ihrem Jakobsweg von Neuss über Köln nach Koblenz-Stolzenfels. Köln wurde spätestens 19 v. Chr. gegründet, Bonn und Andernach 12 v. Chr. und Koblenz schließlich 9 v. Chr. Ein erstes steinernes Legionslager mit bis zu 6500 Mann Besatzung entstand im 1. Jahrhundert n. Chr. Als das Lager an der Erftmündung Ende des 3. Jhs. aufgegeben hatte, entstand im Bereich der römischen Zivilsiedlung nahe des heutigen Quirinusmünsters eine neue Befestigung. Daraus entwickelte sich das mittelalterliche und heutige Neuss, denn hier wurde im 9. Jh. auch eine Kirche gebaut und daneben, Ende des 10. Jh., ein Benediktinerinnenkloster. Wahrscheinlich sind in dieser Zeit auch die Reliquien des heiligen Quirinus, der den Märtyrertod in Rom gestorben sein soll, nach Neuss überführt worden.

Heinrich VI. bestätigte 1190 die Zollfreiheit für Neuss, und ab 1200 hat man die Stadtmauer mit insgesamt 5 Türmen errichtet. Im Jahre 1209 wurde der Grundstein für das Quirinusmünster gelegt. Die verstärkt einsetzende Verehrung des Neusser Stadtpatrons als Patron der Pferde, Rinder und Ritter sowie seine Anrufung bei Bein- und Fußleiden, Gicht, Lähmung, Eitergeschwüren, Hautausschlag, Pest, Ohrenschmerzen, bei Kropf, Fisteln, Knochenfraß und Pocken (Quelle: www.wikipedia.org) machten eine größere Kirche nötig und wohl auch erst finanziell möglich. Allmählich entwickelte sich Neuss im  Mittelalter neben Aachen und Köln zu einer der wichtigsten rheinischen Wallfahrtsstätten. Zeitweise waren über 5000 Pilger in der Stadt – bei einer Einwohnerzahl von rund 4000.

Der falsche Kaiser Tile Kolup, der sich den Volksglauben an die Rückkehr des beliebten, 1250 gestorbenen Kaisers Friedrich II. geschickt zunutze machte, hielt 1284/85 fast ein Jahr lang Hof in Neuss. Natürlich drehte es sich, wie so oft in der Geschichte und in der Gegenwart, um das liebe Geld. Denn wer den Kaiser in seinen Mauern beherbergte, der brauchte dem rechtmäßigen König keinen Tribut zu leisten. Oder? Rudolf von Habsburg, der rechtmäßige König, belagerte die Stadt vergeblich, um dessen Auslieferung zu erzwingen. Im Sommer 1285 zog Tile Kolub mit seinem Gefolge aus ungeklärten Gründen nach Wetzlar. Auch hier wurde er mit allen Würden empfangen – bis Rudolf von Habsburg vor den Toren Wetzlars stand. Da bekamen die Wetzlarer Angst vor ihrer eigenen Courage und lieferten Tile Kolup an den König aus. Schließlich wurde er am 07. Juli 1285 in der Nähe von Wetzlar als Ketzer verbrannt.

Einen gewaltigen Aufschwung erlebte Neuss nach dem Burgundischen Krieg, auch Neusser Krieg oder Kölner Stiftsfehde genannt. Die Auseinandersetzung wurde zwischen dem Kölner Erzbischof Ruprecht von der Pfalz auf der einen, und dem Kölner Domkapitel auf der anderen Seite geführt. Der Burgunderherzog Karl der Kühne stand dem Erzbischof zur Seite. Während Ruprecht von der Pfalz im Wesentlichen die niederrheinischen und westfälischen Besitzungen zurückerobern und die Privilegien des Domkapitels und der Städte in Kurköln beschneiden wollte, versuchte Karl der Kühne in kriegerischen Auseinandersetzungen, ein unabhängiges Königtum Burgund zu schaffen. Dabei musste er sich gegen den Kaiser wenden, nachdem der Versuch, seine Tochter mit dem kaiserlichen Sohn zu vermählen, scheiterte. Karl der Kühne wurde durch die 10monatige, erfolglose Belagerung von Neuss entscheidend geschwächt, der Kaiser aber bedankte sich bei den Neussern mit dem Münzprivileg und den Hanserechten.

Im Kölnischen oder Truchsessischen Krieg, in dem die Bayern gegen den zum Protestantismus gewechselten Kölner Erzbischof vorgingen, wurde Neuss erobert und verlor die Privilegien wieder. Ein großer Stadtbrand 1586 tat ein Übriges zum Niedergang der wirtschaftlichen Macht von Neuss.

Die Stiftsfehde und auch der Truchsessische Krieg werden Ihnen auf dem weiteren Weg entlang des Rheins in Richtung Koblenz noch häufiger begegnen.

Erst im 19. Jh. erlebte Neuss wieder einen Aufschwung. Die Stadt wurde an das rechtsrheinische Bahnnetz angeschlossen und der Neusser Hafen ausgebaut. Sehenswürdigkeiten: Neuss ist immer wieder einen Besuch wert. Einen kleinen Stadtrundgang durch das historische Neuss habe ich für Sie im Anhang 1 zusammengestellt.

Rhein-Camino: Ihr Jakobsweg am Rhein startet mitten in der Stadt, am Quirinus-Münster. Er folgt bis zum Bonner Münster dem Niederrhein-Camino von Nimwegen über Xanten nach Bonn, den der Landschaftsverband Rheinland initiiert und markiert hat. Ein Pilgerwanderführer von Frau Heusch-Altenstein für diesen Weg ist zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses beim Landschaftsverband Rheinland in Vorbereitung und wird im Herbst 2008 erscheinen. Hier am Quirinus-Münster, zwischen der altehr­würdigen Kirche aus dem 13. Jh. und dem Zeughaus, steht auch die lebensgroße Bronze-Statue eines mittelalterlichen Pilgers. Ein wenig sieht dieser Pilger aus, als wäre er vor irgendetwas auf der Flucht. Na ja, wer weiß?! Sie gehen die Treppe hinunter und gelangen durch die Gasse auf der gegenüber liegenden Seite zum Omnibusbahnhof. Hinter dem großen Bauzaun, den Sie sicherlich 2008 und vielleicht auch noch 2009 vorfinden werden, finden archäologische Grabungen zum mittelalterlichen Neuss statt. In diesem Bereich muss auch die römische Zivilstadt gewesen sein; das Militär-Lager des römischen No­vaesium passieren Sie wenig später auf Ihrem Weg durch den Stadtteil Gnadental und Grimling­hau­sen.

Am Rheinischen Landestheater vorbei geht es auf der Oberstraße bis zum Obertor, dem einzigen noch erhaltenen Stadttor des mittelalterlichen Neuss. Dieses südlich gelegene, mächtige Stadttor wurde mit der Stadtmauer um 1200 gebaut und kontrollierte die wichtige Handelsstraße nach Köln. Sicher sind viele Pilger durch das Obertor in Richtung Süden gepilgert. Heute ist hier die Abteilung zum mittelalterlichen Neuss des Clemens-Sels-Museums untergebracht.

Weiter geht es zunächst am Kloster Immaculata und am St.-Josef-Krankenhaus vorbei, beides Gründun­gen der Neusser Augustinerinnen, bis zum Alexianerplatz. Wenn Sie die Straße überquert haben, folgen Sie dem Fußweg, der auf die Schule zuläuft und schon bald in einen Waldweg, dem Scheibendamm, übergeht. Wahrscheinlich wird der Landschaftsverband Rheinland noch in diesem Jahr damit beginnen, den Weg mit der Jakobsmuschel zu markieren, so dass es dann einfacher wird, den Weg zu finden.

Schnurgerade ist der Weg, der bis zum Neusser Sporthafen zwischen Gnadental und Grimlinghausen führt. Wenn Sie unter der Autobahn hindurchgegangen sind, befinden Sie sich im heutigen Neusser Stadtteil Gnadental und passieren das Areal des römischen Militärlagers aus der Mitte des 1. Jh. Hier war eine ganze Legion mit fast 6500 Soldaten stationiert. Nur wenige Schritte benötigen Sie für einen Ab­stecher zum ‚Historischen Rundgang’, der im Bereich des ehemaligen Garnisonsgeländes angelegt wurde. Nicht alle Exponate stammen aus Neuss – aber interessant ist der Rundgang allemal. Teil dieses Rund­ganges ist auch die Fossa Sanguinis, die angebliche Kybele-Kultstätte am Gepa-Platz in Gnadental. Dieser spätantike Keller ist einzigartig unter den archäologischen Funden – aber ob er tatsächlich dem Kybele-Kult gedient hat, ist mehr als fraglich.

Zurück auf dem Rhein-Camino, umrunden Sie den Sporthafen – hier werden übrigens die höchsten Immobilienpreise in Neuss gezahlt – und erreichen die Erftmündung.  An dieser strategisch wichtigen Stelle entstanden seit 16 v. Chr. neun aufeinanderfolgende römische Legionslager. Sogar eine Brücke über die Erft hatten die Römer errichtet – leider wurde der Erftübergang im 16. Jh. zerstört.

Auf der Straße Am Römerlager sind Sie im Neusser Stadtteil Grimlinghausen. Von hier führt der Weg mit kleinen Ausnahmen immer am Rhein entlang, orientiert sich an der Römerstraße, die von Xanten nach Mainz führte.

Am Ortsausgang von Grimlinghausen pilgern Sie bitte auf dem Fahrradweg neben der Straße weiter. Dann kommen Sie direkt an der Rekonstruktion eines römischen Wachtturms am niedergermanischen Limes vorbei. Hier in der Nähe des Reckberges (ca. 44m N.N.) befand sich ein römisches Kleinkastell, und um 1900 wurden die Fundamente eines Wacht- und Aussichtsturmes ca. 200 m davon entfernt gefunden. Von hier aus wurden Signale an die in Sichtweite liegenden Lager Dormagen (Durnomagus) und Neuss (Novaesium) weitergegeben.

Der Pilgerweg auf dem Rhein-Camino führt vom Reckberg geradeaus durch den Neusser Stadtteil Uedes­heim, vorbei an der Jugendherberge und wieder in die Nähe des Rheins. Hier geht es immer weiter auf dem gut ausgebauten Fahrradweg rheinaufwärts in Richtung Dormagen und Köln.

Dormagen, genaugenommen den kleinen Ortsteil St. Peter, haben Sie schon erreicht, wenn es vom Rhein hoch auf die B9 und dann weiter an der vielbefahrenen ehemaligen Römerstraße geht. Sie pas­sieren den Silbersee, der an heißen Tagen gerne (verbotenerweise) zum Schwimmen genutzt wird. Dies ist nicht ganz ungefährlich. Die früher hier angesiedelte Zinkhütte hat eine große Arsenblase im ver­seuch­ten Erdreich hinterlassen. An der großen Kreuzung überquert der Jakobsweg die B9 und auf der anderen Seite die daneben verlaufenden Gleise und biegt dann nach links in die Düsseldorfer Straße ein. Von hier aus geht es durch den Ort Stürzelberg bis zum Campingplatz am Rhein hinunter.

Wenn Sie auf dem Rhein-Camino nach rechts in die Oberstraße abbiegen, passieren Sie die Stürzelberger Pfarrkirche, die dem heiligen Aloysius von Gonzaga geweiht wurde. 1838 wurde die Kirche als Kapelle erbaut und 1910 mit einem Seitenschiff zur Kirche erweitert.

Immer entlang der Oberstraße pilgern Sie durch die typische Niederrhein-Landschaft bis Zons. Der Nie­der­rhein ist eine Landschaft voller Gegensätze und Eigentümlichkeiten mit schnurgeraden Pappelreihen, knorrigen Kopfweiden, grünen Rheinauen, weiten Feldern und Wiesen. Eine außergewöhnliche Eigen­tümlichkeit ist auch die Feste Zons bzw., ganz genau genommen, die Stadt Zons. Zwar handelt es sich um einen Dormagener Stadtteil, wegen der historischen Bedeutung darf sich Zons aber seit 1992 ‚Stadt Zons’ nennen. Natürlich nur als Titularstadt.

Stadt Zons

Allgemeines: Stadt Zons ist ein Stadtteil von Dormagen liegt linksrheinisch im Rhein-Kreis Neuss im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Einwohnerzahl belief sich im Januar 2006 auf 5405. 

Anlaufstellen:  Pfarrbüro St. Martinus, Hubertusstraße 1a, 41541 Dormagen, Tel. 02133-42180, E-Mail: pfarrbuero(at)st-martinus-zons.de; Gemeinsames Evangelisches Pfarramt, Ostpreußenallee 1, 41539 Dormagen, Tel. 02133-219221; Tourist-Information, Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft Dor­ma­gen GmbH (SVGD), Schlossstraße 2-4, 41541 Dormagen (Zons), Tel. 02133-2762815, E-Mail: tourismus(at)svgd.de

Übernachtung:  Gästehaus Matzke, Kurfürstenstraße 9, 41541 Dormagen-Zons, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 50 Euro, Tel. 02133-45334; Gästehaus Wolter, Goltsteinstraße 5, 41541 Dormagen-Zons, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 50 Euro, Tel. 02133-46539, E-Mail: lydiawolter(at)aol.com

Geschichte: Schon im 7. Jh. wurde Zons erstmals urkundlich erwähnt, im Testament des Bischofs Kunibert von Köln. Aber archäologische Funde deuten auf eine Besiedlung des Gebietes schon in der Merowingerzeit hin. Eindeutig belegt ist ein Fronhof der Kölner Erzbischöfe im 12. Jh.

Die Befestigung von Zons stammen aus dem 13. und 14. Jh. – 1372 verlegte der Kölner Erzbischof die Erhebung des Rheinzolls von Neuss nach Zons, 1373 erhielt Zons die Stadtrechte, konnte sich aber in der Folgezeit wirtschaftlich nicht richtig entwickeln. 1463 verpfändete der Erzbischof die Festung an das Kölner Domkapitel.

Sehenswürdigkeiten: Der Rhein-Camino führt Sie durch das nördliche Rheintor in die Feste Zons hinein. Bevor Sie durch das alte Stadttor gehen, schauen Sie sich doch auf dem Vorplatz noch die Jakobsweg-Stele des Landschaftsverbandes Rheinland an. Zum Zeitpunkt der Recherche (April 2008) war die Aufstellung noch in der Planung, sollte aber bei Erscheinen des Pilgerwanderführers vollzogen worden sein.

Der Rheinturm, wegen der Figur des heiligen Petrus auch Petersturm genannt, wurde 1388 erbaut, hatte ursprünglich die Aufgabe, die Zolleinnahmen zu sichern. Im 19. Jh. wurde er als Wohnturm genutzt, an­schließend mit dem alten Zollhaus Teil eines Franziskanerinnenklosters. Die angebaute Rheintor-Kapelle wurde vom Kloster nach 1860 erbaut. Hier, unter dem Rheintor, ist das alte Kopfsteinpflaster noch er­halten, mit dem früher die ganze Altstadt gepflastert war.

Wenn Sie durch die Rheinstraße gehen, fallen Ihnen sicherlich die vielen schönen Details an den alten Häusern auf. Zwar sind diese alle nach dem großen Brand zu Beginn des 17. Jh. gebaut – dennoch ist das genauere Hinsehen lohnenswert. Am Haus Rheinstraße 8 ist allerdings die Jahreszahl 1310 auf der Haustür der Wunsch der Vater des Gedankens. Es müsste eigentlich 1710 heißen, die nachgemalten Zahlen sind nicht korrekt.

Die beiden auf der Rheinmauer erhaltenen Wachtürmchen – bis ins Jahr 1784 stand in der Mitte auch noch einer – werden auch Pfefferbüchsen genannt. Der mittlere Turm ist bei einem Hochwasser mit einem Teil der Mauer eingestürzt.

Sie gehen immer an der Mauer entlang, bleiben auf der Rheinstraße, und kommen zum ehemaligen Marktplatz, dem heutigen Schlossplatz. Vielleicht bemerken Sie, dass das Haus gleich am Eingang zum Platz, auf der linken Seite, auffällig schmal ist. Es benutzt als Wand einen Teil der Rheinmauer. Um aber auch größeren Fuhrwerken die Durchfahrt zu ermöglichen, musste das Haus besonders schmal gebaut werden. Der Schlossplatz liegt an der Schnittstelle von Rhein- und Schlossstraße, d. h., wenn Sie sich nach rechts wenden, gelangen Sie zum zweiten großen Zonser Stadttor, dem Feldtor. Links von Ihnen befindet sich ein schmaler Durchgang, durch den Sie auf die andere Seite der Rheinmauer gelangen.

Weiter geradeaus gelangen Sie in den Burghof. Heute wird die Burg als Kulturzentrum genutzt.

Interessant für Sie als Jakobspilger ist sicherlich der Ausgrabungs-Fund einer großen Muschel mit zwei Löchern. Benutzt wurde sie wohl als Pilgerzeichen, aber erst in der frühen Neuzeit, also zwischen dem 16. und 18. Jh. Wer die Muschel wohl getragen haben mag? Vielleicht war es ein Bewohner der Burg Friedestorm?

Die Fläche der Burg nimmt 1/6 der gesamten Stadt Zons ein. Hier wurden bei Ausgrabungen die ältesten Zonser Siedlungsspuren gefunden. Alleine fünf Kirchenbauten lassen sich im Burghof nachweisen: Der älteste Bau, eine Holzkirche, stammt aus dem 8. Jh. bis zu einem dreischiffigen, romanischen Bau aus dem 12. Jh., der dann in die Burganlage integriert wurde. Durch verschiedenfarbige Pflasterungen hat man die Stelle der verschiedenen Kirchbauten für den Besucher sichtbar gemacht.

Wenn Sie der Schlossstraße folgen, gelangen Sie zum ehemaligen Feldtor, von dem die dicken Mauern noch erhalten sind und einen kleinen Eindruck des ehemals mächtigen Tores vermitteln. Sie können dem Wallgraben nach rechts folgen, bis zum Krötschenturm, dem besterhaltenen Turm der Stadtbefestigung. Der Rhein-Camino führt aber nach links, in Richtung Windmühle. Diese ist sechsgeschossig und wie der Krötschenturm als Rundturm gebaut. Mühlenfunktion hat dieser Turm nachweislich seit 1447 gehabt, der Umbau zur Windmühle erfolgte gegen Ende des 17. Jh.

An der Mauerecke biegen Sie wieder nach links ein und folgen dem rund 25 m breiten Zwinger. Dabei passieren Sie auch den ehemaligen Zonser Hafen. Die Schiffe mussten hier um die Stadtmauer herum­gezogen werden.

Rhein-Camino: Von hier aus gehen Sie auf Ihrem Pilgerweg bis hinunter zum Rhein, um dann auf dem Deich bis nach Dormagen zu gelangen. Vorbei geht es an der Deponie und der Kläranlage auf dem Weg Oberster Monheimer Weg, bis dieser im Bogen zur Rheinfelder Straße und zur B9 führt.

Wenn Dormagen Ihr heutiges Etappenziel sein soll, überqueren Sie einfach die B9, folgen der Europa­straße ein Stückchen und biegen in eine der Straßen nach rechts ab. Diese führen Sie in die Innenstadt und zur Rathaus-Galerie.

Dormagen

Allgemeines: Dormagen liegt linksrheinisch im Rhein-Kreis Neuss im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 63474. 

Anlaufstellen:  Pfarrgemeinde St. Michael, Kölner Str. 38, 41539 Dormagen, Tel. 02133-42190, E-Mail: pastoralbuero(at)st-michael-dormagen.de; Gemeinsames Evangelisches Pfarramt, Ostpreußenallee 1, 41539 Dormagen, Tel. 02133-219221; Islamische Gemeinde Dormagen, Rosellerstr. 21, 41539 Dormagen; Tourist-Information, Stadtmarketing- und Verkehrsgesellschaft Dormagen GmbH (SVGD), Schlossstraße 2-4, 41541 Dormagen (Zons), Tel. 02133-2762815, E-Mail: tourismus(at)svgd.de

Übernachtung:  Gästehaus Renate Klein, Robert-Koch-Straße 25, 41539 Dormagen-Nord, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 36 Euro, Tel. 02133-43752; Klaus Tosetti, Florastraße 21, 41539 Dormagen-Mitte, Ü im DZ (ohne Frühstück) ab 40 Euro, Tel. 02133-49836

Durch den historischen Stadtkern von Dormagen verläuft heute die Kölner Straße, teilweise Fußgänger­zone, die im Wesentlichen dem Verlauf der alten Römerstraße Mainz-Xanten entspricht. Und obwohl der Raum Dormagen wohl Siedlungsgebiet der Eburonen (eines keltischen Volksstammes) war und später die Ubier angesiedelt wurden, beginnt die Bedeutung von Dormagen erst mit den Römern – damit einher gehend die Errichtung des Kastells genau zwischen Neuss und Köln, jeweils eine Tagesreise in beide Richtungen. Jedoch wurde die hier stationierte I. Legion schon 35 n. Chr. nach Bonn verlegt und es verblieb nur eine Abteilung in Durnomagus. Auch diese Abteilung wurde nach dem Bataveraufstand aufgelöst und erst 80 n. Chr. wieder ein Kastell errichtet. In einer Villa Rustica nahe Dormagen ist im 2. Jh. eine Kultstätte für die römisch/persische Gottheit Mithras nachgewiesen.

Die Franken haben im 5. Jh. die Römer abgelöst, Nievenheim, heute ein Dormagener Stadtteil, wurde zur Hauptstadt eines Gaus.

Die katholische Pfarrkirche St. Michael wurde ursprünglich 1190 erbaut. Sie steht auf den Fundamenten eines römischen Marstempels. Einen Keller und römische Fundgegenstände können Sie unter dem Pfarrheim besichtigen, wenn Sie sich den Schlüssel im Pfarrbüro besorgen (Öffnungszeiten Mo – Fr 00:00 – 00:00 Uhr). ?????????????? Die ersten drei Etagen des romanischen Turmes  sind erhalten. Über die vermutlich hölzerne Vorgängerkirche aus der Frankenzeit gibt es nur Vermutungen. Bis in das 19. Jh. hinein diente das Gelände um die Kirche als Friedhof. Der romanische Bau wurde im Laufe der Zeit durch eine gotische Kirche ersetzt, 1887 diese wiederum durch einen neugotischen Bau. Aber auch diese wurde 1970 abgetragen und durch das heutige moderne Gotteshaus ersetzt.

Ein Abstecher des Jakobsweges führt über das Kloster Knechtsteden, im Südwesten von Dormagen gelegen. Gegründet – von Köln aus – 1130, begann 1138 der Bau der Basilika. Es handelt sich um eine Doppelchoranlage, und während der Ostchor gotisch erneuert wurde, ist der Westchor original erhalten. Auch die Malerei ist noch ursprünglich und macht die Klosterbasilika zu einem besonderen Kleinod. Im Kloster ist für Pilger auch eine Übernachtung möglich.

Der Rhein-Camino führt nicht nach Dormagen hinein (obwohl die Altstadt durchaus sehenswert ist), son­dern führt Sie an der B9 nach links in Richtung (Köln-) Worringen. Nach kurzer Zeit erreichen Sie auf der Kölner Straße und wenig später auf der Neusser Landstraße den Chemiepark Dormagen und laufen zwischen dem Rhein und Bayer Dormagen bis nach Worringen. Von hier aus können Sie entweder mit dem Bus über Chorweiler (S-Bahnhof) in die Innenstadt fahren (Bushaltestellen u.a. an der B9), oder aber von der B9 rechts in die Alte Neusser Landstraße und dann rechts in die St.-Tönnis-Straße abbie­gen. Die führt Sie bis zum S-Bahnhof Worringen. 

Worringen

Allgemeines: Worringen ist der nördlichste Stadtteil von Köln und liegt linksrheinisch im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Die Einwohnerzahl belief sich am 31.12.2006 auf 9291. 

Anlaufstellen:  Pfarrbüro St. Pankratius, St.-Tönnis-Straße. 33, 50769 Köln (Worringen), Tel. 0221-782322, E-Mail: pastoralbuero(at)pfarrverband-awb.de; Evangelische Friedenskirche, Pfarrer Volker Hofmann, Hackenbroicher Straße 59, 50769 Köln, Tel.  0221-782338, E-Mail: hofmann(at)kirche-koeln.de; Islamische Gemeinde, Vietorstr. 70, 51103 Köln, Tel.: 0221-855226; KölnTourismus, Unter Fettenhennen 19 (Service-Center am Dom), 50667 Köln, Tel. 0221-221-30400, E-Mail: info(at)koelntourismus.de

Übernachtung:  Alle günstigen Übernachtungsmöglichkeiten befinden sich mehr oder weniger in der Kölner Innenstadt, sind somit sehr gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen: Jugendherberge Köln-Riehl, City-Hostel, An der Schanz 14, 50735 Köln, ÜF ab 24,30 Euro im Mehrbettzimmer, Tel. 0221-767081, E-Mail: koeln-riehl(at)jugendherberge.de; Jugendherberge Köln-Deutz, City-Hostel, Siegesstraße 5, 50679 Köln, ÜF ab 24,30 Euro im Mehrbettzimmer, Tel. 0221-814711, E-Mail: koeln-deutz(at) jugendherberge.de; Station Hostel for Backpackers, Marzellenstraße 40-48, 50668 Köln, Ü im DZ ab 42 Euro, Tel. 0221-9125301, E-Mail: station(at)hostel-cologne.de; Art of Overnight Housing Köln – private Jugendherberge und Hostel, Hohenstaufenring, 50674 Köln-Zentrum, Tel. 0221-3500933, E-Mail: ohc-haus(at)t-online.de

Die bereits oben erwähnten keltischen Eburonen, danach die Ubier und dann, ab ca. 50 n. Chr., die Römer lassen sich archäologisch in Worringen nachweisen. Ihnen folgten ab etwa 355 die Franken. 922 wurde die Stadt erstmals urkundlich erwähnt, und nachdem im Jahre 1151 der Graf von Jülich Worringen an die Kölner Domprobstei  verkaufte, sicherte der Kölner Erzbischof diesen strategisch wichtigen Ort mit einer Burg. 1247, als Wilhelm von Holland zum deutschen König gewählt wurde, platzte sie aus allen Nähten, die Edlen und Ritter mussten in der näheren und weiteren Umgebung untergebracht werden.

Im Jahre 1288, mit der Schlacht von Worringen jedoch, wurde hier deutsche und europäische Geschichte geschrieben. Heute würde man sagen, dass sich durch den Ausgang der Schlacht die politische Land­schaft grundlegend verändert hat. Die blutige Schlacht, bei der 1100 Kämpfer den Tod auf dem Schlacht­feld fanden und 700 später ihren Verletzungen erlagen, war der grausame Höhepunkt des Limburger Erbfolgestreites.

Es begann alles im Jahr 1282 und zunächst war es eigentlich, wie es immer war. Wenn zwei sich streiten, dann freut sich der Dritte. Denn während sich seine Verwandtschaft um das Herzogtum Limburg (im heutigen Belgien) und den Titel des Herzogs von Niederlothringen stritten, verkaufte einer der Erb­berechtigten, Adolf von Berg, seinen Anspruch an Johann von Brabant. Dieser konnte zwar keine eigenen Erbansprüche anmelden, hatte aber große machtpolitische und wirtschaftliche Interessen an Limburg. Da aber Adolfs Vasallen dieses Spiel nicht mitmachen wollten und dem Brabanter den Huldigungseid ver­weigerten, marschierte dieser mit seinen Truppen in Limburg ein.

Und nun kommt der Kölner Erzbischof, Siegfried von Westerburg, ins Spiel. Der musste den Machtzu­wachs Johann von Brabants als Bedrohung und Gefährdung seines Kurfürstentums Köln am Niederrhein empfinden.

In den folgenden Jahren kam es immer wieder zu Scharmützeln zwischen den verschiedenen Parteien, die sich in diesem Konflikt gebildet hatten. Dem Kölner Erzbischof Siegfried von Westerburg mit seinen Verbündeten Reinald I. von Geldern, Heinrich VI. Graf von Luxemburg, Walram von Luxemburg, Graf Adolf von Nassau (dem späteren deutschen König) und einigen anderen standen Johann I. von Brabant, Herzog von Brabant, mit seinen Vasallen Graf Adolf V. von Berg, Graf Eberhard I. von der Mark sowie u.a. Bürger von Köln und bergische und märkische Bauern gegenüber.

Als im Mai 1288 Köln zu einer wichtigen Basis für Johann von Brabant wurde, spitzte sich die Lage zu. Das erste Ziel der Allianz, die erzbischöfliche Burg Worringen zu schleifen, führte zur Belagerung der Stadt. Die Bürger von Köln, sowieso immer scharf darauf, ihrem Erzbischof eins auszuwischen, waren mit einem großen Kontingent daran beteiligt.

Siegfried von Westerburg sammelte seine Vasallen und die Truppen bei Neuss. Nach der Aufnahme sei­nes Feindes Johann von Brabant in der Stadt Köln hatte der Erzbischof keine andere Wahl mehr: Er muss­te die Entscheidung suchen.

Am 05. Juni kam es bei Worringen zur alles entscheidenden Schlacht. Schon bald musste der Kölner Erzbischof seine aussichtslose Lage erkennen und bot die Kapitulation an. Der Verlust des Fahnenwagens an die kölnischen und bergischen Fußtruppen ließ den kurkölnischen Widerstand völlig zusammen­bre­chen. Auch die Vasallen mussten einer nach dem anderen den Kampf einstellen und gerieten in Gefan­genschaft.

Die Auswirkungen der Schlacht von Worringen auf das Machtgefüge in Mitteleuropa waren enorm. Die Territorien der Grafen von Berg und von der Mark wurden ausgebaut, die Bestrebungen des Erzbischofs, seine Besitztümer am Niederrhein und in Westfalen zu sichern und auszuweiten, waren zunichtegemacht. Siegfried von Westerburg wurde in Schloss Burg an der Wupper gefangen gehalten und gelangte erst 1289 die Freiheit wieder. Bis dahin hatten die Sieger bereits Tatsachen geschaffen. Burg Worringen, Feste Zons und Neuenberg wurden geschliffen. Düsseldorf erhielt von Adolf von Berg die Stadtrechte, damit war die Grundlage für die spätere bergische Residenzstadt geschaffen. Auch in Westfalen wurden die kurkölnischen Burgen geschliffen. Auch wenn der Erzbischof nach seiner Freilassung einen Prozess gegen die Stadt Köln anstrengte, so hatte die Stadt doch schon quasi den Status einer Reichsstadt. Die offizielle Anerkennung ließ aber dann noch 200 Jahre auf sich warten. Der Erzbischof hatte damit end­gültig die Herrschaft über seine eigene Bischofsstadt verloren.

1292 erhielt der Herzog von Brabant von Adolf von Nassau das Herzogtum Limburg als Lehen und es wurde der rote Limburger Löwe zu den goldenen brabantischen Löwen im Wappen hinzugefügt.

Der Pilgerweg führt Sie auch an der neugotischen Pfarrkirche St. Pankratius, gebaut Ende des 19. Jh., vorbei. Auf dem Vorplatz erinnert eine Stele an die Schlacht von Worringen. Die neue Pfarrkirche wurde errichtet, weil die alte Kirche aus dem 12. und 13. Jh. an der Alten Neusser Landstraße zu klein gewor­den war. Von diesem romanischen Bau ist nur noch der Turm erhalten.

Trotz der Eingemeindung in die Millionenstadt Köln hat sich der nördlichste Stadtteil Worringen seinen niederrheinischen Charakter und Charme erhalten. Bei schönem Wetter macht es viel Spaß, durch die Straßen und Gassen zu bummeln. Und die Kölner Innenstadt ist per ÖPNV schnell erreichbar, so dass Sie auf dem Weg zu Ihrer Unterkunft (siehe Anmerkungen im Worringer Infofeld oben) nicht zu hetzen brauchen.